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Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wenn Väter weniger arbeiten

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Familie und Beruf "Warum ich den besten Job hinschmeiße, den ich je hatte"

Max Schireson ist Firmenchef, seine Frau Professorin. Von ihr wollen Kollegen wissen, wie sie Job und Familie vereinbart. Ihn fragen sie, welches Auto er fährt. Jetzt gibt der 44-Jährige seinen Posten auf: für die Kinder. Ganz konsequent ist er dabei nicht.
Von Pauline Schinkels

Es war sicher ein schwieriger Weg: Vom einfachen Tech-Studenten ist Max Schireson, 44, über Jahre zum CEO im Silicon Valley aufgestiegen. Das Geschäft boomt, seine Umsatzzahlen explodieren. Jetzt beendet Schireson seine Führungskarriere. Und schreibt dazu einen Text, der für Aufsehen sorgt .

Max Schireson ist Chef von MongoDB, einer Firma, die Datenbanksysteme programmiert und verwaltet. MongoDB sitzt in Palo Alto und New York - Schiresons Familie lebt in Kalifornien. Er pendelt zwischen Ost- und Westküste, zwischen seinem Job als Firmenlenker und seiner Rolle als dreifacher Familienvater. Während der vielen Stunden im Flugzeug hat er vieles verpasst. "Ich war bei vielen witzigen Momenten mit der Familie nicht da, und, noch viel schlimmer, als mein Sohn eine Notoperation brauchte", sagt er. Allein im vergangenen Jahr ist Schireson 300.000 Meilen geflogen.

Viel Zeit für die Kinder statt viel fliegen

Das reicht, er will nicht mehr Geschäftsführer sein. Nicht, dass es schlecht liefe bei MongoDB. Seit seinem Beginn vor vier Jahren habe sich die Belegschaft verfünfzehnfacht, der Umsatz verdreißigfacht. Schireson schwärmt, dass er nie in einem besseren Team gearbeitet habe. Darüber schreibt er in seinem Blog "Thoughts on technology and the tech business", mit Schwerpunkten wie CloudComputing oder Open Source Software. Mit alldem hat sein jüngster Beitrag aber nicht viel zu tun. Er heißt: "Warum ich den besten Job hinschmeiße, den ich je hatte".

"Von der Chefposition zurückzutreten, war der einzige Weg, den ich gefunden habe, um Familie und Beruf vereinbaren zu können", schreibt er in dem Artikel. Bisher kümmerte sich seine Frau, eine Professorin in Stanford, die zum Risiko von Frühgeburten forscht, um die Kinder des Paars. Die sind bereits 9, 12 und 14 Jahre alt.

Der Text hat für Wirbel gesorgt, auch weil er die Probleme von Doppelverdiener-Haushalten so klar benennt: "Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist viel zu lange so geführt worden, als ginge sie nur die Frauen etwas an", sagt Schireson gegenüber KarriereSPIEGEL. Er hofft, dass sein Beispiel vielleicht auch andere Väter dazu anregt, sich zu Wort zu melden und an der eigenen Situation etwas zu ändern.

Späte Einsicht

Andererseits kommt Schiresons Einsicht spät, die größere Wegstrecke bei der Erziehung der gemeinsamen Kinder hat seine Frau zurückgelegt. Und es muss sich noch zeigen, wie konsequent sein Rücktritt ist: Ab September wird er als Vize-Chairman den neuen CEO, Dev Ittycheria, kontrollieren. Zwar kümmert sich dann Ittycheria um die tägliche Geschäftsführung, aber eine Elternzeit stellt man sich doch anders vor. Zumindest sein Meilenkonto dürfte nicht mehr so rasant wachsen.

Erfolgreich im Beruf und gleichzeitig ein guter Vater sein, das ist eine Herausforderung, der sich auch Väter in Deutschland zunehmend stellen. Prominentes Beispiel ist Sigmar Gabriel, der für seine Tochter Marie eine dreimonatige Auszeit nahm. Allerdings konnte auch er dabei nicht ganz vom Politisieren lassen.

Um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, wurde in Deutschland 2001 die Elternzeit (früher: Erziehungsurlaub) eingeführt - diese können beispielsweise Väter nach der Geburt ihres Kindes nehmen. Im Vergleich zu den Frauen gehen sie aber noch vergleichsweise kurz in Elternzeit, meistens sind es gerade einmal zwei Monate. "Das Interesse der Väter an einer stärkeren Beteiligung bei der Erziehung ist sicherlich gestiegen", sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Zur einer tatsächlichen Entscheidung, die Arbeitszeit in größerem Umfang für die Familie zu reduzieren, führe das aber noch nicht. Neben finanziellen Gründen sei die Angst bei Männern vor dem Karriereknick zu groß, sagt Mareike Bünning vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. "Ob es diesen negativen Effekt aber wirklich gibt, ist noch nicht bewiesen."

Max Schireson ist mit Blick auf seine Kinder sicher, den richtigen Entschluss gefasst zu haben. Ja, er werde noch Vollzeit arbeiten, sagt er: "Aber normale Vollzeit und nicht mehr Wahnsinns-Vollzeit."

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Weiberwirtschaft: Männliche Macht, weiblicher Mumm

Foto: Getty Images/ Collage: Franziska Ebert

Pauline Schinkels (Jahrgang 1990) studiert in Köln Sozialwissenschaften und absolviert parallel an der Kölner Journalistenschule eine Ausbildung zur Journalistin für Wirtschaft und Politik.

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