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Umfrage Wer Homeoffice macht, ist öfter erschöpft - aber zufriedener

Wer oft im Homeoffice arbeitet, ist psychisch stärker belastet als Beschäftigte, die ausschließlich im Büro tätig sind. Die Arbeitszufriedenheit ist einer Studie zufolge aber höher. Woran liegt das?
Arbeit im Homeoffice: Quell der Zufriedenheit oder Belastung?

Arbeit im Homeoffice: Quell der Zufriedenheit oder Belastung?

Foto: AleksandarNakic/ Getty Images

Zu Hause zu arbeiten kann stressfreier sein als ein Job im Büro - und vielleicht sogar gemütlicher. Doch die Tätigkeit im Homeoffice kann auch belasten. Das zeigt der sogenannte Fehlzeiten-Report der Krankenkasse AOK, der eine Umfrage unter Beschäftigten mit Homeoffice enthält.

Demnach fühlten sich rund 73 Prozent der Befragten, die häufig im Homeoffice arbeiten, in den vergangenen zwölf Monaten erschöpft. Bei Beschäftigten, die ausschließlich im Büro arbeiten, waren es nur 66 Prozent. Über Wut und Verärgerung klagten rund 70 Prozent der häufig im Homeoffice Tätigen - gegenüber rund 59 Prozent der Büroarbeiter. Auch Lustlosigkeit, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen plagten demnach Menschen im Homeoffice häufiger als die reinen Büroarbeiter.

Woran es liegen könnte, dass Menschen, die viel zu Hause arbeiten, unter stärkeren psychischen Belastungen leiden, zeigen weitere Ergebnisse der Umfrage:

  • So verlegt jeder Dritte mit Homeoffice die Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende.

  • Fast ein Fünftel der betroffenen Befragten berichtet über Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit.

  • Darüber hinaus gab mehr als ein Drittel der Beschäftigten mit Homeoffice an, dass sie Probleme haben, nach Feierabend abzuschalten. Bei den Beschäftigten, die im Betrieb arbeiten, war es jeder Vierte.

"Im Homeoffice verschwimmt die Grenze zwischen Job und Privatleben stärker", sagt Helmut Schröder, Mitherausgeber der Studie. "Damit wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen."

Trotz Belastungen: Hohe Arbeitszufriedenheit

Trotz der durchschnittlich höheren psychischen Belastung sind viele Menschen jedoch auch zufrieden mit ihrer Tätigkeit im Homeoffice. Mehr als ein Drittel der Befragten schätzte, dass sie zu Hause mehr Arbeit bewältigen können. Drei Viertel gaben an, dass sie konzentrierter arbeiten als am Arbeitsplatz. Zudem haben Beschäftigte mit Homeoffice geringere Fehlzeiten als solche, die nur am Unternehmenssitz tätig sind.

"Aber ob sich durch die Veränderungen aufgrund der Digitalisierung gesundheitsförderliche oder gesundheitsschädigende Effekte ergeben, ist wesentlich von der konkreten Gestaltung der Arbeit abhängig und von den digitalen Kompetenzen der Menschen", sagte Antje Ducki, Mitherausgeberin der Studie.

Fehltage auf Grundlage der Versichertendaten

Für die Studie befragten Mitarbeiter des Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums in Duisburg (SUZ) zwischen Februar und März dieses Jahres 2001 Erwerbstätige zwischen 16 und 65 Jahren am Telefon. Befragt wurden vor allem Beschäftigte, deren Arbeitsmodell aus einer Kombination zwischen Homeoffice und Bürotätigkeit besteht sowie auch einige Erwerbstätige, die nur in der Firma oder nur zu Hause tätig sind.

Der Fehlzeiten-Report liefert auf Grundlage der Daten von rund 14 Millionen AOK-Versicherten auch Erkenntnisse darüber, wie häufig und aus welchen Gründen sich Arbeitnehmer im vergangenen Jahr krank meldeten. Laut der Studie fehlte jeder versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 19,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung; 2017 waren es 19,4 Tage.

nil/dpa
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