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Guter Klang für die Karriere Schweizer erfindet Baby-Namen für 28.000 Franken

Hollywood-Promis nennen ihre Kinder Nahla, Sparrow oder Zuma. Hauptsache, sie sind die ersten, die so heißen. Der Schweizer Marc Hauser hat daraus ein Geschäft gemacht.
Jedes Baby ist einzigartig - aber viele heißen Sophie

Jedes Baby ist einzigartig - aber viele heißen Sophie

Foto: imago/Westend61
Zur Person
Foto: erfolgswelle

Marc Hauser (Jahrgang 1971) kommt aus Bern und hat Sprache und Kommunikation auf Diplom studiert. Mit seiner Kreativagentur Erfolgswelle denkt er sich Namen aus, für Apotheken ("Amavita"), Hunde-Leckerli ("Actiflex+") oder Konferenzen ("Shift") - und seit Januar 2015 auch für Babys. Wie viele Eltern bei ihm schon einen Kindernamen bestellt haben und wie die Kinder heißen, will er nicht verraten: Geheimhaltungsklauseln machten dies unmöglich, sagt er.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hauser, Sie bieten an, für 28.000 Franken den perfekten Kindernamen zu finden. Warum sollte jemand dafür so viel Geld ausgeben?

Hauser: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass sich der Name auf die Karriere auswirkt. Wenn ein Lehrer drei Mal Ärger mit Schülern hatte, die Kevin heißen, wird er dem vierten Kevin nicht mehr unvoreingenommen begegnen. Wir übertragen ständig unbewusst Bilder auf Personen, die wir noch gar nicht kennen. Deshalb ist es von Vorteil, einen Namen zu haben, der einmalig ist und nicht negativ besetzt sein kann.

SPIEGEL ONLINE: Sie erfinden also für das Kind ein ganz neues Wort?

Hauser: Ja, so wie wir das für Firmen seit mehr als zehn Jahren machen. So ist auch die Idee entstanden: Ein Kunde, für den wir ein Produkt benennen sollten, hatte sich mit seiner Frau über den Namen für ihr Baby gestritten und meinte dann im Scherz: Könnt ihr das nicht übernehmen?

SPIEGEL ONLINE: Und das haben Sie dann getan?

Hauser: Nein, dafür war die Zeit bis zur Geburt zu knapp. Wir brauchen mindestens sechs bis acht Wochen für einen neuen Namen. Mit einem wilden Scrabble-Spiel hat das nichts zu tun. An der Namensfindung sind bis zu 20 freie Mitarbeiter beteiligt. Wir arbeiten eng mit den Eltern zusammen und besuchen Sie auch zu Hause. Manche möchten zum Beispiel, dass der Name Bezug auf die Wurzeln der Familie nimmt, andere wollen das auf keinen Fall. Der Kulturkreis und die Werte der Eltern sind wichtig, genauso wie Phonetik, Rhythmus und Takt.

Zugelassene Vornamen

SPIEGEL ONLINE: Ich stelle es mir ziemlich anstrengend vor, ständig seinen Namen erklären zu müssen.

Hauser: Unsere Kreationen sind intuitiv verständlich. Aber kein Name funktioniert überall auf der Welt. Wenn Sie mit jemandem aus Finnland zusammenarbeiten, müssen Sie sich auch buchstabieren lassen, wie er heißt. Und nicht jeder muss einen Namen bei uns bestellen. Den meisten Menschen reicht es, einmal im Lexikon nachzuschlagen. Meine Töchter haben auch herkömmliche Namen, sie heißen Noëlle und Simone. Aber für unsere Kunden hat dieser klassische Findungsprozess nicht funktioniert, deshalb kommen sie zu uns.

SPIEGEL ONLINE: Was sind denn das für Menschen?

Hauser: Sagen wir mal so: Es sind Leute, die genug Aufmerksamkeit bekommen und die keine weitere Prominenz wünschen. Und die einen gewissen Druck empfinden, einen Namen für ihr Kind zu wählen, für den sie nicht ausgelacht werden, so wie einige Hollywoodpaare, die deshalb zu Lachnummern wurden.

SPIEGEL ONLINE: Suri, Nahla Ariela und Zuma Nesta Rock sind älter als Ihr Namensservice. Kreieren Sie überhaupt englische Namen?

Hauser: Ja, die meisten Anfragen kommen aus Nordamerika und Asien. Viele haben einen multikulturellen Hintergrund und zum Beispiel Vorfahren aus Großbritannien, Venezuela und Mexiko. Das spielt alles bei der Namensfindung eine Rolle und macht die Arbeit so spannend. Und wir überprüfen in den zwölf weltweit am häufigsten gesprochenen Sprachen, dass unsere Namen keine negativen Konnotationen haben.

Abgelehnte Vornamen

SPIEGEL ONLINE: Garantieren Sie auch, dass die zuständigen Behörden die Namen akzeptieren?

Hauser: Nein, das können wir nicht, weil die juristische Lage sehr unterschiedlich ist. In liberalen Ländern wie den USA geht eigentlich alles durch, in der Schweiz und in Deutschland kommt es auf den Einzelfall an. Und in Österreich sind die Regeln besonders streng, deshalb ist das für uns gar kein Markt.

SPIEGEL ONLINE: Ob die Namen auch den Kindern gefallen, werden Sie erst in zehn Jahren erfahren. Haben Sie Angst vor den ersten Rückmeldungen?

Hauser: Die meisten unserer Kunden werden ihren Kindern wohl gar nicht offenlegen, wie der Name entstanden ist. Einen Namen für ein Kind auszusuchen, ist etwas sehr intimes, das merke ich auch immer wieder an den emotionalen Reaktionen auf unser Angebot: Wer keinen Namen aussuchen kann, sollte gar keine Kinder haben, meinen einige. Wenn die Kunden das wünschen, liefern wir deshalb auch eine Mythologie zum Namen.

SPIEGEL ONLINE: Sie erfinden passende Heldensagen?

Hauser: Wir erfinden kein Märchen im Stil der Gebrüder Grimm, aber wir denken uns eine mögliche Entstehungsgeschichte aus. Jeder Name ist irgendwann mal erfunden worden oder hat sich über die Zeit etabliert. Wie und wann, ist gar nicht so wichtig. Im Grunde geht es nur darum, zu wissen, wie es gewesen sein könnte.