Verliebter Abteilungsleiter Wie ein Banker mit Kundendaten baggern ging

Es muss ein schwerer Fall von Hormonsausen gewesen sein: Ein Banker verguckte sich in eine Kundin, fischte ihre Handy-Nummer aus der Datenbank, baggerte nach Kräften. Was er als Flirt sah, empfand sie als schmierige Anmache. Reicht das für eine Kündigung? Mainzer Richter mussten entscheiden.

Anpirschen per SMS: Dafür in Kundendaten zu graben, ist keine gute Idee
dapd

Anpirschen per SMS: Dafür in Kundendaten zu graben, ist keine gute Idee

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Dem Abteilungsleiter einer Bank hatte es eine Kundin angetan - darum besorgte er sich ihre Mobilnummer aus den Kundendaten, sprach sie mehrfach an, schickte ihr eine SMS. Die Frau fühlte sich belästigt und beschwerte sich. Das kann ein Arbeitgeber, klar, nicht einfach ignorieren. Aber mit welchen Konsequenzen muss der Angestellte rechnen?

Der 50-jährige, verheiratete Banker hatte die Kundin erst in der Bank gesehen und sie dann im Januar 2011 an einer Tankstelle angesprochen. Baggern, Teil eins: "Kennen wir uns nicht? Sie kommen mir bekannt vor!" Der Tankwart rückte den Namen der Frau heraus, in den Kundendaten fand der verheiratete Abteilungsleiter ihre Handy-Nummer und schickte eine SMS. Baggern, Teil zwei: "Dieser Blickkontakt hat mich beeindruckt. Sie besitzen eine große Ausstrahlung. Vielleicht ging es Ihnen ja wie mir gestern Morgen. Handy-Nr. (…)".

Eine Woche später hatte die Kundin einen Banktermin, der Angestellte folgte ihr von der Schalterhalle in ein Beratungszimmer und sprach sie erneut an - Baggern, Teil drei. Da reichte es der Frau endgültig, sie wandte sich an den Vorstand der Bank mit rund hundert Mitarbeitern.

Der Arbeitgeber reagierte prompt. Nach einer Anhörung erhielt der Abteilungsleiter eine ordentliche Kündigung, zugleich aber das Angebot, das Arbeitsverhältnis auf einer anderen, schlechter bezahlten Stelle fortzusetzen. Statt rund 4000 Euro brutto sollte er 300 Euro weniger verdienen, eine Strafversetzung also. Begründung: Er habe missbräuchlich Bankdaten für Privatzwecke genutzt und sich zudem ruf- und geschäftsschädigend verhalten.

Faule Ausrede: Er wollte doch nur "den Kundenkontakt verbessern"

Die Änderungskündigung wollte der Banker nicht hinnehmen, allenfalls eine Abmahnung. Er nahm die neue Stelle nur unter Vorbehalt an und klagte. Zunächst gab ihm das Arbeitsgericht Kaiserslautern recht, nun auch das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz.

Nach Auffassung beider Instanzen ist klar, dass sich der Angestellte nicht korrekt verhielt und eindeutig gegen seine dienstlichen Pflichten verstieß, zumal in seiner Vorbildfunktion als Bereichsleiter. Dieser schlechte Eindruck falle auch auf die Bank zurück. Der Banker versuchte sich herauszureden, mit der SMS habe er "den Kundenkontakt verbessern" wollen, ohne den "geschäftspolitischen Hintergrund gleich in den Vordergrund zu stellen". Das kauften ihm die Richter nicht ab, sie fanden es, in juristischen Worten: "wenig plausibel".

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Arbeitsrechts-Urteile: Abgemahnt, gefeuert, geklagt
"Eindeutige erotische Angebote", wie der Arbeitgeber es dem Banker vorwarf, konnte das Landesarbeitsgericht aber nicht erkennen und hielt eine Abmahnung für ausreichend. Der Vorfall sei nicht so schwerwiegend, dass er eine Kündigung oder Änderungskündigung rechtfertige. Denn bei einer Entlassung gehe es darum, das Risiko weiterer erheblicher Pflichtverletzungen zu vermeiden - nicht um eine Strafe für eine begangene Pflichtverletzung.

Ein Schuss vor den Bug ist genug, so die Richter. Sie gehen davon aus, dass sich "der Kläger eine Warnung mit Kündigungsdrohung zu Herzen nehmen wird", darum: kein Rauswurf, keine Strafversetzung auf die schlechter bezahlte Stelle. Eine Revision hat das Gericht nicht zugelassen (Aktenzeichen: 10 Sa 329/11).

Zum Autor
Jochen Leffers (Jahrgang 1965) ist SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und leitet das KarriereSPIEGEL-Ressort.

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Seite 1
acitapple 06.02.2012
1.
Zitat von sysopdapdEs muss ein schwerer Fall von Hormonsausen gewesen sein: Ein Banker verguckte sich in eine Kundin, fischte ihre Handynummer aus der Datenbank, baggerte nach Kräften. Was er als Flirt sah, empfand sie als schmierige Anmache. Reicht das für eine Kündigung? Mainzer Richter mussten entscheiden. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,813034,00.html
peinlich, was manche geschlechtsgenossen so abziehen. und dann noch mit famile im hintergrund. was im artikel aber nicht steht, ist die redaktion der dame auf die sms und das persönliche ansprechen. kann mir schwer vorstellen, dass sie gar keine reaktion gezeigt hat und dann auf einmal zum vorstand gelaufen ist...
own_brain_user 06.02.2012
2. Der Missbrauch ...
... von Kundendaten in einer Weise, dass jemand gerade deshalb belästigt werden kann, weil er Kunde des Arbeitgebers ist, wiegt für mich deutlich schwerer als der Biss in ein Hackbrötchen oder die Rettung eines liegengelassenen Pfandbons zum eigenen Vorteil statt zu demjenigen des Arbeitgebers. Aber vielleicht kommt es ja auch auf das Bundesland an. Ich könnte mir vorstellen, dass es andere Landesarbeitsgerichte gibt, die in bezug auf den Datenschutz sensibler urteilen (is ja nich so schlimm, war ja nur ne Telefonnummer ...). Wenn ich Kontaktdaten meines Arbeitgebers so verwenden würde, müssten mich beim Ausspruch einer Kündigung erst andere auf die Idee bringen, dagegen zu klagen, ich käme da gar nicht drauf, dass das erfolgreich sein könnte. Erst recht, wenn es nur eine Änderungskündigung wäre. Andersherum: Würde ein Angestellter eines Betriebs meine Kundendaten zu seinen Zwecken missbrauchen, würde ich ihm *und* seinem Laden ganz schön aufs Dach steigen.
kein Ideologe 06.02.2012
3. 4567890
erstaunlich. Ein Bankmitarbeiter verwendet Kundendaten für private Zwecke. Gut daß es nur um Kontakt geht, es hätte ja auch die Kreditkartennummer sein können. Wenn das kein Dienstvergehen ist, was dann? Griff in die Kasse? Auch da gibt es, zumindest bei geringfügigen Vergehen, auch gleich Solidaritätskomitees landesweit. Also ich würde als Vorgesetzter da auch ein erschüttertes Vertrauensverhältnis sehen.
Saïph 06.02.2012
4. Naja
Zitat von own_brain_user... von Kundendaten in einer Weise, dass jemand gerade deshalb belästigt werden kann, weil er Kunde des Arbeitgebers ist, wiegt für mich deutlich schwerer als der Biss in ein Hackbrötchen oder die Rettung eines liegengelassenen Pfandbons zum eigenen Vorteil statt zu demjenigen des Arbeitgebers. Aber vielleicht kommt es ja auch auf das Bundesland an. Ich könnte mir vorstellen, dass es andere Landesarbeitsgerichte gibt, die in bezug auf den Datenschutz sensibler urteilen (is ja nich so schlimm, war ja nur ne Telefonnummer ...). Wenn ich Kontaktdaten meines Arbeitgebers so verwenden würde, müssten mich beim Ausspruch einer Kündigung erst andere auf die Idee bringen, dagegen zu klagen, ich käme da gar nicht drauf, dass das erfolgreich sein könnte. Erst recht, wenn es nur eine Änderungskündigung wäre. Andersherum: Würde ein Angestellter eines Betriebs meine Kundendaten zu seinen Zwecken missbrauchen, würde ich ihm *und* seinem Laden ganz schön aufs Dach steigen.
Man muss mal die Pferde im Stall lassen: Immerhin hat er die Daten nur für sich selbst benutzt und nicht irgendwo veröffentlicht. Und er ist auch keine Gefahr für die Dame gewesen. Für solche Verfehlungen ist ja eben eine Abmahnung gedacht und auch völlig ausreichend als Warnschuss. Für den Pfandbon und das Brötchen gilt im Übrigen genau dasselbe.
kfp 06.02.2012
5. Zweierlei Maß...
Verstehe ich richtig: Wer Müll, alte Semmeln oder Bleistifte mit heim nimmt, darf wegen Diebstahl=Vertrauensbruch fristlos entlassen werden. (Oder auch der Scherzkeks, der in den USA bei einer asiatischen Kundin "Frau Schlitzauge" auf die Rechnung geschrieben hatte, was sie nicht einmal wirklich gestört zu haben schien und worüber sie eigentlich nur ohne sich groß was dabei zu denken als kleine Schmunzel-Anekdote gebloggt hatte...) Wer dagegen in einer verantwortungsvollen Position vertrauliche Bankdaten mitgehen lässt und sowohl eine Kundin belästigt als auch den Ruf der Bank beschädigt, dem darf man nicht mal das Gehalt um ein paar (einstellige!) Prozent kürzen, damit er merkt, dass so etwas Konsequenzen hat und nicht nur mit einem Schulterklopfen "Ja, bei so einer Braut muss man ja einfach schwach werden " abgetan wird?
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