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Unternehmenskultur Chef, kannst du mal?

In immer mehr Firmen duzen sich die Mitarbeiter. Allerdings gibt es je nach Branche und Größe der Unternehmen noch Unterschiede.
Junge, lachende Männer

Junge, lachende Männer

Foto: imago/Westend61

Die förmliche Anrede unter Kollegen und Vorgesetzen wird nur noch selten verwendet. Das hat eine Onlineumfrage unter 17.000 Nutzern einer Online-Jobbörse ergeben. Demnach siezen nur drei Prozent der Befragten alle anderen Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz.

Dabei geht es in kleinen Unternehmen tendenziell informeller zu als in großen: Durchschnittlich duzt jeder dritte Befragte alle Kollegen und Vorgesetzten, in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern spricht die Hälfte sämtliche Kollegen mit Du an.

Insgesamt dominiert aber die Mischform: Knapp Zweidrittel (63 Prozent) der befragten Fachkräfte ist mit einigen Kollegen per Du, während sie die Führungsebene mit Sie ansprechen.

Je größer das Unternehmen, desto häufiger müssen die Mitarbeiter zwischen Du und Sie springen: Bei Arbeitgebern mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern steigt der Wert auf 70 Prozent, Konzerne mit Mitarbeiterzahlen zwischen 20.000 und 50.000 kommen auf 71 Prozent. Meldungen wie die vom Chef der Otto Group, der all seinen 53.000 Mitarbeitern zu Jahresbeginn das Du angeboten hat, sind damit noch selten.

Im öffentlichen Dienst geht es am förmlichsten zu

Auch unterscheidet sich die Duzkultur je nach Branche: Im Bereich Public Relations und in der IT- und Internetbranche sind 70 Prozent der Fachkräfte mit allen Kollegen per Du - vom Azubi bis hin zur Geschäftsführung. In der Metallindustrie und bei Banken sind es nur 21 beziehungsweise 20 Prozent der Befragten, die ohne die höfliche Ansprache auskommen.

Am förmlichsten geht es im öffentlichen Dienst zu: Nur 15 Prozent der Befragten duzen sich mit allen Kollegen. Die Kultur, durch die Bank alle Mitarbeiter mit Sie anzusprechen, herrscht hingegen bei 6,5 Prozent der Befragten im öffentlichen Dienst vor - das ist mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt.

Je lockerer die Atmosphäre, desto höher informelle Erwartungen

Die Online-Jobbörse Stepstone hat die Studie gemeinsam mit der Personal- und Managementberatung Kienbaum Consulting im November durchgeführt. Die Jobbörse wird laut Unternehmensangaben zu etwa 70 Prozent von Fachkräften und zu 30 Prozent von Führungskräften genutzt.

Laut Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann ist es für Großunternehmen und Konzerne sinnvoll, starre Strukturen abzubauen, um mit eher informell und locker agierenden Start-ups im Wettbewerb um die besten Köpfe mithalten zu können.

Allerdings birgt die neue Lässigkeit in den Unternehmen auch Risiken für die Mitarbeiter. Experten sagen, je familiärer die Atmosphäre, desto größer ist die informelle Erwartungshaltung an die Kollegen. Mit dem Du kann also auch der Anspruch einziehen, zu Hause noch mal die Mails zu checken oder in der Freizeit das nächste Meeting vorzubereiten.

sun