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Kurzarbeit, neuer Job, Elternzeit Wie viel Urlaub steht Ihnen zu?

So viel Erholungsbedarf, so wenig Urlaub: Auf wie viele Tage haben Sie tatsächlich Anspruch? Und was gilt etwa nach einem Jobwechsel? Alles Wichtige im Überblick.
Urlaub ist wichtig. Doch wie lange darf man der Arbeit fernbleiben?

Urlaub ist wichtig. Doch wie lange darf man der Arbeit fernbleiben?

Foto: Michael Woerlen / EyeEm / Getty Images

Abschalten vom Bürostress, Caipirinha am Pool, Zeit für die Liebsten: Freie Tage sind wichtig, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Doch bevor Angestellte einen Vertrag unterschreiben, sollten sie wissen, auf wie viele Urlaubstage sie tatsächlich Anspruch haben. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht – Arbeitgeber können das recht frei gestalten. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie viele Tage Urlaub stehen mir mindestens zu?

Jeder Angestellte in Deutschland hat einen Anspruch auf Urlaub. Dieser ist im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG)  bereits 1963 erstmalig festgelegt worden. So beträgt der gesetzliche Mindesturlaub bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Tage, bei einer Vier-Tage-Woche dann entsprechend nur 16 Tage. Allerdings ist das nur die Untergrenze. »In Deutschland ist es üblich, darüber hinaus noch weitere vertraglich vereinbarte Urlaubstage zu gewähren«, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Daniel Brügger.

Was ist zu beachten, wenn ich im Urlaub erkranke?

Der geplante Urlaub ist vom Chef längst genehmigt, doch plötzlich und völlig unerwartet erkrankt der Arbeitnehmer an seinem ersten Urlaubstag. An Erholung ist unter diesen Umständen nicht zu denken. »Für den Fall einer Erkrankung während des Urlaubs sieht das Bundesurlaubsgesetz vor, dass die Tage der Krankheit, die durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden, nicht auf den Urlaub angerechnet werden dürfen«, sagt Brügger. Sprich: Die Urlaubstage gelten als nicht genommen.

Das gilt auch, wenn der oder die Angestellte längerfristig erkrankt. Maßnahmen der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation dürfen nicht auf den Urlaub angerechnet werden, wenn nach den gesetzlichen Vorschriften ein Anspruch über die Entgeltfortzahlung besteht. Dem Arbeitnehmer dürfen also auch dann keine Urlaubstage gestrichen werden, wenn er zur Kur ist.

Was gilt in der Elternzeit?

Der Mutterschutz hat keine Auswirkungen auf den Jahresurlaub, die Elternzeit hingegen schon. So kann der Urlaubsanspruch für jeden vollen Monat um ein Zwölftel gekürzt werden. Sollte ein Arbeitnehmer also zwölf Monate ohne Unterbrechung pausieren, kann der komplette Erholungsurlaub gestrichen werden (siehe  Paragraf   17 Abs. 1 BEEG ).

»Allerdings zählen nur volle Kalendermonate. Nimmt ein Elternteil zum Beispiel vom 15. August bis zum 15. September Elternzeit, darf nicht gekürzt werden«, sagt der Jurist. Wichtig ist auch, dass die Kürzung nicht automatisch erfolgen darf. Der Arbeitgeber muss hier aktiv werden und die Kürzung ausdrücklich erklären.

Was gilt in Kurzarbeit?

In der Coronakrise nahmen viele Unternehmen Kurzarbeit in Anspruch. Noch im Januar arbeiteten acht Prozent der Beschäftigten nur teilweise. Für Betroffene der »Kurzarbeit Null« entsteht während der Kurzarbeit kein Urlaubsanspruch. Vielmehr wird der Jahresurlaub je nach Kurzarbeitsdauer neu berechnet. Ein Fallbeispiel:

Der Jahresurlaubsanspruch eines Angestellten beträgt 20 Tage. In den Monaten Februar und März wird »Kurzarbeit Null« eingeführt. In diesem Fall beträgt der Urlaubsanspruch dann 10/12 = 16,666 Tage, dies wird nach Bundesurlaubsgesetz auf 17 Tage aufgerundet.

Wird allerdings während der Kurzarbeit Urlaub gewährt, ist dieser genauso zu vergüten, als gäbe es keine Kurzarbeit. »Bei Zusammentreffen von Kurzarbeit und Urlaub treten zahlreiche, vor allem auch förderungsrechtliche und sozialrechtliche Fragen auf, die es im Einzelfall zu beachten gilt«, sagt Brügger.

Was gilt bei einer Kündigung?

Das Bundesurlaubsgesetz besagt, dass der Urlaub »in Natur« genommen werden muss, solange das Arbeitsverhältnis noch besteht. In manchen Fällen kann der Arbeitnehmer von seinem Anspruch aber keinen Gebrauch mehr machen – zum Beispiel dann, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wurde. »In so einer Situation muss der Urlaub abgegolten werden, das bedeutet, dass der Arbeitgeber ihn auszahlen muss«, sagt der Fachanwalt. Sollte das Arbeitsverhältnis erst nach dem 30. Juni enden, darf der Urlaubsanspruch nicht mehr gekürzt werden.

Was gilt bei einem Jobwechsel?

Ein Angestellter nimmt im Februar und März seinen kompletten Jahresurlaub – und wechselt wenig später den Arbeitgeber. Darf er in diesem Fall auf weitere Urlaubstage im neuen Job hoffen? Nein, eigentlich nicht. Denn das Bundesurlaubsgesetz will Doppelansprüche stets vermeiden. Wichtig ist hier der Nachweis: »Hierfür sieht das Gesetz vor, dass der alte Arbeitgeber eine Bescheinigung über gewährten oder abgegoltenen Urlaub ausstellt«, so Brügger. So entsteht beim neuen Arbeitgeber kein neuer Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub.

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