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Unterwegs in Corona-Zeiten "Ihr Arbeitgeber kann Ihnen nicht vorschreiben, wohin Sie fahren"

Reiseverbot, angestaute freie Tage, Dienstreisen: Urlaubsplanung ist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Zeiten des Coronavirus eine Herausforderung. Juristin Aziza Yakhloufi beantwortet die wichtigsten Fragen.
Ein Interview von Florian Gontek
Reisende zu Zeiten des Coronavirus

Reisende zu Zeiten des Coronavirus

Foto: Antonio Masiello/Getty Images

SPIEGEL: Angenommen ich habe Urlaub für eine Fernreise eingereicht. Nun befolge ich den ärztlichen Rat, bleibe zu Hause - und möchte meine Urlaubstage doch nicht nehmen. Kann ich den beantragten Urlaub einfach zurückziehen?

Yakhloufi: Sie als Arbeitnehmer haben keinen Anspruch darauf, Ihren Urlaub kurzfristig zu stornieren. Wichtig ist, eine einvernehmliche Lösung mit dem
Arbeitgeber zu finden. Am Ende des Tages liegt die Entscheidung, ob Sie Ihren Urlaub revidieren können, aber beim Arbeitgeber.

SPIEGEL: Darf der Arbeitgeber auch verbieten, den Urlaub zurückzuziehen?

Yakhloufi: Das darf er, ja. Ist der Urlaub genehmigt, ist das erst einmal in Stein gemeißelt. Ob Ihnen der Arbeitgeber dann erlaubt, den Urlaub zurückzuziehen, liegt ganz in seinem Ermessen.   

SPIEGEL: Und was passiert, wenn ich meinen Urlaub in einer Region geplant habe, in der es zwar Coronafälle, aber noch keine Reisewarnung gibt. Kann der Arbeitgeber die Reise untersagen?

Yakhloufi: Wie Sie Ihren Urlaub gestalten, ist Ihre Sache. Der Arbeitgeber kann Ihnen nicht vorschreiben, wohin Sie fahren oder wie Sie Ihren Urlaub verbringen. Das gilt auch für Corona-Risikogebiete. Anders ist die Lage bei Dienstreisen. Diese können untersagt werden.  

SPIEGEL: Darf mich mein Arbeitgeber nach der Rückkehr aus einem solchen Risikogebiet zu einem Corona-Test zwingen?

Yakhloufi: Nur wenn es ganz konkrete Anhaltspunkte für eine Erkrankung gibt. Dann dürfte Ihr Arbeitgeber Sie an den Betriebsarzt verweisen.

SPIEGEL: Wenn nun viele Arbeitnehmer ihren Urlaub nicht nehmen, führt dies zu Urlaubsstau. Was muss der Arbeitgeber dabei beachten?

Yakhloufi: Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, seine Mitarbeiter darauf hinzuweisen, ihren Resturlaub zu nehmen und Urlaubsansprüche im Blick zu haben. Zwangsurlaub darf der Arbeitgeber nur dann anordnen, wenn es die betrieblichen Umstände erfordern. Beim Coronavirus sehe ich das - Stand jetzt – nicht. Sie als Arbeitnehmer dürfen auch entscheiden, wann Sie Ihren Urlaub nehmen. Betriebsferien als Zwangsurlaub erfordern auch betriebliche Gründe, etwa Saisonarbeit.

SPIEGEL: Was passiert, wenn ich es nicht schaffe, meinen kompletten Urlaub bis zum Ende des Jahres zu nehmen – kann der verfallen?

Yakhloufi: Liegen dringende betriebliche Gründe vor, können Sie Ihren Urlaub auch mit ins nächste Jahr mitnehmen. Zum Beispiel dann, wenn Sie Ihren Urlaub aufgrund einer sehr engen Projekttaktung kaum nehmen konnten oder länger erkrankt waren. Im neuen Jahr muss der Urlaub dann aber innerhalb der ersten drei Monate genommen werden – und Sie müssen das auch tun. Sonst verfällt er.

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