Unesco-Bericht Alle fünf Tage wird ein Journalist bei der Arbeit getötet

In vielen Ländern leben Journalisten mit dem Risiko, ermordet zu werden. Im vorigen Jahr wurden 115 von ihnen getötet, teilt die Unesco mit. Einige Gegenden sind besonders gefährlich.

Reporter in Syrien (Symbolbild)
AFP

Reporter in Syrien (Symbolbild)


Alle fünf Tage wird im Schnitt irgendwo auf der Welt ein Journalist aufgrund seiner Arbeit umgebracht. Das teilte die Unesco am Mittwoch in einem Bericht mit. Hinzu kämen Verbrechen wie Entführungen, willkürliche Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen, Belästigungen und die Beschlagnahmung von Recherchematerial.

Auch wenn in vielen Ländern eine erhöhte Bereitschaft zu erkennen sei, solche Straftaten zu ahnden, bleibe die Ermordung von Journalisten erschreckend oft ohne Konsequenzen für die Täter, kritisierten die Autoren.

Von 2006 bis Ende 2015 verloren der Unesco-Statistik zufolge mindestens 827 Journalisten ihr Leben bei der Ausübung ihres Berufes. Nicht einmal jeder zehnte der Todesfälle wurde aufgeklärt, hieß es von der Organisation zum Internationalen Tag gegen die Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten am 2. November.

Wo das Risiko am größten ist

Allein 2014 und 2015 wurden den Daten zufolge 213 Journalisten aufgrund ihrer Arbeit getötet, 78 von ihnen in arabischen Ländern. Die Region sei damit wegen der Konflikte in Syrien, dem Irak, Jemen und Libyen für Journalisten erneut die gefährlichste Region weltweit gewesen.

In Lateinamerika und der Karibik wurden 51 Journalisten umgebracht, 34 in Asien und der Pazifikregion, 27 in Afrika. In Zentral- und Osteuropa waren es 12. Mit 11 Todesfällen sei die Mordrate unter Journalisten auch in Westeuropa erheblich gestiegen. Der wichtigste Grund dafür ist der islamistische Terroranschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit 8 Toten in Paris im Januar 2015.

Wer am stärksten gefährdet ist

Waren in den vergangenen zehn Jahren insbesondere Printjournalisten Opfer von Tötungsdelikten, arbeitete 2014 und 2015 die Mehrzahl der ermordeten Journalisten fürs Fernsehen. Außerdem stieg 2015 die Zahl der getöteten Online-Journalisten auf 21, darunter kam fast die Hälfte aus Syrien.

Die am stärksten gefährdete Gruppe sind nach Einschätzung der Unesco freie Journalisten, die oft ohne angemessenen Schutz arbeiten. 40 freie Reporter und Bürgerjournalisten, die online berichteten, wurden demnach in den vergangen zwei Jahren umgebracht.

fok/dpa



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