Von Beruf Risolier Verbeugung vor dem Reiskorn

Stefan Fak mag Reis. Gern pur, es darf aber auch mit Schnaps oder Öl sein. Die Körner begeistern ihn so sehr, dass er daraus einen Beruf gemacht hat: Risolier - Experte für Reis. Davon gibt's auf der Welt keinen zweiten, denn diesen Job hat der Berliner Existenzgründer sich selbst ausgedacht.

Stefan Fak

Reisrollen, Reisschnaps, Reisöl - wer Stefan Fak in seiner Wohnung in Berlin-Mitte besucht, kommt um Reis nicht herum. Der gebürtige Österreicher hat die kleinen Körner zu seinem Beruf gemacht: Stefan Fak ist Risolier, der weltweit einzige. Er verkauft Reis im Internet.

Begonnen hat alles auf einer Radtour durch das Mekong-Delta in Vietnam. Fak hatte gerade seinen Job beim österreichischen Tourismusverband in Berlin gekündigt. Eine interessante, gut bezahlte Arbeit, aber "die Vision war weg". Fak reiste nach Asien, ohne Rückflugticket. Er spielte mit dem Gedanken, sich als Coach für soziale Projekte selbständig zu machen. Und dann kam der Reis.

Eine junge Frau aus Hanoi zeigte ihm die Körnerwelt. "Sie hat mir während dieser Fahrt alles Mögliche über Reis erzählt", sagt Fak. "Ich fand unglaublich, was die Menschen daraus herstellen. Das reicht von Schuhen aus Reis über Reispapier bis hin zu T-Shirts."

Gemeinsames Kochen mit chinesischen Reisverkäufern

Fortan hat Fak eine Mission: Er will Menschen für dieses Lebensmittel begeistern. "Reis ist ein wertvolles Gut. Dass er nur als plumper Kochbeutelreis sein Dasein fristet, wird ihm nicht gerecht."

Zurück in Berlin beginnt er mit dem Aufbau von Lotao, auf Deutsch "Gold der Völker". Ein Online-Geschäft für Reis. "Die Gründung war eine Verbeugung vor dem Lebensmittel", sagt Fak. "Ich war so überzeugt von der Idee, dass ich keinerlei Zweifel hatte. Wie manisch habe ich begonnen, das Projekt vorzubereiten."

Aus aller Welt lässt er sich Reis schicken, testet und verwirft Hunderte Sorten. Chinesische Reisverkäufer kommen nach Berlin, sie kochen gemeinsam. Am Ende bleiben 15 Sorten übrig, fair gehandelt und ökologisch verträglich angebaut. Fak gibt ihnen exotische Namen: Spirit of Bamboo Green, Oriental Sensation Smoked, Sparkling Volcano Terra.

Zusammen mit Berliner Mediendesign-Studenten entwirft Existenzgründer Fak die Verpackungen, eine Spandauer Behindertenwerkstatt übernimmt die Herstellung. Geliefert wird der Reis in schicken, schwarzen Kartonagen mit Schleife.

Die Firma macht ihn nicht reich, aber zufrieden

Nur wenige Monate nach seiner Rückkehr aus Asien fährt Fak nach München, zu "Feinkost Käfer". Wenn er dort begeistern kann, so der Gedanke, steht dem Erfolg von Lotao nicht mehr viel im Weg. Und seine Idee kommt an. Käfer nimmt Faks Reis in das Sortiment auf. Andere Feinkostläden folgen. Und in Faks Online-Shop laufen Bestellungen aus den USA, Saudi-Arabien, Italien, Frankreich und Schweden ein.

400 Gramm Reis kosten rund neun Euro. Kein Schnäppchenpreis, aber angemessen, findet Fak: "Die Leute fahren einen teuren Mercedes und essen gleichzeitig billigen Toast. Die Wertigkeit von Essen scheint nicht hoch zu sein, dabei geht es um die Gesundheit des eigenen Körpers."

Reich wird Stefan Fak mit seiner Geschäftsidee wohl nicht so schnell. Momentan finanziert er die Firma noch mit seinen Ersparnissen. Aber er ist glücklich, etwas tun zu können, hinter dem er voll und ganz steht. Dafür verzichtet er auch gern auf freie Tage: "Ein Sonntag ohne Arbeit ist schon Luxus."

Im Januar will er noch einmal nach Asien reisen. Seit der Gründung von Lotao hat er dafür keine Zeit gehabt. Eifrig arbeitet er an neuen Rezepten. Die probiert er in der heimischen Küche mit Freunden aus: "Hinter Lotao steckt kein Team von hundert Entwicklern. Aber meine Bekannten bringen sich ein. Sie sind mir eine große Hilfe."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Marie-Charlotte Maas (Jahrgang 1984) arbeitet als freie Journalistin in Köln.



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ulkra 23.11.2011
1. Der weltweit einzige Reisexperte??
Zitat von sysopStefan Fak mag Reis. Gern pur, es darf aber auch mit Schnaps oder Öl sein. Die Körner begeistern ihn so sehr, dass er daraus*einen Beruf gemacht hat: Risolier - Experte für Reis.*Davon gibt's auf der Welt keinen zweiten, denn diesen Job hat der Berliner Existenzgründer sich selbst ausgedacht. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,799322,00.html
Es gibt auf der Welt keinen zweiten Reisexperten?? Vielleicht es gibt keinen zweiten, der sich "Risolier" nennt, weil der selbsternannte deutsche Reisexperte sich dieses ausgedachte Etikett selbst aufgepappt hat. Ganz ehrlich: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in China, Japan etc. keine Reisexperten gibt. Die Dame in Hanoi hatte ja scheinbar schon im Gegensatz zu ihm erheblich mehr Ahnung. Dem neuen Reisbegeisterem trotzdem bonne chance mit seinem Geschäft.
fucus-wakame 24.11.2011
2. Danke für diesen guten Beitrag
Dieser Bericht hat meiner Gemahlin und mir die Sinne geöffnet. Ich werde meine Frau beauftragen, eine kleine Testbestellung einzuleiten. Wir sind auf das kulinarische Erlebnis gespannt.
sanne2201 25.11.2011
3. Verbeugung vor dem Reiskorn - Kleine Korrektur
Zitat: "Zusammen mit Berliner Mediendesign-Studenten entwirft Existenzgründer Fak die Verpackungen." Dies trifft nicht zu, die Verpackungen wurden in Zusammenarbeit mit der Grafikdesignerin Kersten von Sohlern http://www.kerstensohlern.com/wordpress/ entwickelt und umgesetzt. Liebe Frau Maas, bitte bessere Recherche, danke! Ansonsten schöner Artikel, auch dafür danke.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.