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Höhenretter im Ulmer Münster Abseilen vom höchsten Kirchturm der Welt

Das Ulmer Münster hat den höchsten Kirchturm der Welt, 768 Stufen führen zur Aussichtsplattform. Aber wie kommt man im Notfall wieder runter? Höhenretter proben die Bergung eines Herzinfarktpatienten.
Höhenretter der Feuerwehr proben im Ulmer Münster

Höhenretter der Feuerwehr proben im Ulmer Münster

Foto: Felix Kästle/ dpa

Tobias Hilpold spielt seine Rolle gut. Laut Drehbuch hat er starke Herzbeschwerden, sie strahlen in seinen Arm aus. Ein Infarkt? Um ihn herum wuseln Rettungskräfte, sie schließen ihn an Schläuche und Maschinen an, bauen ein EKG auf, überprüfen Werte. Hilpold muss schnell in ein Krankenhaus, raus aus dem Ulmer Münster. Doch bis nach unten sind es Hunderte Treppenstufen. Der Kirchturm ist mit 161,53 Meter der höchste der Welt.

Die Retter schnallen den 21-Jährigen auf einer Trage fest, decken ihn zu und tragen ihn ins sogenannte Turmzimmer. Von hier, in 72 Meter Höhe, führt ein schmaler Schacht durch den Glockensaal über den Orgelboden bis ins Hauptportal der Kirche. Früher wurden auf diesem Weg die großen Kirchenglocken mit Seilen nach oben gezogen. Nun baumeln hier einmal im Jahr Rettungskräfte und proben den Ernstfall.

Patient Hilpold wird von einem Helfer auf dem Weg nach unten begleitet. Ihr Leben hängt an dünnen Seilen, blau und rot. Meter für Meter sinken sie in den Schacht. Das Holz knarzt. Hilpolds Unwohlsein sieht nun nicht mehr gespielt aus.

Eine Höhenrettung ist Teamarbeit

Eine Höhenrettung ist Teamarbeit

Foto: Felix Kästle/ dpa

Höhenretter der Feuerwehr arbeiten ehrenamtlich und werden gerufen "für alles, was höher ist als 30 Meter", sagt Johannes Hühn, Leiter der Ulmer Höhenrettungstruppe. Bis zu fünf Mal im Jahr werden der 32-Jährige und seine Kollegen alarmiert, um verletzte Kranmonteure zu bergen oder Ballonfahrer - oder Touristen aus dem Ulmer Münster.

"Wir haben viele Kreislaufsachen, aber auch Knochenbrüche", erzählt Turmwart Jürgen Schnittker. Viele Leute überschätzten die 768 Stufen bis nach oben. "Die jagen hier hoch bei 30 Grad."

Die Höhenretter kommen bepackt mit kiloschwerer Spezialausrüstung: Helme, Seile, Gurte, Bandschlingen, Karabiner, Rollen, Flaschenzug, Sicherungsgeräte. Drei Rettungsdurchgänge machen sie an diesem Abend. Hühn stoppt die Zeit. Sieben Minuten für den Aufstieg, 15 Minuten für die Patientenvorbereitung, acht Minuten zum Abseilen. Er ist zufrieden: "Wir wollen uns nicht messen, das ist kein Wettkampf." Sicherheit gehe vor Schnelligkeit.

Wer in der Truppe mithelfen will, muss eine Grundausbildung bei der Feuerwehr absolviert haben und einen 80-stündigen Grundlehrgang. Regelmäßig wird zusammen trainiert, "pro Jahr 72 Übungsstunden am Seil", sagt Hühn.

Der Schacht zwischen den riesigen Räumen im Ulmer Münster ist nur zwei Meter breit. "Drei Meter bis zum nächsten Loch", ruft ein Höhenretter in sein Funkgerät. "Patient hat Bodenkontakt!", antwortet ein anderer. Hilpold hat das Abenteuer überstanden. Er ist selbst Rettungssanitäter in der Ausbildung. "Sie haben mich nach allen Regeln der Kunst verarztet", sagt er.

Geschafft! Der Patient ist wieder unten

Geschafft! Der Patient ist wieder unten

Foto: Felix Kästle/ dpa
vet/dpa
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