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Mut zur Familie?: Neue Väter, alte Rollen

Foto: Corbis

Verblüffende Arbeitszeiten Väter arbeiten mehr als kinderlose Kollegen

Ein Kind ist eigentlich ein prächtiger Grund, früh nach Hause zu gehen. Viele Väter sitzen trotzdem abends lange im Büro - und zwar länger als ihre Kollegen ohne Kinder. Wollen sie sich etwa vor Schlafliedern und Schmutzwäsche drücken? Ein Forscher sieht ganz andere Gründe.

Szene aus einem Ingenieurbüro: Der Chef, junger Vater von zwei kleinen Kindern, hat am Spätnachmittag offenkundig nichts mehr zu tun. Trotzdem bleibt er weiter im Büro, schaut seinen Angestellten über die Schulter, interessiert sich plötzlich für ihre Arbeit, zeigt einen sonst seltenen Hang zum Small Talk. Die Mitarbeiter sind verblüfft - bis sie den Grund für die ungewohnte Zuwendung erfahren: "Bei mir zu Hause ist gerade Kindergeburtstag. Das vertrage ich heute nicht, da bleibe ich lieber im Büro", sagt seufzend der Boss der kleinen Firma.

Ist es auch das, was Väter so lange bei der Arbeit hält? Männer mit Kindern verbringen jedenfalls mehr Zeit im Büro als Männer ohne Kinder. Das hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) ermittelt; Grundlage waren Zahlen der Haushaltsbefragung "Mikrozensus 2010".

Der Untersuchung zufolge arbeiten Väter der Altersgruppe 25 bis 39 Jahre im Schnitt etwa zwei Stunden pro Woche länger als kinderlose Männer. In der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen beträgt die Mehrarbeit sogar fast fünf Stunden pro Woche. Bei kinderlosen Männern nimmt die Zahl der Wochenstunden ab dem vierzigsten Lebensjahr kontinuierlich ab - aber die der Väter steigt nochmals leicht an.

Das ist auf den ersten Blick erstaunlich und scheint auch zu dem Befund zu passen, dass drei Viertel der Väter auf die Familienpause verzichten, weil sie um ihre Karrierechancen bangen. Erwacht in ihnen etwa ein Fluchtreflex, wollen sie vielleicht dem Familienstress zu Hause entgehen, sich gar drücken vor Spiel- und Einschlafritualen mit den Kindern?

"Die klassische Rollenteilung verfestigt sich"

Martin Bujard, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts, liefert eine andere Erklärung: "Wenn Mütter nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit reduzieren, dann fangen viele Väter das fehlende Einkommen mit längerer Arbeitszeit auf."

Doppel-Quiz: Frauen vs. Männer

Die klassische Rollenteilung verfestige sich dann mit der Zeit, deutet Politikwissenschaftler Bujard die Daten weiter: Männer gewöhnten sich daran, mehr Zeit im Büro zu verbringen, und Frauen gewöhnten sich daran, sich allein um die Kinder zu kümmern. Häufig seien die Männer dann im Beruf erfolgreich, aber im Umgang mit dem Nachwuchs inkompetent - obwohl sie eigentlich mehr Zeit mit der eigenen Familie verbringen wollen.

Bujard, der vor seiner Stelle am BiB in einer Berliner Forschergruppe zum Thema "Zukunft mit Kindern" arbeitete, folgert daraus: "Gerade erwerbstätige Väter benötigen ganz offensichtlich Unterstützung und Anreize, um innerhalb der Familie zu einer gerechten Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern beizutragen."

vet/jol/dpa
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