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Vielredner im Büro-Alltag Wo haben Dampfplauderer ihr Bremspedal?

Besserwisser, Wortverdreher, Selbstdarsteller: Wer eine Besprechung leitet, muss dafür sorgen, dass nicht einzelne Quasselstrippen aus der Veranstaltung ihre Bühne machen. Management-Berater Rüdiger Klepsch verrät, wie man Vielredner bremst, ohne sie zu verprellen.
Eingreifen, bevor es zu viel wird: Gesprächsleiter dürfen das Feld nicht einfach den Quasselstrippen in der Gruppe überlassen

Eingreifen, bevor es zu viel wird: Gesprächsleiter dürfen das Feld nicht einfach den Quasselstrippen in der Gruppe überlassen

Foto: Corbis

Für das Gelingen einer Besprechung ist es von großer Bedeutung, dass sich alle Teilnehmer beteiligen, damit verschiedene Standpunkte vorgebracht werden. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Gesprächsteilnehmer, die das geschehen dominieren, aus den unterschiedlichsten Gründen. Wenn jemand zu lange redet, nimmt er den anderen die Möglichkeit sich zu beteiligen. Was kann Sie also tun, um Vielredner zu bremsen?

Manchmal fällt einem Teilnehmer einfach aufgrund seiner größeren Erfahrung oder seiner höheren Stellung im Betrieb eine dominierende Rolle zu. In diesem Fall kann es leicht sein, dass andere sich zurücklehnen und ihm das Wort überlassen. Der Besprechungsleiter sollte dann mit Hilfe von direkten Fragen die anderen Teilnehmer aus der Reserve locken.

Dann haben wir noch den Vielredner, der sich gern reden hört. Dieser Typus kann viel problematischer sein. Gruppendynamisch sorgt er leicht für eine schlechte Stimmung, weil er den anderen die Zeit zur eigenen Teilnahme raubt. Hier muss der Moderator freundlich, respektvoll, aber bestimmt unterbrechen, ohne dass der Vielredner sich gekränkt zurückzieht: "Entschuldigen Sie, wenn ich unterbreche. Damit Ihre Diskussionspunkte nicht verloren gehen, möchte ich das, was ich bisher von ihren Argumenten verstanden habe, zusammenfassen und dann den anderen Kollegen die Möglichkeit geben, zu ergänzen..."

Die Judo-Taktik gegen Wortverdreher

Manche Menschen reden viel, weil sie glauben, alles besser zu wissen, andere wiederum verdrehen einem das Wort im Mund, um einen aus dem Konzept zu bringen. Wenn so ein Mitarbeiter sich unter Ihren Besprechungsteilnehmern befindet, dann heißt es Ruhe bewahren. Als Besprechungsleiter können Sie zum Beispiel die Judo-Taktik anwenden: Nicht dagegen halten, sondern den Angriff annehmen und die Kraft in Ihrem Sinne umlenken. Lassen Sie der Person also genügend Raum, geben Sie ihr Gelegenheit, absurde oder weit hergeholte Behauptungen aufzustellen. Wenn Sie genau verstanden haben, können Sie durch gezielte Fragen die Absurdität entlarven ohne durch ein Dagegenargumentieren unnötig Widerstand zu produzieren.

Normalerweise fühlen die anderen in der Gruppe sich auch gestört, äußern sich negativ zu diesen Vielredner-Behauptungen und bringen sie durch Unmutsäußerung für einige Zeit zum Schweigen.

Begriffsstutzige rüffeln, aber nicht zu wichtig nehmen

In vielen Fällen merkt die störende Person, dass ihre Art abgelehnt wird, und hält sich im weiteren Verlauf zurück. Wenn sie jedoch nicht reagiert, mag es notwendig sein, dass Sie als Besprechungsleiter sehr direkt werden und die betreffende Person darauf hinweisen, dass sie den Besprechungsverlauf stört und schuld daran ist, wenn wertvolle Zeit verloren geht. Um den eigenen Worten Gewicht zu geben, sollten Sie dann sofort weiterarbeiten, zum Beispiel durch eine konkrete Frage an einen anderen Teilnehmer, um die Diskussion voranzubringen.

Generell gilt: Versuchen Sie, die dominanten Gesprächsteilnehmer nicht immer wieder anzuschauen, sondern sich vielmehr auf die anderen Teilnehmer zu konzentrieren. Die Tendenz, sich auf die vermeintlich schwierigen Leute zu konzentrieren, steigert eher deren Gefühl besonderer Wichtigkeit. Damit erzeugen Sie das, was Sie eigentlich vermeiden wollen.

Wenn das klappt, tritt schon die nächste Schwierigkeit auf: Hat ein mitteilungsbedürftiger Mitarbeiter keine Gelegenheit, sich an die gesamte Gruppe zu wenden, steigt die Wahrscheinlichkeit der Nebengespräche. Andererseits kommt es vor, dass ein vorsichtiger Teilnehmer lieber testet, wie seine Ideen aufgenommen werden, bevor er sie der ganzen Gruppe vorstellt. Nebengespräche sind daher eigentlich eine unvermeidliche Begleiterscheinung jedes normalen Meetings und dauern meistens nicht lang.

Es heißt Fingerspitzengefühl zu entwickeln, wann Sie intervenieren: Lassen Sie es zu lange laufen, werden andere motiviert, sich ebenso zu verhalten. Wenn Sie zu früh eingreifen, ernten Sie schnell Ablehnung durch zu rigides, oberlehrerhaftes Auftreten. Ufern die störenden Nebengespräche aus, bleibt Ihnen jedoch nichts übrig als zu reagieren.

Eine Methode zur Unterbindung von Nebengesprächen ist es, die betreffende Person einzuladen, doch auch die anderen wissen zu lassen, was sie zu sagen hat. Eine weitere Methode besteht darin, das allgemeine Gespräch zu unterbrechen und diese Person erwartungsvoll anzusehen. Meist genügt dies, um die Ordnung wiederherzustellen.