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Bibbern im Büro Warum Frauen bei der Arbeit schneller frieren

Die einen reißen alle Fenster auf, die anderen würden am liebsten die Heizung einschalten. Es im Büro allen recht zu machen, ist schwer. Aber Frauen werden bei der Raumtemperatur systematisch benachteiligt, meinen niederländische Forscher.
Nicht ohne mein Heißgetränk: Selbst im Sommer ist vielen Frauen im Büro kalt

Nicht ohne mein Heißgetränk: Selbst im Sommer ist vielen Frauen im Büro kalt

Foto: Corbis

Der Mann schwitzt, die Frau friert. Ein doofes Klischee? Zumindest eines, das sich schwer widerlegen lässt, wenn man schon mal mit Wolldecke im Büro neben einem Kollegen im T-Shirt gesessen hat. Zwei Wissenschaftler aus den Niederlanden befeuern nun die Debatte ums Raumklima: Ihrer Meinung nach wird der Stoffwechsel von Frauen beim Beheizen und Kühlen von Büros zu wenig berücksichtigt.

"In vielen Gebäuden richtet sich die Raumtemperatur nach der Körperwärme von Männern", sagte Boris Kingma, Biophysiker der Uni Maastricht, der "New York Times". Weltweit orientiere man sich noch immer an einem Modell aus den Sechzigerjahren - und dieses berücksichtige den Stoffwechsel eines 40 Jahre alten und 70 Kilogramm schweren Mannes.

Kingma und sein Kollege Wouter van Marken Lichtenbelt haben für eine Studie 16 Studentinnen Mitte 20 in einem speziellen Raum Büroarbeiten erledigen lassen. Gemessen wurden unter anderem Sauerstoff- und CO2-Gehalt im Raum, die Wärme der Haut der Studentinnen und ihre Körpertemperatur. Das Ergebnis: Die Stoffwechselrate der Frauen war 20 bis 32 Prozent niedriger als im Sechzigerjahre-Modell.

Nach der deutschen Arbeitsstätten-Regelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen, in denen Menschen vor allem im Sitzen arbeiten, grundsätzlich zwischen 20 und 26 Grad Celsius liegen.

Dass Frauen und Männer dieselben Temperaturen unterschiedlich empfinden, haben schon frühere Studien erwiesen. Im Schnitt fühlten sich Frauen bei 25 Grad Celsius am wohlsten, Männer bei 22 Grad Celsius, schreiben Kingma und sein Kollege.

"Viele Männer denken, Frauen würden sich nur anstellen, aber sie können nichts dafür", zitiert die "New York Times"  Joost van Hoof, einen niederländischen Bauphysiker, der nicht an der Studie beteiligt war.

Eine Rolle spiele selbstverständlich auch die Kleidung. Frauen tragen im Büro häufiger Röcke und Sandalen - und frieren auch deshalb leichter als Männer mit Anzug und Lederschuhen. "Frauen ziehen häufiger ausgeschnittene Oberteile an - und der Ausschnitt ist näher an der Körpermitte, also ist der Unterschied zwischen Raum- und Körpertemperatur höher, wenn es kalt wird", so van Hoof. Er wolle den Effekt des Ausschnitts nicht überschätzen, aber "er ist da".

Für Wissenschaftler Kingma ist das Fazit klar: Beim Heizen und Kühlen von Bürogebäuden müsse endlich berücksichtigt werden, wer dort eigentlich arbeite. "Wenn man die Bedürfnisse der Menschen in den Gebäuden besser kennt, kann man diese so designen, dass sie deutlich weniger Energie verbrauchen." Dadurch sinke auch der CO2-Ausstoß.

vet