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US-Arbeitsvisa Trump erschwert Fachleuten die Einreise

Wissenschaftler, IT-Spezialisten, Ingenieure: Für ausländische Fachkräfte gibt es in den USA ein spezielles Visum. Die Vergabepraxis will US-Präsident Trump mit einem neuen Dekret nun ändern.
Softwarespezialisten in Santa Monica, Kalifornien

Softwarespezialisten in Santa Monica, Kalifornien

Foto: Jae C. Hong/ AP

Der Weg zu einem Job in den USA soll für Nicht-Amerikaner schwieriger werden: US-Präsident Donald Trump plant höhere Hürden für hochqualifizierte Berufstätige. Trump werde am Dienstag ein Dekret unterzeichnen, das die Vergabepraxis für die stark nachgefragten Einreisevisa der Klasse H-1B auf den Prüfstand stelle, kündigte das Weiße Haus an.

Die H-1B-Visa sind bisher ein wichtiges Instrument zur Talentrekrutierung etwa für Hightech-Unternehmen im Silicon Valley. Die spezielle Arbeitserlaubnis richtet sich an hoch qualifizierte Wissenschaftler, Ingenieure und Programmierer aus dem Ausland. In den vergangenen Jahren hatten insbesondere gut ausgebildete Inder davon profitiert.

Wissenschaftler in den USA hatten in den vergangenen Wochen immer wieder dagegen protestiert, dass die Trump-Regierung ihre Arbeit erschwert. So wurden Forschungsprojekte gekürzt oder ganz gestrichen, deren Ergebnisse, etwa in der Klimaforschung, nicht in Trumps Weltbild passen. Die jetzt geplante erschwerte Einreise für hochqualifizierte ausländische Fachkräfte fügt sich in dieses Bild.

Weltweite Proteste

Gegen die wissenschaftsfeindliche Politik der US-Regierung hatte es auch in Deutschland Proteste gegeben. "Wenn unliebsame Forschung - etwa zum Klimawandel - ausgetrocknet und der Austausch behindert werden, wird die US-Forschung ihr Niveau nicht halten können", warnt etwa Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz.

"Wissenschaft braucht Freiheit und Austausch. Die klugen Köpfe werden die betroffenen Länder verlassen. Und Firmen, die auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen sind, werden ebenfalls abwandern. Deswegen schaden Staaten, die sich abschotten, zuallererst sich selbst", erklärt Hippler.

Weltweit wollen am kommenden Samstag Wissenschaftler beim "March for Science" auf die Straße gehen, um gegen die Abwertung von wissenschaftlichen Ergebnissen durch populistische Politiker zu protestieren. "Der wissenschaftliche Fortschritt lebt vom internationalen Austausch und Diskussionen auf Basis wissenschaftlicher Evidenz", sagt Julia Offe, die den Hamburger March for Science mitorganisiert. "Wissenschaft muss frei von politischer Einflussnahme bleiben. Diese Freiheit der Wissenschaft sehen wir in den USA im Moment bedroht, und wir solidarisieren uns ausdrücklich mit Wissenschaftlern in den USA."

Wissenschaftler gegen amerikanische Arbeiter?

Jedes Jahr werden in den USA derzeit rund 85.000 H-1B-Visa vergeben. Diese Zahl kann Trump nicht per Dekret ändern; dafür wäre ein Gesetz nötig, für das sich derzeit im Kongress aber keine Mehrheit abzeichnet. Mit seinem Dekret will Trump nach Angaben des Weißen Hauses erreichen, dass die Vergabe dieser Visa sich strenger an den ursprünglichen Vorgaben orientiert.

"Diese Visa sollten eigentlich den begabtesten und am besten bezahlten Bewerbern zugebilligt werden", sagte ein US-Regierungsmitarbeiter. "Für viel zu lange Zeit wurde das H-1B-Programm aber so angewendet, dass es schlecht für amerikanische Arbeiter war", sagte er. Die Reform ziele darauf ab, dass das H-1B-Programm "keine amerikanischen Arbeiter mehr verdrängt".

Für deutsche und andere Fachkräfte, die in den USA arbeiten wollen, bedeutet das, dass sie ab sofort mit einer längeren Bearbeitungsdauer und einer schärferen Überprüfung ihrer Visumsanträge rechnen müssen. Welche Kriterien dabei zugrunde gelegt werden, ist derzeit aber noch offen.

Trump will das Dekret am Dienstag bei einem Besuch im Bundesstaat Wisconsin unterzeichnen. Im Wahlkampf hatte er mit einer "Amerika zuerst"-Politik geworben und angekündigt, den Interessen von US-Arbeitnehmern absoluten Vorrang zu geben.

him/dpa
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