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Karriere Soll ich mich weiter ins Büro schleppen - oder endlich kündigen?

Der richtige Zeitpunkt für den Absprung ist oft schwer zu finden. Eine Expertin erklärt, wie man ihn ausmacht - und wann man doch besser bleibt.

Stress mit der Chefin, Hänseleien im Team, das anstehende Gehaltsgespräch: In jedem Arbeitsleben gibt es Situationen, die für schlaflose Nächte sorgen können. In der Serie "Sollte ich...?" erklären Experten, wie sich mit konkreten Konflikten im Beruf umgehen lässt. Die Fälle sind konstruiert; sie stehen symbolisch für Schwierigkeiten, die am Arbeitsplatz auftauchen können.

Der Fall:

Ich bin schon lange unzufrieden mit meinem Job. Ich habe das Gefühl, mich im Kreis zu drehen, nicht voranzukommen. Am schlimmsten ist es mit meinem Chef. Eigentlich hätte ich längst kündigen sollen, aber ich finde einfach nicht den richtigen Punkt.

Es antwortet Anne Schabel, Arbeitspsychologin:

Zur Person
Foto: Privat

Anne Schabel, 34, ist systemische Beraterin und betreut als Human Resource Business Partner Führungskräfte und Mitarbeitende eines Münchner Unternehmens. Zuvor studierte Schabel Psychologie mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie.

Jeder hat mal einen schlechten Tag, das ist ganz normal. Wer aber über einen langen Zeitraum keine Lust auf seinen Job hat, sollte dringend etwas ändern. Ein deutliches Anzeichen ist, wenn Sie eine klare Veränderung benennen können, zum Beispiel: "Ich habe keine Motivation mehr, mich auf der Arbeit zu engagieren - und das war früher anders."

Ein Alarmzeichen ist, wenn die Arbeit krank macht - wenn Sie also körperliche oder psychische Beschwerden entwickeln. Spätestens dann sollten Sie die Reißleine ziehen.

Ich empfehle, in diesem Fall bei sich selbst zu beginnen. Wer klar sagen kann, was ihn an seiner Arbeit stört, kann auch etwas daran ändern. In vielen Fällen ist das grundlegende Problem, dass der Mitarbeiter nicht genug Wertschätzung erfährt. Es fehlt das Feedback vom Chef oder das Verhältnis zu den Kollegen stimmt nicht.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Gab es ein konkretes Erlebnis, seitdem mein Job keinen Spaß mehr macht?
  • In welchen Situationen fühle ich mich auf der Arbeit unwohl?
  • Fühle ich mich von meinen Aufgaben überfordert oder unterfordert?
  • Welche Aufgaben machen mir Spaß und motivieren mich?

Nach dieser Analyse folgt Schritt zwei: das Gespräch mit dem Chef oder der Chefin. Das fällt den meisten sehr schwer, und klar - es ist eine unangenehme Situation. Doch es ist die einzige Möglichkeit, etwas zu verändern. Ist die Beziehung zum Chef selbst schwierig, rate ich, einen Kollegen aus der Personalabteilung zum Gespräch dazu zu bitten.

Überlegen Sie vorab gut: Was möchte ich meinem Chef mitteilen? Formulieren Sie Ihre Botschaften möglichst neutral und achten Sie darauf, nicht von vornherein Vorwürfe zu machen - auch nicht implizit. Das gelingt, indem Sie beschreiben, in welchen konkreten Situationen Sie sich unwohl gefühlt haben und warum. Wenn Sie dabei bei sich bleiben, fühlt sich Ihr Gegenüber nicht in die Ecke gedrängt.

Im besten Fall reagiert die Führungskraft mit Verständnis und Sie überlegen gemeinsam, wie Sie die Probleme lösen können. Ein Ansatz kann etwa ein Coaching sein, das man entweder allein oder gemeinsam mit Kollegen und dem Chef macht. Die meisten Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter in solchen Fällen gern. Es ist ja auch im Interesse ihres Chefs, dass Sie motiviert zur Arbeit kommen.

Sollte der Chef Ihren Vorstoß einfach abtun oder gar wütend werden, könnte es tatsächlich Zeit sein, das Unternehmen zu verlassen. Nehmen Sie sich für diese Entscheidung ausreichend Zeit und treffen Sie sie in keinem Fall spontan.

Ganz wichtig: Reden Sie vorab mit den Menschen darüber, die Ihnen nahestehen. Denn im Zweifel treffen Sie die Entscheidung nicht nur für sich selbst, sondern auch für Ihre Familie. Freunde und Partner können die individuellen Faktoren gut einschätzen, die bei Ihnen eine Rolle spielen. Trotzdem gilt: Am Ende kann ihnen leider niemand die Entscheidung abnehmen - Ihre Kündigung müssen Sie selbst unterschreiben.

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