Warum Manager wechseln Das Schlimmste am Job sind die Kollegen

Bin ich denn nur von Nieten umgeben? Ein nerviges Team, zu wenig Geld - das sind die Hauptgründe für Firmenflucht frustrierter Führungskräfte. Eine neue Studie zeigt: Mit Aufstieg allein sind Manager schwer zu locken.

Ein Manager-Träumchen: Von den Kollegen auf Händen getragen werden - passiert im Alltag eher selten
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Ein Manager-Träumchen: Von den Kollegen auf Händen getragen werden - passiert im Alltag eher selten

Von Helene Endres


Manche sind mit der Gesamtsituation unzufrieden, andere hauptsächlich mit ihrem Salär oder den Mitarbeitern. Dann wächst das Frustpotenzial, und Manager beginnen darüber nachzudenken, ob nicht auch andere Unternehmen schöne Perspektiven bieten.

Wenn Führungskräfte den Job wechseln wollen, liegt es zumeist an attraktiveren Gehaltsaussichten und an Unzufriedenheit mit dem bisherigen Team. Die Chance auf einen besseren Titel und mehr Verantwortung ist viel seltener entscheidend. Und auch Auslandseinsätze locken kaum jemanden weg vom heimischen Schreibtisch.

Das hat die mittelständische Unternehmensberatung Baumann in einer Umfrage zu den Gründen für Jobwechsel herausgefunden. Auskunft gaben 300 Führungskräfte quer durch alle Branchen und zeigten in ihren Antworten viel vom Elend des zerrissenen Lebens als Mittelmanager.

Allen Trends à la Work-Life-Balance und Weniger-ist-mehr zum Trotz zeigt sich: Am Ende geht's ums Geld. Für 96 Prozent spielt das Gehalt eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers. Entsprechend ist die Bezahlung immer noch einer der Hauptfaktoren für berufliche Unzufriedenheit. Sechs von zehn erfahrenen Managern sehen in ihrer derzeitigen Position ihre Gehaltserwartungen nicht erfüllt.

"Viele Vergütungssysteme werden von Unternehmen nur auf ihre interne Stimmigkeit geprüft. Häufig fehlt ein Abgleich mit den Gehältern, die bei Wettbewerbern gezahlt werden", sagt Michael Faller, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Baumann Executive Search. Dadurch steige die Unzufriedenheit und Wechselbereitschaft der Manager deutlich. Faller: "Wer sich unterbezahlt fühlt, prüft die Jobangebote der Konkurrenz sehr genau."

Versuch's mal mit Gemütlichkeit

Eine noch größere Rolle als die Entlohnung spielt ein möglichst gutes Team. Dieser Wunsch ist laut Baumann-Umfrage die Hauptmotivation bei einem Stellenwechsel: Nahezu sieben von zehn Befragten sehen sich wegen ihrer derzeitigen Kollegen nach einem anderen Arbeitgeber um. Gerade mal die Hälfte aller Manager ist mit den Mitarbeitern voll zufrieden.

Nach viel Geld und einem gutem Team folgen als Top-Motivatoren für wechselwillige Manager Entwicklungsmöglichkeiten und Work-Life-Balance. Spannend wird es jedoch beim Blick auf die hinteren Plätze. Was als weniger erstrebenswert gilt: Nur 39 Prozent reizt in erster Linie mehr Mitarbeiterverantwortung; auch ein Aufstieg auf der Karriereleiter lockt lediglich 36 Prozent der Manager in einen neuen Job.

"Das Erreichen bestimmter Hierarchieebenen verliert als Karriereziel an Attraktivität", beobachtet HR-Experte Faller auch in der Praxis. "Die Zahl der Mitarbeiter, für die ein Manager verantwortlich ist, zählt nicht mehr als wichtigstes Kriterium für den beruflichen Erfolg. Wichtiger hingegen wird die individuelle Weiterentwicklung."

Auch der Cocooning-Trend hat inzwischen die Chefetagen erreicht. Die Karriere wird geplant nach dem Motto: Am schönsten ist es immer noch zu Hause, versuch's mal mit Gemütlichkeit. Denn als Verlierer in Sachen Job-Attraktivität entpuppt sich die Option auf einen Auslandseinsatz: Nur 24 Prozent der Befragten stufen dieses Kriterium bei einem Arbeitgeberwechsel als sehr wichtig ein. Jeder fünfte findet es sogar ausdrücklich unwichtig. Und bleibt am liebsten vor Ort.

Echte Begeisterung für das Unternehmen entdeckten die Berater bei ihrer Umfrage recht selten - und dann eher auf der obersten Etage. Von den Inhabern, Vorständen und Geschäftsführer der Firmen gaben immerhin 45 Prozent an, sehr zufrieden zu sein. In mittleren Leistungspositionen sagten das lediglich 20 Prozent der befragten Manager.

insgesamt 21 Beiträge
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armi-nator 26.06.2015
1. Hochinteressant, aber:
...Artikel bitte vor der Online-Schaltung nochmal korrekturlesen (lassen). 1.) ist das hier widersprüchlich: - "Allen Trends à la Work-Life-Balance und Weniger-ist-mehr zum Trotz zeigt sich: Am Ende geht's ums Geld"; und - "Eine noch größere Rolle als die Entlohnung spielt ein möglichst gutes Team" Wie jetzt was jetzt? 2) "Eine noch größere Rolle als die Entlohnung spielt ein möglichst gutes Team. besseren Team." Autsch -- wie gesagt bitte Korrekturlesen nicht vergessen.
FrankBennesch 26.06.2015
2. Satré
Die Hölle, das sind die Anderen
bonngoldbaer 26.06.2015
3.
Das ist aber ein Problem, das nicht nur Manager haben. Ein schlechter Kollege verursacht mehr Ärger als ein guter Vorgesetzter aus der Welt schaffen kann.
hikikomori2014 26.06.2015
4. immer nur über die Führungkräfte
Als stolzes Mitglied des Stammes "Fussvolk" finde ich es betrüblich, dass Magazine wie SPON stets nur über das harte Leben der Führungskräfte berichten. Ich gebe gerne zu, dass die Angehörigen des Middlemanagements in jedem Unternehmen die sind, die es am schlimmsten erwischt hat. Allerdings haben die sich -so glaube ich zumindest- alle für diesen Weg entschieden und sollten sich vorher bewusst gewesen sein, was auf sie wartet. Was mir fehlt, sind Artikel über die kleinen Lichter am Ende der Nahrungskette, die die teils widersinnigen, zumindest oft nicht nachvollziehbaren Entscheidungen des Managements in der Praxis umsetzten müssen. Das sind nämlich die, die als erstes unfreiwillig ein Unternehmen verlassen müssen, in dem unkompetenete Führungskräfte eine Fehlentscheidung nach der anderen treffen.
Diskutierender 26.06.2015
5. Und wie viele Manager sind Nieten in Nadelstreifen?
Wenn man in anderen Artikeln liest, dass insbesondere Selbstdarstellung und Beziehungen zum beruflichen Erfolg führen, und weniger die wirkliche Leistung, dann sollten sich viele der ach so unzufriedenen Führungskräfte einmal hinterfragen, ob sie nicht in Wirklichkeit eine völlig ungeeignete Blendgranate sind. Viele Mitarbeiter merken schnell, ob sie einen guten oder schlechten Chef haben.
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