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Vom Trainee zum Chef Hier muss alles anders werden!

Trainee-Programme gelten als Sprungbrett für eine steile Konzernkarriere. Doch nicht jeder, der im Assessment-Center brilliert hat, schafft es an die Spitze. Vier Chefs, die sich vom Trainee hochgearbeitet haben, verraten ihre Erfolgsrezepte - und warum es sich lohnt, die eigenen Lehrer abzusägen.
Auf dem Sprung: Hier berichten Chefs von ihrer Trainee-Zeit

Auf dem Sprung: Hier berichten Chefs von ihrer Trainee-Zeit

Foto: Corbis

Assessment-Center? Langweilig, da waren ja alle. Die Anekdote von der fiesen Frage, der genialen Antwort und dem gestammelten Kurzvortrag hat gestern noch den WG-Mitbewohner vom Küchenstuhl gehauen, jetzt interessiert sie auf einmal niemanden mehr.

Wer Hunderte Bewerber abgehängt und eine Trainee-Stelle ergattert hat, bekommt es mit neuer Konkurrenz zu tun: Menschen, die in diversen Bewerbungsrunden bewiesen haben, dass sie genauso innovativ, kompetent, lernbereit und engagiert sind wie man selbst.

Nach dem Einstellungstest folgt die härteste Prüfung: Zeigen, was man wirklich drauf hat. Gar nicht so einfach, wenn man sich auf einmal in einem starren Lehrplan wiederfindet. Was also tun? Einen neuen Lehrplan ausarbeiten und dann direkt zum Vorstandsvorsitzenden damit! Hört sich unrealistisch an? Dann lesen Sie, wie Annika Falkengren vom Trainee zur Bankchefin aufstieg.

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Hart, aber herzlich: Worauf es bei Trainee-Programmen ankommt

Foto: Corbis

Sie haben als Trainees angefangen, bei der Commerzbank, Beiersdorf, Bosch und SEB, und sich bis zu den Chefsesseln durchgeboxt: Vier Top-Manager erzählen, wie man mit ungewöhnlichen Vorschlägen Karriere macht, warum man sich mit seinen Trainee-Kollegen anfreunden sollte und wieso sich es sich auch lohnt, Lächeln zu lernen.

Die Radikale - "Ich war ungeduldig"

Falkengren: Zum Einstieg den Umsturz geprobt

Falkengren: Zum Einstieg den Umsturz geprobt

Annika Falkengren, 49, studierte Betriebswirtschaft an der Universität Stockholm. Ihre Karriere bei der Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) begann sie als Trainee im Alter von 25 Jahren. Seit dem 10. November 2005 ist sie Chefin des Finanzkonzerns, für den weltweit mehr als 17.000 Mitarbeiter arbeiten.

"Ich habe meine Zeit als Trainee als sehr intensiv und spannend in Erinnerung. Ich habe viele neue Menschen kennengelernt und wurde mit verschiedenen neuen Situationen konfrontiert. Ich war ungeduldig und wollte die Bank von Anfang an als Ganzes erfassen.

Als ich mich noch mitten in der Trainee-Ausbildung befand, schlug ich einige entscheidende Veränderungen daran vor. Ich wurde aufgefordert, sie dem Vorstandsvorsitzenden zu präsentieren, und im nächsten Jahr war ich plötzlich selbst für das gesamte Trainee-Programm verantwortlich.

Immer noch das Trainee-Programm à la Falkengren

Als Vorstandsvorsitzende kann ich immer noch detaillierte Fragen zu den Geschäftsabläufen beantworten, auch wenn ich nicht mehr wie früher Bestandteil des laufenden operationellen Betriebs bin. Trainees rate ich, die einzelnen Stationen im Unternehmen genau kennenzulernen. Verstehen Sie das Unternehmen von innen heraus! Das schärft nicht nur Ihren Geschäftssinn, sondern stärkt auch Ihre Glaubwürdigkeit. Und: Bauen Sie sich ein Netzwerk auf!

Das Kernstück unseres Trainee-Programms hat sich nicht wesentlich verändert, seit ich es nach meinem eigenen Trainee-Jahr umgestaltet hatte. Es ist ein sehr anerkanntes Programm und umfasst einen allgemeinen Teil mit verschiedenen Bausteinen und einen Teil, der individuell gestaltet wird.

Mit dem Feedback der Trainees versuchen wir, das Programm immer wieder zu verbessern. Eine Sache, die ich geändert habe, ist, dass man als Trainee in der Bank immer irgendwo "hingehören" sollte. Damit fühlt sich eine Führungskraft für den Trainee als Individuum immer ein kleines bisschen extra verantwortlich."

Der lächelnde Nivea-Mann - "Respekt vor dem Apotheken-Außendienst"

Bendix: Lektionen im Lächeln in Thailand gelernt

Bendix: Lektionen im Lächeln in Thailand gelernt

Foto: Valerie Rosenburg/ Beiersdorf

Kai Bendix, 42, studierte Betriebswirtschaft in Münster. Fing im Alter von 28 Jahren als Trainee bei Beiersdorf an, wurde 2003 Managing Director in Bulgarien und baute ab 2005 die Marke Nivea in Indien auf. Seit Januar 2011 ist er der Geschäftsführer von Beiersdorf Österreich.

"Ich hatte das Glück, als Trainee für drei Monate bei unserer thailändischen Beiersdorf-Gesellschaft in Bangkok arbeiten zu können. Damals war es noch nicht üblich, dass jeder Trainee eine Station bei einer Tochtergesellschaft im Ausland absolviert. Das war eine große Ausnahme. Heute ist der Schritt ins Ausland für alle Trainees bei Beiersdorf selbstverständlich, und dabei werden auch exotische Länder nicht ausgespart. Ich selbst habe während meiner Zeit als Geschäftsführer der indischen Beiersdorf-Tochter gleich mehrere Trainees für nicht weniger als sechs Monate in Mumbai betreut. Und natürlich halte ich weiter Kontakt zu ihnen.

Perfekt für die Netzwerkbildung

Das Trainee-Programm verschafft einem schon als Berufseinsteiger ein breites Netzwerk im Unternehmen, welches man auf jeden Fall aktiv aufrechterhalten muss. Viele Kollegen und auch Trainees, die ich während meiner Ausbildung kennengelernt habe, sind inzwischen in verantwortungsvollen Positionen, so dass man gemeinsam durchs Berufsleben geht und einander unterstützen kann.

Auf dem Weg nach oben muss man auch mal den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen, um damit bei den Chefs aufzufallen. Ich habe in jungen Jahren zum Beispiel einen Nivea-Bus mit integrierter Styling-Lounge auf Events geschickt, um die Marke in der jungen Zielgruppe zu etablieren. Das Projekt wurde zunächst mit Stirnrunzeln betrachtet, doch der Erfolg hat dann alle überzeugt.

Herausforderung Apotheke

Meine Trainee-Station in Thailand war mein erster Kontakt mit Asien, der mich nachhaltig beeindruckt und mich letztendlich für meine spätere Station in Indien motiviert hat. Der Umgang mit Kollegen aus einem anderen Kulturkreis war bisweilen eine Herausforderung, hat mir aber bewusst gemacht, dass sehr verschiedene Wege zum Erfolg führen können. Dass ein Lächeln leicht auf die Lippen kommen sollte und auch harte Verhandlungen vereinfachen kann, habe ich jedenfalls von meinen Thai-Kollegen gelernt und auch nicht mehr verlernt.

Auch meine Zeit im deutschen Apotheken-Außendienst möchte ich nicht missen. Diese Zeit hat mich nachhaltigen Respekt vor der täglichen Herausforderung unserer Vertriebskollegen gelehrt."

Die Schnellstarterin - "Ändern statt ärgern"

Birkholz: Ein kurzes Willkommensgespräch - und los

Birkholz: Ein kurzes Willkommensgespräch - und los

Tanja Birkholz, 38, machte eine Banklehre bei der BHF-Bank und studierte Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Im Alter von 25 Jahren fing sie als Trainee bei der Commerzbank im Programm International Banking an. Seit September 2011 leitet sie den Bereich Investor Relations.

"An meinen ersten Tag als Trainee kann ich mich noch gut erinnern. Meine erste Station war der Auslandszahlungsverkehr. Direkt nach einem kurzen Willkommensgespräch hieß es Loslegen. Die Systemumstellungen für den Jahrtausendwechsel mussten vorbereitet werden. Gleich am ersten Tag konnte ich mitarbeiten. Die Kollegen haben mich super aufgenommen, so dass die Angst vor dem kalten Wasser schnell verloren ging. Es hat von Anfang an einfach Spaß gemacht, Mitglied eines Teams zu sein.

Jetzt auch mit Buddys

Ich habe als Trainee eine Basisausbildung durchlaufen und mich danach spezialisiert. Ein Reiz des Programms besteht darin, dass man eine Vielzahl verschiedener Abteilungen kennenlernen kann. Man lernt, abteilungsübergreifend zu denken und baut sich ein bankweites Netzwerk auf. Das ist später von großem Vorteil.

Heute wird jeder Commerzbank-Trainee von einer erfahrenen Führungskraft der zweiten Ebene, einem Bereichsleiter also, begleitet. Zusätzlich zu diesem persönlichen Paten wird jedem ein sogenannter Buddy zur Seite gestellt, das ist ein erfahrener Trainee. Das finde ich klasse, da man sich so sicher schnell in der Bank zurechtfindet.

Um Karriere zu machen, ist Spaß an den Aufgaben das Wichtigste. Und man muss sich immer wieder etwas Neues zutrauen. Wer nur auf bekannten Pfaden wandeln möchte, wird es schwerer haben, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Über Spielregeln, die man nicht gut findet, sollte man sich nicht ärgern, sondern mit daran arbeiten, sie zu ändern. Wenn man weiterkommen möchte, sollte man sich einen Arbeitgeber suchen, der einem ermöglicht, sich immer wieder neuen Aufgaben zu stellen."

Der Überzeugte - "Es gehört eine Portion Glück dazu"

Fehrenbach: Eigentlich ein Kritiker großer Unternehmen

Fehrenbach: Eigentlich ein Kritiker großer Unternehmen

Foto: Deniz Saylan/ Bosch

Franz Fehrenbach, 62, studierte nach dem Abitur Wirtschaftsingenieurwesen und fing im Alter von 26 Jahren als Trainee bei der Robert Bosch GmbH an. Seit dem 1. Juli 2003 ist er Chef der Geschäftsführung.

"Als junger Mensch war ich Großunternehmen gegenüber äußerst kritisch eingestellt. Der Einstieg bei Bosch war eine Überraschung. Zwar habe ich mich bewusst für diesen Arbeitgeber entschieden, da mich schon damals die besondere Unternehmensverfassung ansprach. Es war für mich aber doch erstaunlich, wie sehr das, was außen draufstand, auch tatsächlich drin war. Mich überzeugte insbesondere, wie die Gewinne verwendet werden und welcher Wert auf die Zukunftssicherung gelegt wird.

Ich wollte vorankommen und zum Unternehmenserfolg beitragen. Personalfachleute würden das intrinsische Motivation nennen. Diese Überzeugung, dieses Brennen, das mich antreibt, möchte ich an die Mitarbeiter weitergeben - auch an unsere Trainees. Für mich hat Führung ganz stark damit zu tun, dass und wie ich Menschen überzeugen und begeistern kann.

Trainee-Ausbildung ist weiblicher geworden

Seit meiner Zeit als Trainee ist die Ausbildung zur Führungskraft bei Bosch weiblicher und internationaler geworden. Jedes Jahr treffen sich alle Bosch-Trainees aus 19 Ländern. Früher war dies noch nicht so der Fall. Besonders ist auch: Die Teilnehmer tragen von Anfang an ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Alle planen ihre Stationen an den rund 300 Bosch-Standorten weitgehend selbst und kalkulieren auch das Weiterbildungsbudget nach eigenem Ermessen. Das ist auch eines der Alleinstellungsmerkmale unseres Programms.

Fleiß, Eigeninitiative und der stete Blick über den Tellerrand hinaus sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufslaufbahn. Und natürlich gehört auch eine Portion Glück dazu.

Konkret empfehle ich, trotz aller Alltagshektik immer überlegt und rational zu handeln. Lieber keine Luftschlösser bauen oder Ziele formulieren, die unhaltbar sind. Wer eine vielversprechende Idee hat: Bitte nie den Mut verlieren, an sich selbst und die Idee zu glauben. Erfahrungen, positive und negative, aufnehmen, sich beraten lassen, Fehler eingestehen und dann korrigieren - damit kommt man schon weit."

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