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MBA-Weltreisende Wieso ausgerechnet Deutschland?

Internationale Top-Schulen dominieren den MBA-Markt. Viele deutsche Hochschulen haben trotzdem ihren Reiz. Ein Inder, ein Mexikaner und ein US-Amerikaner erzählen, warum sie sich für ein Managerstudium in Deutschland entschieden haben.
Von Bärbel Schwertfeger
Mannheim Business School: Auch in Deutschland gibt es gute MBA-Adressen

Mannheim Business School: Auch in Deutschland gibt es gute MBA-Adressen

Foto: Mannheim Business School

Zielstrebig sind sie, leistungsbereit und belastbar. Sie haben ihr Erststudium oftmals mit Bravour abgeschlossen, einige Jahre Berufserfahrung gesammelt und sprechen meist mehrere Sprachen. Und sie wollen zum MBA-Studium nach Deutschland. Und das, obwohl Deutschland auf dem weltweiten MBA-Markt bisher kaum eine Rolle spielt.

Junge Ausländer aus aller Welt bewundern die deutsche Wirtschaft und wollen für deutsche Unternehmen arbeiten, vielleicht später sogar in ihrem Heimatland. Dafür investieren sie viel Geld in ihre Weiterbildung, büffeln sogar Deutsch. Eigentlich macht sie das zu Idealkandidaten für deutsche Unternehmen im Wettbewerb um die besten Talente. Doch die fremdeln häufig noch immer mit dem internationalen Managementstudium und klagen weiter über Nachwuchsmangel.

Warum Deutschland? Drei junge Studenten berichten über die Gründe für ihre Entscheidung pro deutsche MBA-Ausbildung.

Kyle Wilson, Amerikaner - "Ein Risiko ist es schon"

Einen Studienplatz an einer amerikanischen Top-Schule hätte er wohl bekommen. Dafür spricht zumindest sein herausragender Wert im Zulassungstest GMAT, stolze 710 Punkte. Doch Kyle Wilson wollte nach Deutschland und macht nun seinen MBA-Abschluss an der Handelshochschule Leipzig (HHL).

Die deutsche Sprache hat den Amerikaner, 25, schon seit der Highschool verfolgt. Alle lernten Spanisch, er entschied sich für Deutsch. Während seines Maschinenbau-Studiums an der Purdue University konnte er vier Monate an der TU Darmstadt als Forschungsassistent arbeiten und seine Deutschkenntnisse verbessern. Nach dem Bachelor-Abschluss arbeitete Wilson knapp drei Jahre als Berater für die Atomindustrie. "Ich hatte zwar einen gut bezahlten Job, aber ich merkte, dass ich nicht weiter in der Branche arbeiten will", erzählt er. "Was mich viel mehr interessiert, ist der Bereich erneuerbare Energien."

Das traf sich gut mit seinem Wunsch, nach Deutschland zu gehen. Wilson suchte nach den besten deutschen MBA-Programmen, schließlich sagte ihm das Angebot der HHL am meisten zu. Was ihm gefiel: die Vielfalt der Studenten, die Möglichkeit der Auslandsaufenthalte, die Stadt Leipzig. Und im Vergleich zu den USA sei das Studium in Deutschland viel internationaler: "In den USA hat man zwar auch internationale Studenten um sich, aber man ist doch im vertrauten Umfeld."

Ich wär so gerne MBA...
Foto: Corbis

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Natürlich sei ein MBA-Abschluss aus Deutschland für einen Amerikaner riskant. Denn dort zähle weniger der Titel als das Renommee der Schule. "Das ist schon ein ziemliches Vabanquespiel", so Wilson. "Wenn ich mit meinem MBA in die USA zurückgehe, haben die meisten US-Firmen vermutlich noch nie was von der HHL gehört."

Doch er hofft, nach dem MBA-Studium so gut Deutsch zu können, dass er einen Job in Deutschland bekommt und hier bleiben kann. Wenn er später dann doch einmal zurück in die USA gehen sollte, helfe ihm seine Berufserfahrung in Deutschland, glaubt Wilson. Das Geld für das MBA-Studium hat er während seines letzten Jobs gespart. Natürlich sei es ein Risiko gewesen, gerade in Krisenzeiten seine Arbeit in den USA aufzugeben. Aber er sei jung und flexibel, und auf Dauer sei es sicher das richtige Investment. Wilson: "Wer in seine Bildung investiert, kann überhaupt nicht falsch liegen."

Digvijay Pande, Inder - "Lieber Deutschland als Großbritannien oder USA"

Fünf Jahre lang hat Digvijay Pande Berufserfahrung im Forschung- und Entwicklungsbereich eines großen amerikanischen IT-Dienstleisters in Indien gesammelt. Nun will er sich stärker in Richtung Technologiemanagement entwickeln. "Mein Ziel ist ein Managementjob im Bereich Produktinnovation und Design", erzählt der Inder, der seinen Bachelor in Computerwissenschaften an der Pune University mit Bestnoten abschloss. Doch dazu brauche er mehr Managementwissen, und das bekomme er am besten in einem guten MBA-Programm.

Dafür möchte Pande, 25, nach Deutschland. Schließlich sei das Land führend bei Produktinnovation und Design, zudem vom Umsatz her Europas größter Markt für Informations- und Kommunikationstechnologie. Es gebe viele kleine und mittelständische Firmen und einen Mangel an Fachkräften im Technologiebereich. "Für mich passt ein Studium in Deutschland daher besser als ein MBA-Programm in Großbritannien oder in den USA", sagt Digvijay Pande.

Anschließend würde er gern in Deutschland bleiben und noch tiefer in die Kultur eintauchen. Langfristig möchte Pande vielleicht als Innovationsberater für mittelständische Unternehmen in Deutschland oder Indien arbeiten. Auch wenn der MBA in Deutschland noch nicht so verbreitet ist, seien deutsche Universitäten für die hohe Qualität in der Bildung bekannt, so sieht er's.

Auf der Suche nach der richtigen Hochschule analysierte Digvijay Pande, der bereits Deutsch spricht, zunächst die einschlägigen MBA-Rankings, durchforstete deutsche Medien und besuchte Online-Foren. Verwirrend war für ihn vor allem die Unterscheidung zwischen Fachhochschulen und Universitäten; vermisst hat er detaillierte Angaben zu den Jobs der Absolventen.

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Foto: David Payr

"In Indien wird eine Schule auch danach bewertet, wie gut sie ihren Absolventen zu einem attraktiven Job verhilft", so Pande. Eine internationale Akkreditierung der MBA-Schule war für ihn ebenfalls ein wichtiges Kriterium: "Ich möchte einen Abschluss, der auch von einer internationalen Organisation außerhalb Deutschlands anerkannt ist." Das schränkte die Auswahl weiter ein.

Schließlich bewarb er sich an einigen seiner favorisierten Schulen. Dabei hofft er - nicht zuletzt aufgrund seines sehr guten Wertes im GMAT-Zulassungstest - zumindest auf ein Teil-Stipendium. Den Rest will er über einen Bankkredit finanzieren.

Javier L'Eglise, Mexikaner - "Eine ganz schön schwere Sprache"

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Als sich Javier L'Eglise auf die Suche nach einem geeigneten MBA-Programm machte, war der Mexikaner schnell verloren in der Fülle von Angeboten. Er wusste nicht, in welchem Land er studieren sollte und an welcher Business School. Der Ingenieur, der fünf Jahre im Logistikbereich bei Procter & Gamble in Mexiko-Stadt gearbeitet hatte, ging das Ganze daher systematisch an und stellte sich drei Fragen:

Wie sind die beruflichen Möglichkeiten in einem Land, passen sie zu meinen mittel- und langfristigen Plänen? Was sind meine persönlichen Interessen, wie passen sie zum Land, in dem ich studieren möchte? Was ist das Besondere an der Business School und dem MBA-Programm, wie passt es zu meiner derzeitigen Situation und meinen Zukunftsplänen?

Schließlich sprach alles für Deutschland und die Mannheim Business School. Deutschland sei nun mal das wirtschaftliche Powerhouse in Europa, trotz Euro-Krise, sagt L'Eglise, 27. Und eine Exportnation brauche auch Mitarbeiter mit internationalem Hintergrund und Kenntnissen über Schwellenländer wie Mexiko.

Hinzu kamen seine persönlichen Interessen. "Als Pianist und Liebhaber klassischer Literatur hat mich die deutsche Kultur mit ihren berühmten Musikern, Philosophen, Schriftstellern schon immer fasziniert", sagt Javier L'Eglise. Pluspunkte waren für ihn auch der gänzlich andere Lebensstil im Vergleich zu Mexiko sowie die Möglichkeit, eine neue Sprache zu lernen.

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Foto: Dirk Brzoska/ HHL

Gegen die USA sprachen vor allem die längere Studiendauer und die hohen Studiengebühren. "Hohe Schulden sind ein großes Risiko und beschränken meine Möglichkeiten", sagt der MBA-Student, der sein Studium mit Krediten, seinen Ersparnissen und einem Stipendium der mexikanischen Regierung finanziert. "Ich will nicht gezwungen sein, zu einer Investmentbank in New York gehen zu müssen, nur um meine Schulden abbezahlen zu können." Auch wenn die deutschen MBA-Schulen international noch nicht so bekannt seien, so stehe Deutschland für einen hohen Qualitätsstandard. Zudem bekomme er durch das Studium gute Kontakte zu deutschen Firmen.

Sein Ziel ist es, nach dem Studium zwei bis drei Jahre in Deutschland zu arbeiten und dann wieder nach Mexiko zurückzugehen, vielleicht sogar für ein deutsches Unternehmen mit Präsenz in Mexiko. Doch zunächst einmal muss Javier L'Eglise außer dem enorm zeitaufwendigen MBA-Studium noch Deutsch lernen - "und das ist eine ganz schön schwere Sprache".

Foto: Helga Kaindl

KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA - auch in ihrem "MBA-Journal".