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Stromdiebstahl im Job Wenn der Ventilator zur Kündigung führt

In Ihrem Büro ist es zu heiß? Dann stellen Sie doch Ihren Ventilator an - aber fragen Sie vorher Ihren Chef um Erlaubnis. Denn wer eigenmächtig private Geräte anschließt, stiehlt Strom und bringt seine Kollegen in Gefahr.
Von Elke Spanner
Morgens halb zehn im Büro: Das Haar sitzt

Morgens halb zehn im Büro: Das Haar sitzt

Foto: DPA/obs

In Gummersbach hat man das Problem durch ein rabiates Verbot gelöst. Wenn es nun also heiß wird im Bergischen Land, wo die Gemeinde liegt, werden die Mitarbeiter der Kreisverwaltung sich keine kühlenden Ventilatoren auf den Schreibtisch stellen.

Die Stromkosten sind der vorwiegende Grund, warum die Kreisverwaltung ihren 1200 Mitarbeitern vor rund einem Jahr verboten hat, am Arbeitsplatz private Geräte wie Kaffeemaschinen, Radios oder eben Ventilatoren zu benutzen. Rund 15.000 Euro im Jahr sollen dadurch eingespart werden, und dieses Ziel, sagt Sprecher Philipp Ising, "haben wir auch erreicht". Ökonomisch betrachtet ist das Verbot also ein voller Erfolg.

Atmosphärisch eher weniger. Die Mitarbeiter haben das Verbot inzwischen zwar akzeptiert - notgedrungen. "Es gab aber durchaus eine Phase, in der sie sich erst an die rigide Änderung gewöhnen mussten", räumt Ising ein.

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Privatgeräte im Büro: Ein Bürgermeister bittet zur Kasse

Foto: Michael Probst/ AP

Für die meisten Arbeitnehmer, nicht nur in Gummersbach, ist es selbstverständlich, bei der Arbeit kurz das eigene Handy aufzuladen oder sich mit der eigenen Maschine einen Espresso zu kochen, statt die abgestandene Filterbrühe aus der Kaffeeküche zu trinken.

Wer sich das Büroleben da ganz unbedacht ein wenig angenehmer macht, begeht jedoch streng genommen einen Stromdiebstahl. Der Strom, der aus den Steckdosen des Unternehmens kommt, gehört zu den Arbeitsmitteln. Und die sollen für die Arbeit genutzt werden und nicht dafür, es sich am Schreibtisch gemütlich zu machen.

Kündigung wegen 0,014 Cent

Vor Gericht landen immer wieder Fälle, in denen einem Mitarbeiter wegen eines Stromdiebstahls gekündigt wurde. Einmal ging es um das heimliche Aufladen eines Handys, Stromkosten: 0,014 Cent. Ein anderes Mal sollte einem Mitarbeiter zum Verhängnis werden, dass er den Akku seines elektrischen Rollers für die Heimfahrt aufgeladen hat. Schaden für das Unternehmen: 1,9 Cent.

Die Kündigungen hatten letztlich zwar keinen Bestand, weil der Schaden für den Arbeitgeber allzu geringfügig war. "Grundsätzlich ist das Stromklauen aber durchaus geeignet, eine fristlose Kündigung zu begründen", sagt Silke Allerdissen, Rechtsanwältin in Wuppertal. "Die Gerichte schauen sich den Einzelfall sehr genau an".

Was, wenn der Wasserkocher brennt?

Dabei geht es nicht allein ums Geld, auch die Sicherheit spielt eine Rolle. Das betont man auch in Gummersbach, der Gemeinde mit dem Privatgeräteverbot. Die Frage ist nämlich, was eigentlich passiert, wenn das private Gerät zum Beispiel in Brand gerät oder ein Kollege sich daran verletzt. Eigentlich müssen alle elektrischen Geräte regelmäßig vom Sicherheitsbeauftragten eines Unternehmens gewartet werden, egal ob sie Eigentum der Firma oder eines Kollegen sind.

Deshalb ist es keine gute Idee, heimlich seinen eigenen Wasserkocher zu benutzen. Anders liegt der Fall, wenn der Chef das Gerät ausdrücklich genehmigt oder stillschweigend duldet. Dann wird es wie ein Arbeitsgerät des Unternehmens behandelt - und der Mitarbeiter haftet unter Umständen nicht einmal, wenn durch sein Gerät ein Schaden entstanden ist.

Zu unterscheiden ist nur danach, ob jener Schaden bei der Arbeit oder einer eher privaten Tätigkeit entstanden ist. Hat zum Beispiel ein Kollege einen Stromschlag bekommen, als er bei Einbruch der Dämmerung seine Schreibtischlampe anmachen wollte, war das eine betriebliche Tätigkeit. Dann gilt das sogenannte Haftungsprivileg: Der Unfall gilt als Arbeitsunfall, den Schaden trägt die gesetzliche Unfallversicherung.

Stromklau als Vorwand für einen Rausschmiss

Anders ist es hingegen, wenn der Mitarbeiter sich an der Kaffeemaschine die Hand verbrüht. Das Sozialgericht Duisburg hat in einem solchen Fall einen Arbeitsunfall verneint (Az.: S 26 U 2/029), die Verletzung sei Folge eines "eigenwirtschaftlichen Handelns". Dann zahlt der Besitzer der Kaffeemaschine Schadensersatz und unter Umständen sogar Schmerzensgeld.

Die Stadt Werdohl im Sauerland hat beim Umgang mit privaten Wasserkochern und Kühlschränken einen eigenen Weg gewählt. Dort erhebt der Bürgermeister von den Mitarbeitern eine Pauschale für den Strom, den sie am Arbeitsplatz privat verbrauchen. Das Arbeitsgericht Iserlohn hat das jüngst abgesegnet (Az.: 2 Ca 443/14).

Die Strompauschale hat im Rathaus von Werdohl für große Empörung gesorgt. Sie hat aus Mitarbeitersicht aber auch einen Vorteil: Bezahlen die Angestellten ihren Strom, besteht zumindest nicht die Gefahr, dass ein vermeintlicher Diebstahl zum Vorwand für einen Rausschmiss genommen wird.

"In der Regel stehen andere Gründe hinter der Kündigung als nur der Stromverbrauch", sagt Michael Henn, Arbeitsrechtsexperte aus Stuttgart. "Der Verwaltungsaufwand für das Unternehmen, das den Mitarbeiter kündigen will, steht völlig außer Verhältnis zu den Stromkosten. Meistens will das Unternehmen jenen Mitarbeiter ohnehin loswerden oder an ihm ein Exempel statuieren".

Elke Spanner (Jahrgang 1967) hat Jura studiert. Statt sich durch juristische Akten zu quälen, schreibt sie aber lieber als Journalistin über Recht, Arbeitswelt und Karriere.

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