Umfrage Wer Homeoffice macht, ist öfter erschöpft - aber zufriedener

Wer oft im Homeoffice arbeitet, ist psychisch stärker belastet als Beschäftigte, die ausschließlich im Büro tätig sind. Die Arbeitszufriedenheit ist einer Studie zufolge aber höher. Woran liegt das?

Arbeit im Homeoffice: Quell der Zufriedenheit oder Belastung?
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Arbeit im Homeoffice: Quell der Zufriedenheit oder Belastung?


Zu Hause zu arbeiten kann stressfreier sein als ein Job im Büro - und vielleicht sogar gemütlicher. Doch die Tätigkeit im Homeoffice kann auch belasten. Das zeigt der sogenannte Fehlzeiten-Report der Krankenkasse AOK, der eine Umfrage unter Beschäftigten mit Homeoffice enthält.

Demnach fühlten sich rund 73 Prozent der Befragten, die häufig im Homeoffice arbeiten, in den vergangenen zwölf Monaten erschöpft. Bei Beschäftigten, die ausschließlich im Büro arbeiten, waren es nur 66 Prozent. Über Wut und Verärgerung klagten rund 70 Prozent der häufig im Homeoffice Tätigen - gegenüber rund 59 Prozent der Büroarbeiter. Auch Lustlosigkeit, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen plagten demnach Menschen im Homeoffice häufiger als die reinen Büroarbeiter.

Woran es liegen könnte, dass Menschen, die viel zu Hause arbeiten, unter stärkeren psychischen Belastungen leiden, zeigen weitere Ergebnisse der Umfrage:

  • So verlegt jeder Dritte mit Homeoffice die Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende.
  • Fast ein Fünftel der betroffenen Befragten berichtet über Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit.
  • Darüber hinaus gab mehr als ein Drittel der Beschäftigten mit Homeoffice an, dass sie Probleme haben, nach Feierabend abzuschalten. Bei den Beschäftigten, die im Betrieb arbeiten, war es jeder Vierte.

"Im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben stärker", sagt Helmut Schröder, Mitherausgeber der Studie. "Damit wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen."

Trotz Belastungen: Hohe Arbeitszufriedenheit

Trotz der durchschnittlich höheren psychischen Belastung sind viele Menschen jedoch auch zufrieden mit ihrer Tätigkeit im Homeoffice. Mehr als ein Drittel der Befragten schätzte, dass sie zu Hause mehr Arbeit bewältigen können. Drei Viertel gaben an, dass sie konzentrierter arbeiten als am Arbeitsplatz. Zudem haben Beschäftigte mit Homeoffice geringere Fehlzeiten als solche, die nur am Unternehmenssitz tätig sind.

"Aber ob sich durch die Veränderungen aufgrund der Digitalisierung gesundheitsförderliche oder gesundheitsschädigende Effekte ergeben, ist wesentlich von der konkreten Gestaltung der Arbeit abhängig und von den digitalen Kompetenzen der Menschen", sagte Antje Ducki, Mitherausgeberin der Studie.

Fehltage auf Grundlage der Versichertendaten

Für die Studie befragten Mitarbeiter des Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums in Duisburg (SUZ) zwischen Februar und März dieses Jahres 2001 Erwerbstätige zwischen 16 und 65 Jahren am Telefon. Befragt wurden vor allem Beschäftigte, deren Arbeitsmodell aus einer Kombination zwischen Homeoffice und Bürotätigkeit besteht sowie auch einige Erwerbstätige, die nur in der Firma oder nur zu Hause tätig sind.

Der Fehlzeiten-Report liefert auf Grundlage der Daten von rund 14 Millionen AOK-Versicherten auch Erkenntnisse darüber, wie häufig und aus welchen Gründen sich Arbeitnehmer im vergangenen Jahr krank meldeten. Laut der Studie fehlte jeder versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 19,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung; 2017 waren es 19,4 Tage.

nil/dpa

insgesamt 35 Beiträge
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unpolit 17.09.2019
1. Foto unpassend - Beitrag inhaltsleer
Wieso wird beim HomeOffice die Arbeit auf dem Sofa, der Hängematte am Strand, in der Wohnküche mit Kindern bebildert? HomeOffice bedeutet doch: Büroarbeitsplatz zu hause. Ich kenne einige mit diesem Arbeitszeitmodell - und alle haben ein eigenes Büro. Mit Scheibtisch, ergonomischen Stuhl, guter Beleuchtung. Vielleicht hochwertiger, oft aber wohnlicher, in jedem Fall individueller als im Unternehmen. Perfekte Arbeitsatmosphäre. Zum Inhalt: So lange nicht identische Tätigkeitsbereiche verglichen werden ist der Informationsgehalt nahe Null. Wenn jemand eine definierte Menge Daten zu erfassen hat, und das in einem definierten Zeitrau, dann ist es egal, wo der PC steht. Da kann HO eher besser sein. Im Außendienst, als Leiter mehrerer Standorte mit wechselnden Arbeitsorten ist oft noch eine Tätigkeit im Home Office angesagt. Klar, dass diese dann in den Abendstunden oder am Wochenende liegt. Und die Belastung liegt dann sicher nicht nur in der Tatsache Home Office begründet, sondern mit der Verantwortung und den Ungewissheiten im Job insgesamt zusammen. Und ob ich mich abends nochmal ne halbe Stunde zurück ziehe, dafür aber 18 Uhr Zeit für die Familie habe - oder ohne HO bis 20 Uhr im Büro sitze - da habe ich eine Vorstellung, was familienfreundlicher ist.
Allgemeinbetrachter 17.09.2019
2. mir...
würde Homeoffice sehr viel bringen (aktuell). Der Grund ist ich pendel jeden Tag 1h zur Arbeit und eine zurück. Jedoch muss ich auch sagen, dass ich mich im Büro besser motivieren kann. Das mit dem erschöpft sein hatte ich auch. Grund war aber, dass ich meinen kleinen Jungen aufgrund Krankheit nebenbei betreuen musste. Demnach hatte ich auch Zeitfenster von 6.00 uhr - 9.00Uhr. Dann Betreuung bis 12.00Uhr. Dannach von 12.00-15.00Uhr wieder Officetätigkeiten und anschließend Betreuung bis 17.00Uhr bis Frau nach Hause gekommen ist. Anschließend dann noch mal von 17.00-19.00Uhr was für die Arbeit erledigt. Danach war ich reif fürs Bett. Erholung bei Betreuung eines kranken Kleinkindes issss nich (nur in den Ruhephasen). Da musst dann aber arbeiten. Gut wenn Kind in den Kindergarten gegangen wäre, wie sonst üblich, wäre die Aufteilung auch anders gewesen. Dann wäre die Erholung auch möglich gewesen. Vor allem hätte ich Mittags gesund kochen können. In der Kleinstadt wo ich arbeite ist gesundes Essen meist Mangelware.
Nightwolf 17.09.2019
3. Homeoffice ist nicht gleich Homeoffice
Der Report der AOK mag zwar seine Berechtigung haben, aber ich finde es schon problematisch, dass sich unter dem Begriff Homeoffice völlig unterschiedliche Beschäftigungen verbergen. So arbeite ich in einer Landkreisverwaltung im öffentlichen Dienst. Einen Tag pro Woche nutze ich als meinen Homeoffice-Tag. Noch ist die Struktur so steif (typisch Verwaltung oder ÖD), dass ich fest um 06:30 Uhr beginne, um 12:00 Uhr bis 12:30 Uhr meine Mittagspause machen muss und um 14:48 Uhr meinen Dienst beende. Derzeit wird an einer neuen Dienstvereinbarung gearbeitet und wir hoffen, dass innerhalb unseres Arbeitszeitfensters zwischen 06:30 Uhr und 19:00 Uhr ein Vollzeitbeschäftigter seine 7:48 Stunden evtl. flexibel leisten kann. Scheinbar blockiert unser Personalrat noch, weil er die "Entgrenzung" der Arbeitszeit fürchtet. In der freien Wirtschaft, als Vertriebler oder ähnliches, ja, da kann ich mir gut vorstellen, dass schnell die (Selbst)-Ausbeutung stattfindet, aber nicht in der Verwaltung. Der Landrat wird mich sicher nicht gegen 23 Uhr anmailen und fragen, ob ein Antrag bearbeitet wurde. Homeoffice ist für mich ein absoluter Gewinn, gerade weil an diesem Tag ich nicht 124 km vom Wohnort zur Arbeit pendeln muss und kann in Ruhe (ohne ständig Erklärbär zu sein) meine Fälle bearbeiten. Aber mehr als zwei Tage würde ich in der Woche nicht im Homeoffice arbeiten. Dann würde man zuviel Klatsch&Tratsch mit den Kollegen verpassen.
cabeza_cuadrada 17.09.2019
4. Büroarbeitsplatz
Zitat von unpolitWieso wird beim HomeOffice die Arbeit auf dem Sofa, der Hängematte am Strand, in der Wohnküche mit Kindern bebildert? HomeOffice bedeutet doch: Büroarbeitsplatz zu hause. Ich kenne einige mit diesem Arbeitszeitmodell - und alle haben ein eigenes Büro. Mit Scheibtisch, ergonomischen Stuhl, guter Beleuchtung. Vielleicht hochwertiger, oft aber wohnlicher, in jedem Fall individueller als im Unternehmen. Perfekte Arbeitsatmosphäre. Zum Inhalt: So lange nicht identische Tätigkeitsbereiche verglichen werden ist der Informationsgehalt nahe Null. Wenn jemand eine definierte Menge Daten zu erfassen hat, und das in einem definierten Zeitrau, dann ist es egal, wo der PC steht. Da kann HO eher besser sein. Im Außendienst, als Leiter mehrerer Standorte mit wechselnden Arbeitsorten ist oft noch eine Tätigkeit im Home Office angesagt. Klar, dass diese dann in den Abendstunden oder am Wochenende liegt. Und die Belastung liegt dann sicher nicht nur in der Tatsache Home Office begründet, sondern mit der Verantwortung und den Ungewissheiten im Job insgesamt zusammen. Und ob ich mich abends nochmal ne halbe Stunde zurück ziehe, dafür aber 18 Uhr Zeit für die Familie habe - oder ohne HO bis 20 Uhr im Büro sitze - da habe ich eine Vorstellung, was familienfreundlicher ist.
einen Büroarbeitsplatz habe ich nicht zu hause. Ich sitze/liege tatsächlich auf der Couch. Da mir mein Job aber wirklich Spaß macht ist ein HomeOffice Tag für mich fast wie ein freier Tag da ich die lange Anfahrtszeit zum Büro nicht habe. Daher erschöpft mich da auch nichts. Ich kann >2 h morgens länger schlafen und muss nicht so zeitig ins Bett. Ich hoffe das niederländische Modell wird irgendwann in DE übernommen und ich bekomme einen Rechtsanspruch auf HomeOffice.
dab 17.09.2019
5. Warum schon wieder dieses Pseudo-Englisch?
"Home Office" ist für einen englischen Muttersprachler die Bezeichnung des britischen Innenministeriums. Man kann es auch "Mobiles Arbeiten", Telearbeit oder schlicht Heimarbeit nennen. Oder klingt das nicht stylish genug? Warum werden immer wieder von Deutschen englische Wörter erfunden, die dort eine andere oder keine Bedeutung haben? https://de.wikipedia.org/wiki/Scheinanglizismus
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