Geflohen aus Venezuela Dina, 20, hätte gern studiert

Dina Marquez schob für den Sicherheitsdienst eines venezolanischen Supermarkts Nachtschichten. Als ihre Partnerin nicht mehr an Medikamente gegen ihren Krebs kam, flohen beide nach Kolumbien.

Dina Marquez mit ihrer Partnerin Fanyhud (links)
Heike Klovert/SPIEGEL ONLINE

Dina Marquez mit ihrer Partnerin Fanyhud (links)


Dina Marquez ist mit Fanyhud, 35, zusammen. Ihre Mütter waren beide strikt gegen die Beziehung - wegen des Altersunterschieds und weil lesbische Paare in Venezuela kaum akzeptiert sind. Doch das war nicht der Grund für ihre Flucht.

Sie gingen Mitte Februar über die Grenze, weil Fanyhud an Schilddrüsenkrebs erkrankt ist und sich in ihrer Heimat die Medikamente nicht mehr leisten konnte. In der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta wird sie von der NGO Fundación Censurados unterstützt und soll bald in eine Krebsklinik zur Behandlung kommen.

Bis dahin leben sie in einem Haus der NGO in Cúcuta, in dem rund zwei Dutzend Venezolaner Zuflucht gefunden haben, die homo- oder transsexuell, an Aids erkrankt oder sexuell missbraucht worden sind.

Hier erzählt Dina, warum sie gern studiert hätte - und was dazwischen kam:

"Ich habe nachts als Sicherheitskraft in einem Supermarkt gearbeitet. Ein Freund hatte mir zu dem Job verholfen. Manchmal waren wir tagsüber so schlecht besetzt, dass ich 72 Stunden am Stück gearbeitet habe. Das geht, mit viel Kaffee. Aber es war nicht gesund.

Ich hätte gern studiert, ich mag Zahlen und wäre vielleicht in die Verwaltung gegangen. Doch als ich mit der Schule fertig war, wurde meine Mutter krank. Sie musste zweimal an der Galle operiert werden, deswegen habe ich mir einen Job gesucht, um sie zu unterstützen.

Jetzt bin ich mit Fanyhud hier und meine Familie ist noch in Venezuela. Ich habe nicht viel Kontakt zu ihnen, sie haben keine Handys. Venezuela braucht eine Veränderung. Ich weiß nicht, ob Juan Guaidó unsere beste Option dafür ist, aber er scheint im Moment unsere einzige zu sein.

Bevor sich die Lage in Venezuela nicht bessert, gehe ich nicht zurück. Ich möchte einen Job finden, um meiner Familie Geld zu schicken. Mein kleiner Bruder arbeitet jetzt im selben Supermarkt, in dem ich gejobbt habe. Er arbeitet von Freitagnachmittag bis zum frühen Montagmorgen und geht danach direkt zur Uni. Er studiert Gastronomie, er will Koch werden."

lov



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