In Kooperation mit

Job & Karriere

Umfrage unter Beschäftigten Nur jeder Zweite bekommt Urlaubsgeld

Die besten Chancen auf Urlaubsgeld haben Mitarbeiter in Unternehmen mit Tarifvertrag. Einige Gruppen sind extrem benachteiligt.
Urlaub für wenig Geld: Sonnenbaden auf dem Parkdeck

Urlaub für wenig Geld: Sonnenbaden auf dem Parkdeck

Foto: MECKY/ Getty Images

Für eine gefüllte Urlaubskasse müssen die meisten Arbeitnehmer in Deutschland selbst sorgen: Nur knapp die Hälfte der Beschäftigten bekommt vom Arbeitgeber Urlaubsgeld ausbezahlt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Insgesamt haben 47 Prozent der befragten Angestellten Anspruch auf Urlaubsgeld. Das hat das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung bei einer Online-Befragung von mehr als 123.000 Beschäftigten ermittelt.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es nicht. Arbeitgeber entscheiden selbst, ob sie diese Sonderleistung freiwillig zahlen. Oftmals sind die Ansprüche aber in Tarifverträgen festgeschrieben. Mit deutlichen Auswirkungen:

  • 69 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen erhalten laut der Umfrage Urlaubsgeld.
  • Bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag sind es nur 36 Prozent.

"Die Chance auf ein Urlaubsgeld ist damit in tarifgebundenen Unternehmen fast doppelt so hoch", sagt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. Beschäftigte ohne Tarifbindung seien somit "doppelt im Nachteil", da in der Regel auch der reguläre Lohn niedriger ausfalle. "Zusätzlich fehlt ihnen ein tariflich verbriefter Anspruch auf Urlaubsgeld", so Schulten.

Starken Einfluss auf die Urlaubsgeldzahlungen haben zudem die Betriebsgröße, die Lage der Unternehmen sowie das Geschlecht der Beschäftigten.

  • Demnach bekommen nur 41 Prozent der Frauen Urlaubsgeld, bei den Männern sind es 50 Prozent.
  • In Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern wird 61 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld gezahlt - deutlich mehr als in kleinen Betrieben. Gibt es weniger als 100 Beschäftigte, erhalten im Schnitt nur 37 Prozent der Beschäftigten die Zahlung.
  • In Westdeutschland bekommen 49 Prozent der Befragten Urlaubsgeld, im Osten sind es nur 35 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen leicht rückläufig.

Große Unterschiede gibt es auch zwischen den Branchen. Während Mitarbeiter in Chemie- und Metallberufen zu 66 Prozent vom Urlaubsgeld profitieren, bekommen nur knapp 30 Prozent der privaten Dienstleister und Medienschaffenden die Zahlung. Bei Mitarbeitern von Callcentern sind es sogar nur 26 Prozent.

Sonderzahlung am Jahresende statt Urlaubsgeld

Auch die Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitsbereich erhalten nur zu etwa einem Drittel Urlaubsgeld. Zum Teil hängt das laut WSI aber damit zusammen, dass deren Arbeitsbedingungen sich am öffentlichen Dienst orientieren. Dort werde bereits seit geraumer Zeit kein Urlaubsgeld mehr gezahlt, sondern nur noch eine Sonderzahlung am Jahresende.

Auch die Höhe des Urlaubsgelds variiert stark - von 155 Euro in der Landwirtschaft bis deutlich mehr als 2000 Euro in der Industrie.

sun
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.