Workaholics Vier Extremarbeiter - und was sie antreibt

Von Eva Buchhorn

4. Teil: Detailarbeiter: Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich


Detailarbeiter: Stefan Heidenreich räumt bei Beiersdorf auf

Detailarbeiter: Stefan Heidenreich räumt bei Beiersdorf auf

Ende April hat Stefan Heidenreich die Geschicke der Beiersdorf AG in die Hand genommen. Seither beginnt für die Führungskräfte in der Hamburger Konzernzentrale der Tag mit der Frühschicht. Wenn der 49-jährige Vormann nicht gerade in Asien oder Amerika von Termin zu Termin eilt, sitzt er meist um sechs Uhr am Schreibtisch. Um sieben Uhr setzt er Besprechungen an.

Heidenreich, der schon bei vorherigen Stationen (Premiere, Hero) im hohen Drehzahlbereich agierte, verschärft in der verwöhnten, aber zuletzt nur mäßig erfolgreichen Kosmetik- (Nivea) und Klebstofftruppe (Tesa) Takt und Tempo. Binnen weniger Monate hat er bereits etliche Führungskräfte ausgetauscht. Außerdem trieb er die Rückbesinnung auf die Marke Nivea (Kampagne: "Blue Agenda") voran.

Einmal in Fahrt gekommen, räumt Heidenreich, ein Anhänger des klaren Wortes, nun auch mit der Konsenskultur bei Beiersdorf auf. Der ehemalige Wettkampfsurfer kämpfe mit offenem Visier, wie ein Vertrauter sagt. Dabei beschäftigt er sich gern auch mit Details. An der neuen Nivea-Kampagne arbeitete er intensiv mit, ebenso an der Neuausrichtung der Pflegemarke Eucerin.

Dass er sich wie so mancher andere CEO nicht allein um das große Ganze kümmert, sondern eben auch um (wenngleich wichtige) Einzelheiten, liegt zum Teil an Heidenreichs Naturell. Allerdings sitzt ihm mit Michael Herz auch ein Mehrheitsaktionär im Nacken, der selbst gern tief ins Geschehen vordringt. Da kann der Vorstandschef schlecht hintanstehen.

Am Freitagabend zieht sich Heidenreich gewissermaßen in die Tiefe des Raumes zurück, genau genommen in die Schweiz. Dort leben in der Gemeinde Zug Frau und Kinder. In dieser Hinsicht geht es ihm ähnlich wie Beiersdorf-Finanzchef Ulrich Schmidt, 59. Der verbringt Samstage und Sonntage bei den Lieben in Wien. Montag früh sind beide dann häufig wieder die Ersten im Büro.



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