Bundesarbeitsgericht Wer Teilzeit arbeitet, kommt künftig leichter an Zuschläge für Überstunden

Wer in Teilzeit mehr arbeitet als die vereinbarten Stunden, hatte bisher nicht immer Anspruch auf dieselben Zuschläge wie die Kollegen in Vollzeit. Das Bundesarbeitsgericht hat nun festgestellt: So geht es nicht.

Zu viel Arbeit auf dem Tisch?
DPA

Zu viel Arbeit auf dem Tisch?


Wenn Teilzeitbeschäftigte Überstunden machen, können sie künftig leichter einen Zuschlag für ihre Mehrarbeit einfordern. Der Zuschlag werde nicht erst fällig, wenn der betroffene Arbeitnehmer mehr arbeitet als seine in Vollzeit beschäftigten Kollegen. Das schreibt das Bundesarbeitsgericht in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen 10 AZR 231/18).

Die Klägerin ist stellvertretende Filialleiterin in der Gastronomie. Die Arbeitszeit wird dort nicht wochen-, sondern jahresbezogen vereinbart. Bei ihr waren dies 90 Prozent einer vollen Stelle mit 2028 Stunden, also 1818 Stunden.

2016 arbeitete die Klägerin knapp 20 Stunden mehr als im Arbeitsvertrag festgeschrieben. Das Unternehmen zahlte hierfür den regulären Lohn von 13,22 Euro pro Stunde. Mit ihrer Klage forderte die stellvertretende Filialleiterin zusätzlich den tariflichen Mehrarbeitszuschlag von 33 Prozent, insgesamt 85,90 Euro.

Wie schon die Vorinstanzen gab auch das Bundesarbeitsgericht nun der Klage statt: "Die Auslegung des Tarifvertrags ergibt, dass Teilzeitbeschäftigte mit vereinbarter Jahresarbeitszeit einen Anspruch auf Mehrarbeitszuschläge für die Arbeitszeit haben, die über ihre individuell festgelegte Arbeitszeit hinausgeht." Andernfalls würden Teilzeitbeschäftigte unzulässig benachteiligt.

Diese Auslegung ergebe sich aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz, erklärte das Gericht. Demnach dürften Teilzeitbeschäftigte "wegen der Teilzeitarbeit nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer, es sei denn, dass sachliche Gründe eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen".

Zumindest einen "sachlichen Grund" können Arbeitgeber und Juristen nun nicht mehr anführen: Dass Teilzeitbeschäftigte insgesamt weniger belastet seien und keinen Mehrarbeitszuschlag verlangen könnten, weil dieser Zuschlag die hohe Belastung ausgleichen solle, die erst bei Arbeit über eine Vollzeitstelle hinaus entstehe.

lov/AFP



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