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Urlaubs-Telefonate Gefeuert wegen Privatgesprächen mit Diensthandy

Wer ausgiebig privat mit dem Diensthandy telefoniert, riskiert seinen Job. Wegen der Kosten von fast 600 Euro erhielt ein Hubwagenfahrer die Kündigung - alles ein Versehen, behauptete er, der gleiche Irrtum bei 113 Gesprächen. Diese Ausrede kauften ihm Frankfurter Richter nicht ab.
Am Telefon: Privatgespräche am Diensthandy können teuer werden

Am Telefon: Privatgespräche am Diensthandy können teuer werden

Foto: Corbis

Und ist ein Arbeitnehmer noch so lange bei der Firma beschäftigt - die ausdauernde Nutzung des Diensthandys für private Telefonate kann zur fristlosen Kündigung führen. Das hat das hessische Landesarbeitsgericht in Frankfurt am Main entschieden. In erster Instanz hatte das Frankfurter Arbeitsgericht den Rauswurf noch für unwirksam erklärt, weil der Angestellte zuvor nicht abgemahnt worden war. Doch in der Berufung wies das Landesarbeitsgerichts die Klage eines Hubwagenfahrers zurück.

Bereits seit 25 Jahren war der Fahrer bei der Lufthansa-Service-Gesellschaft (LSG) beschäftigt. Wie viele andere Angestellte hatte er ein Diensthandy zur Verfügung, um auf dem Rollfeld des Flughafens jederzeit erreichbar zu sein. Die LSG setzte dabei auf eine "Twin-Bill-Funktion": Eine Telefonnummer ist nur für Dienstgespräche vorgesehen; mit einer anderen Rufnummer können Angestellte auch privat telefonieren, müssen dafür aber extra eine PIN-Nummer eingeben. So sollte es zu einer sauberen Trennung kommen.

Als die LSG die Rechnungen einiger Arbeitnehmer überprüfte, stieß sie auch beim Hubwagenfahrer auf hohe Rechnungsbeträge und forderte die Einzelverbindungsnachweise an. Das Ergebnis: Allein an zehn Urlaubstagen Anfang Februar 2010 führte er aus dem Ausland 113 Telefonate für 973 Euro; unter Berücksichtigung von Rabatten lagen die Kosten bei 565 Euro. Und damit nicht genug - bei drei Auslandsaufenthalten in den Jahren 2008 und 2009 hatte er insgesamt rund 350 Telefonate auf Kosten des Arbeitgebers geführt.

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Arbeitsrechts-Urteile: Abgemahnt, gefeuert, geklagt

Foto: dapd

Der Mitarbeiter wurde zügig suspendiert und erhielt dann die außerordentliche Kündigung. Er rechtfertigte sich, er habe sich bei der "Twin-Bill-Funktion" geirrt; außerdem habe der Mobilfunkvertragspartner gewechselt und der Arbeitgeber nicht auf geänderte Nutzungsbeschränkungen hingewiesen. Zudem hätte die LSG ihn erst abmahnen müssen und nicht sofort kündigen dürfen.

Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichtes war der Rauswurf wegen der Schwere der Vertragsverletzung rechtmäßig. Die Richter glaubten dem Hubwagenfahrer nicht, dass er nur aus Versehen nicht von Dienst- in den Privatmodus umgeschaltet habe - denn dann müsste er sich 113 Mal allein im Februar 2010 geirrt haben. Es handele sich um eine reine Schutzbehauptung: Im Gegenteil habe der Angestellte bewusst im Dienstmodus Privattelefonate im Ausland geführt, und das habe Methode, wie die vielen Telefonate aus den Vorjahren zeigten. Auch sein Bedauern kauften ihm die Richter nicht ab und kritisierten fehlende Einsicht in das Fehlverhalten, dass der entlassene Mitarbeiter weiter als Versehen darstelle.

Ähnlich hatte kürzlich das Verwaltungsgericht Koblenz im Fall einer Zeitsoldatin geurteilt: Sie hatte rund 100 Privatgespräche mit dem Diensthandy geführt und Kosten von rund 782 Euro verursacht. Das dicke Ende kam nach - als sie Berufssoldatin werden wollte, lehnte die Bundeswehr ab; ihr fehle die charakterliche Eignung. Die Koblenzer Richter gaben dem Arbeitgeber recht.

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