Alltag eines Security-Mitarbeiters "Die Menschen beäugen mich kritisch"

Gemeinsam mit Kollegen hat er gestreikt und um ein besseres Gehalt gekämpft. Im Protokoll erzählt ein Mitarbeiter der Flughafen-Sicherheitskontrolle von Druck, nervigen Fluggästen - und warum er seinen Job mag.

Sicherheitscheck am Flughafen (Symbolbild)
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Sicherheitscheck am Flughafen (Symbolbild)

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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

Ich streike dieser Tage mit, wie viele meiner Kollegen. Mit Warnwesten und Trillerpfeifen demonstrieren wir für bessere Arbeitsbedingungen. Eines ist mir besonders wichtig: Mit dem Streik wollen wir die Passagiere nicht ärgern. Wir haben großen Druck und ständig Angst, unseren Job zu verlieren.

Auch die Bezahlung ist nicht in jedem Bundesland gleich. Im Osten verdienen die Sicherheitsmitarbeiter immer noch 2,30 Euro pro Stunde weniger als im Westen. Zudem haben wir keine eigenen Toiletten. Obwohl wir mit 800 Mitarbeitern eine große Firma sind, müssen wir die Örtlichkeiten der Reisenden mitbenutzen.

Das alles muss sich dringend ändern, damit auch alle Passagiere entspannt und sicher reisen können. Und das geht eben nur, wenn wir unsere Arbeit niederlegen. Sonst wird niemand auf unsere Probleme aufmerksam.

Ich habe im Jahr 2000 angefangen, bei einer Sicherheitsfirma in einer deutschen Großstadt zu arbeiten, die im Auftrag der Bundespolizei für die Flughafensicherheit zuständig ist. In meinem Bundesland sind die Luftsicherheitsassistenten, so meine eigentliche Berufsbezeichnung, nämlich bei einer externen Firma angestellt und nicht direkt beim Flughafen. Ich verdiene 17 Euro pro Stunde und habe einen Vollzeitvertrag, das sind 160 Stunden im Monat.

"Enormer Druck"

Viele meiner Kollegen dürfen nur 120 Stunden im Monat arbeiten und verdienen dementsprechend weniger. Wir arbeiten im Schichtdienst, zwischen 3.45 Uhr und Mitternacht, natürlich auch am Wochenende und an Feiertagen. Der Schichtwechsel ist meist in der Mittagszeit. Täglich sind pro Schicht etwa 150 Kollegen im Einsatz.

Das Sicherheitspersonal am Flughafen steht ständig unter Beobachtung. Jeden Tag muss ich selbst eine strenge Sicherheitskontrolle durchlaufen, bevor ich mit der Arbeit beginnen kann. Ich werde, wie später die Passagiere, durch einen Torbogen, also durch einen Körperscanner, geschickt. Auch die Menschen, die ich kontrolliere, beäugen mich kritisch. Das erzeugt einen enormen Druck.

Außerdem müssen wir seit 2012 alle drei Jahre eine Prüfung ablegen, in der wir zeigen müssen, dass wir die Luftsicherheitsgesetze beherrschen und auch kleinste metallische Gegenstände am Körper der Reisenden erkennen können. Diese Prüfung ist sehr hart.

"Jobverlust wäre schrecklich"

Das macht mir große Angst. Ich bin jetzt seit fast zwanzig Jahren bei der Sicherheitsfirma angestellt, aber ich befürchte, dass ich die Prüfung nicht bestehe und dann arbeitslos werde. Ich habe eine Familie und auch Enkelkinder. Der Jobverlust wäre für uns alle schrecklich. Und, wer die Prüfung beim dritten Mal nicht besteht, fliegt raus. Egal, wie lange er schon Mitarbeiter der Firma ist.

Meine Arbeit mag ich eigentlich sehr. In einer Stunde kontrolliere ich etwa 200 Passagiere. Als Mann taste ich nur andere Männer ab, für die Frauen sind meine Kolleginnen zuständig. Dann ist noch ein weiterer Kollege da, der das Handgepäck scannt und auf Flüssigkeiten und unerlaubte Gegenstände untersucht. Hier wechseln wir uns ab. Die Handgepäck-Kontrolle mag ich auch. Ich kann mittlerweile an der Form der Geräte im Röntgenbild erkennen, welche Marke Handys und Laptops haben, die die Reisenden in ihren Koffern transportieren.

"Jeder muss durch die Kontrolle"

Ich bin ein einfühlsamer Mensch und kann gut auf die Passagiere eingehen. Gerade bei kleinen Kinder versuche ich, besondere Rücksicht zu nehmen. Sie können die Situation nicht einschätzen und bekommen Angst. Auch für die Eltern ist es eine belastende Situation.

Gern kontrolliere ich Geschäftsreisende. Die fliegen so oft, dass sie ganz genau wissen, was sie ins Handgepäck mitnehmen dürfen und sind deshalb besonders unkompliziert. Nervig finde ich hingegen die hochnäsige First-Class-Reisende, die bei der Kontrolle meckern: "Wieso eigentlich immer ich?", wenn ich sie auffordere, Goldkettchen und Armbänder abzulegen. Aber da stehe ich mittlerweile drüber. Durch die Sicherheitskontrolle muss schließlich jeder durch, unabhängig vom Geldbeutel.

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Das anonyme Job-Protokoll: So sieht der Alltag wirklich aus

Nicht so einfach ist es, wenn Fluggäste kein Englisch sprechen. Glücklicherweise sind wir sehr multikulturell besetzt. Neulich kontrollierte ich einen Mann, der nur arabisch sprach. Als ich das feststellte, holte ich meinen Kollegen, der übersetzen konnte. Wir haben einen guten Zusammenhalt im Team und helfen uns gegenseitig.

Stichprobenartig machen wir auch Sprengstoffkontrollen bei den Passagieren. Dabei wird ein Abstrich aus dem Koffer oder von der Kleidung genommen. Bisher habe ich zum Glück noch nicht erlebt, dass jemand absichtlich Sprengstoff mit in den Flieger nehmen wollte. Fehlalarme gibt es jedoch häufig. Neulich hatten wir einen Ingenieur, der durch seine Arbeit mit Stoffen in Berührung kam, auf die unser Sensor reagierte. Auch so manches Damenparfüm oder Computerreiniger lassen den Sprengstofftest anschlagen.

Ich mache meinen Beruf gern und habe, von vielen unbemerkt, eine große Verantwortung für die Sicherheit aller Fluggäste. Ich wünsche mir, dass das mehr anerkannt wird. Aber ich bin kämpferisch. Wenn es sein muss, streike ich auch die nächsten zwei Wochen, wenn dadurch unsere Not gehört wird.

insgesamt 78 Beiträge
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Hightower. 16.01.2019
1. Verhältnismäßigkeit
Grundsätzlich stehe ich immer auf Seite der Arbeitnehmer und bin für eine angemessene Bezahlung, von der man (auch in Großstädten) leben kann. Allerdings sehe ich hier das Verhältnis zwischen geforderter Entlohnung (20€/h) und den Anforderungen an diese angelernte Tätigkeit nicht gegeben. Luftsicherheitsassistenten erhalten beispielhaft folgende Bezhalung: Stundenlohn 16,00 / 17,13 € in Frankfurt bzw. 17,00 € in Hamburg - Tarifliche Sonderzahlungen - Steuerfreie Zulagen: Nacht 15% / Sonntag 40% / Feiertag 100 % - 2,20€ pro Tag Anwesenheitsprämie (44,00€ netto im Monat) (Quelle: i-Sec). 17€ * 160/h = 2720€ (OHNE Zuschläge) > 32.640€ Bruttogehalt im Jahr (OHNE Zuschläge) für einen Anlernberuf. Davon können manche Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung träumen. Der Autorschreibt, er sei Beschäftiger eines personellen Sicherheitsdienstleister (bspw. Securitas, Kötter, iSec o.ä.). Innerhalb dieser Unternehmen gibt es zahlreiche andere Verwendungsmöglichkeiten. Generell (!) ist die Sicherheitsbranche in Deutschland leider völlig unterbezahlt. Dass die Branche auch ein Imageproblem (im Sinne der Mitarbeiter) hat, ist mir bewusst, ich selbst arbeite in dieser Branche. Tatsächlich würde sich beispielsweise jeder Mitarbeiter in Fußballstadien über einen Stundenlohne von Ansatzwesie 17€ freuen, die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Auch gibt es (wie überall) Mitarbeiter, die ihren Job ernst nehmen, andere hingegen weniger.
neo99999 16.01.2019
2. Sorry, aber
1. Dass die Gehaelter sich in verschiedenen Staedten, Bundeslaendern unterscheiden, ist ueblich und haengt auch damit zusammen, dass die Lebenskosten in diesen Staedten unterschiedlich sind. 2. JEDER Mitarbeiter am Flughafen (Passage, Info, Geschaefte, Reisebueros, etc.) nutzt die gleichen Toiletten, wie dieser Mitarbeiter und eben auch die Passagiere. Am Frankfurter Flughafen werden die Toiletten regelmaessig gereinigt und man kennt die, welche man lieber vermeidet. Zudem es durchaus im Buerobereich in den Terminals Toiletten gibt, die ausschliesslich von Mitarbeitern benutzt werden und auch diesem Kollegen zur Verfuegung stehen. 2. JEDER Mitarbeiter, der in den Transit/Sicherheitsbereich muss, durchlaeuft die gleiche Sicherheitskontrolle wie dieser Mitarbeiter - was daran so schlimm sein soll entzieht sich meinem Verstaendnis. 3. "Außerdem müssen wir seit 2012 alle drei Jahre eine Prüfung ablegen, in der wir zeigen müssen, dass wir die Luftsicherheitsgesetze beherrschen und auch kleinste metallische Gegenstände am Körper der Reisenden erkennen können. Diese Prüfung ist sehr hart." - oehm, Entschudligung, aber ist das nicht der Job????? Und was ist denn die Konsequenz, wenn man "durchfaellt"? Mit Sicherheit keine Entlassung, sondern Nachschulung. Das ist reine Qualitaetssicherung fuer die Sicherheit aller Fluggaeste und auch Mitarbeiter am Flughafen und wichtig. 4. Ja, der Job ist koerperlich anstrengend, man steht viel, muss sich oft buecken, etc., aber das wird hie ja noch nicht mal bemaengelt. Sorry, aber mit diesem Text als Begruendung fuer die Lohnforderungen hat man sich keinen Gefallen getan .
_oliver_ 16.01.2019
3. Hoheitliche Aufgaben zum Ramschtarif
Man sollte mMn mal grundsätzlich darüber diskutieren,weshalb die hoheitliche Aufgabe Fluggast-Sicherheit hier vergeben wird, finde ich. Wie der Artikel hier belegt, es wird offensichtlich nicht gut bezahlt. Da braucht jetzt ja nur ein geschickter Terrorist wen bestechen, um seine tödliche Fracht durchzuschleusen. Der Druck ist hoch und verdient wird nicht soo gut, da ist der Anreiz zuzugreifen gleich höher. Man ist international besetzt wie es hier heißt, finde ich eher einen noch beunruhigenderen Umstand. Dann vergibt man also diese sicherheitsrelevante Aufgabe an Firmen, die schlecht bezahlen, aber als Zoll macht man die Aufgabe noch selbst, wenn es z. B. um gefälschte Sonnenbrillen oder Bußgelder für Laptops aus den USA geht. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.
WolfThieme 16.01.2019
4. Am Arm vorbei
Drei Beiträge ! Das zeigt, wie das Thema den Leuten am Arm vorbei geht. Dabei sorgt dieses schlecht bezahlte Personal für unsere Sicherheit beim Fliegen. Wäre schön, wenn man am Band wenigstens "Guten Tag!" wünschen würde (altmodische Grußformel aus dem 20. Jahrhundert), ihr Stoffel. Stände hier was über die SPD, wäre es 300 statt drei Beiträgen.
Harry1 16.01.2019
5. Der Mann hat es verdient, er trägt auch Verantwortung
In einer deutschen Großstadt kostet eine kleine Wohnung 800 €. Zum Leben braucht man weitere 800 € 1.600 Netto notwendig für ein bescheidenes Dasein! Altersvorsorge noch aussen vor! Mit Alterversorgung sind wir bei 3.000 Brutto und da kommen wir halt mit dem Hunger-Mindestlohn nicht hin. Arbeit muss sich (wieder) lohnen!
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