Urteil Yogakurs zählt als Bildungsurlaub

Können Arbeitnehmer Bildungsurlaub nehmen, wenn sie einen Yogakurs belegen wollen? Ja, sagt das Landesarbeitsgericht Berlin - es gibt aber bestimmte Voraussetzungen.

Die wenigsten Geschäftsleute praktizieren Yoga im Business-Outfit
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Die wenigsten Geschäftsleute praktizieren Yoga im Business-Outfit


"Yoga I - erfolgreich und entspannt im Beruf mit Yoga und Meditation" hieß das Seminar, das ein Berliner Arbeitnehmer bei der Volkshochschule besuchen wollte. Dafür beantragte er Bildungsurlaub - also bezahlten Sonderurlaub für die fünftägige Kursdauer.

Der Arbeitgeber muss den Yogakurs als Bildungsurlaub anerkennen, entschied am Dienstag das Landesarbeitsgericht Berlin. Zur Begründung verwiesen die Richter auf das Berliner Bildungsurlaubsgesetz (Aktenzeichen 10 Sa 2076/18).

Demnach müsse eine Veranstaltung entweder der politischen Bildung oder der beruflichen Weiterbildung dienen, heißt es in der Entscheidung. Der Begriff der beruflichen Weiterbildung sei weit auszulegen. So solle unter anderem "Anpassungsfähigkeit und Selbstbehauptung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unter den Bedingungen fortwährenden und sich beschleunigenden technischen und sozialen Wandels gefördert werden".

In jedem Bundesland anders

Sofern ein Yogakurs nach einem "geeigneten didaktischen Konzept" durchgeführt werde, könne er diese Voraussetzungen erfüllen, so die Arbeitsrichter. Beim VHS-Kurs, um den es in der Verhandlung ging, sei das der Fall.

Die Gesetze für Bildungsurlaub sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Bayern und Sachsen gibt es keinen Anspruch darauf. In den anderen Ländern sind in der Regel Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft berechtigt, manchmal aber auch Auszubildende und duale Studenten sowie Beamte.

Die Arbeitnehmer können meist bezahlten Sonderurlaub für bis zu fünf Tage im Jahr beantragen, um an Veranstaltungen der politischen oder beruflichen Weiterbildung teilzunehmen. Dabei ist aber wichtig, dass das Angebot im Bundesland des Arbeitsplatzes staatlich anerkannt ist. Die Arbeitgeber dürfen Anträge auf Bildungsurlaub aber unter bestimmten Voraussetzungen auch ablehnen.

him/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
112211 16.04.2019
1. Da fehlt was
Bildungsurlaub ist an bestimmte, anerkannte Maßnahmen gebunden. Nicht jeder Kurs, ob Yoga- oder Politikkurs, ohne Anerkennung geht da nichts. Gleichzeitig, und das wird gern verschwiegen, sind die Kurse weder billig, noch werden sie vom Arbeitgeber bezahlt. Der Arbeitgeber gibt 5 Arbeitstage pro Jahr als seinen Anteil dazu. Den Yogakurs, der gern mal 700, 800 Euro, oder mehr, kostet, zahlt der Arbeitnehmer aus eigener Tasche. Nebst weiteren Kosten, z.B. für die Hin- und Rückreise. Der Arbeitgeber hat auch bei solchen Kursen, die nicht mit der Ausrichtung des Unternehmens zu tun haben, etwas davon. Ein Gesundheitskurs ist natürlich für alle Arbeitnehmer gut, egal ob die Managerin in einem IT Unternehmen oder der Lehrer in einer Berufsschule. Das mag dem rückwärtsgerichteten Unternehmer nicht einleuchten. Erfolgreiche Unternehmen bauen aber genau auf solche Bestandteile in der Förderung ihrer Mitarbeiter.
totalausfall 16.04.2019
2. Schön, bürgernahe Gesetzgebung und Rechtssprechung!
Wer in Berlin lebt und arbeitet, braucht bei soviel Wahnsinn und Inkompetenz auch jährliche Yogakurse um nicht durchzudrehen! Dass diese unter Sonderurlaub beantragt werden können, ist konsequent und bürgernah!
mwroer 16.04.2019
3.
Womit der Mitarbeiter seinen Bildungsurlaub verbringt ist seine Sache - so einfach ist das. Ist es anerkannt wird der Kurs von mir genehmigt und wenn da steht 'Yoga' ... dann steht da halt Yoga. Den Fall hatte ich zwar noch nie, aber okay. Einen Prozess wäre mir das als Arbeitgeber echt nicht wert.
Stäffelesrutscher 16.04.2019
4.
»Die Gesetze für Bildungsurlaub sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Bayern und Sachsen gibt es keinen Anspruch darauf.« Zufällig sind das die beiden Länder mit den höchsten Anteilen für »rechtspopulistische« Parteien ...
Akira 16.04.2019
5. Yoga Kurse sind okay...
... Aber für ein Seminar, ein Fachpraktikum, für die Klausurvorbereitung oder gar die Klausur selbst im akkreditierten Bachelor- oder Master-Studiengang an einer staatlichen FernUniversität, dafür kann kein Bildungsurlaub genommen werden. Verstehe das wer will.
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