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Rätsel der Woche Warum steht unser Spiegelbild nicht Kopf?

Wenn wir vorm Spiegel stehen, sehen wir rechts und links vertauscht. Oben und unten jedoch nicht. Warum ist das so?
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Michael Niestedt/ DER SPIEGEL

Wir schauen jeden Tag mehrfach in einen Spiegel. Und natürlich wissen wir, dass im Spiegelbild die rechte und die linke Hälfte unseres Gesichts vertauscht sind. Wenn wir einen Text vor einen Spiegel halten, dann sehen wir ihn spiegelverkehrt.

Warum aber vertauscht ein Spiegel rechts und links, nicht aber oben und unten?

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Michael Niestedt/ DER SPIEGEL

Lösung

Auch wenn es so zu sein scheint: Ein Spiegel vertauscht rechts und links nicht. Und auch nicht oben und unten, sondern nur vorn und hinten - dazu gleich mehr.

Was genau vorm Spiegel passiert, zeigt ein kleines Experiment mit einem Blatt Papier, auf dem das Wort TEXT steht. Die Buchstaben sind mit einem dicken Marker geschrieben, dessen Farbe das Papier gut durchfeuchtet hat. Dadurch kann man die Buchstaben von beiden Seiten des Papiers gut erkennen - auf der Rückseite natürlich spiegelverkehrt.

Wenn wir dieses Papier zwischen uns und einen Spiegel halten, ergibt sich ein interessanter Effekt: Das Aussehen des Textes im Spiegelbild ist identisch mit dem, was wir auf dem Papier von hinten sehen. Das Spiegelbild zeigt die eine Seite des Blattes - und beim direkten Blick auf das Papier vor uns schauen wir auf die andere Seite.

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Michael Niestedt/ DER SPIEGEL

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Michael Niestedt/ DER SPIEGEL

Was passiert hier? Wenn wir ein Blatt mit der bedruckten Seite uns zugewandt halten, können wir den Text darauf ganz normal lesen. Wollen wir den Text im Spiegelbild sehen, müssen wir das Blatt um 180 Grad um die vertikale Achse drehen. Dann ist die Schrift nicht unserem Gesicht, sondern dem Spiegel zugewandt. Bei dieser Drehung vertauschen wir links und und rechts - nicht der Spiegel. Oben und unten werden nicht vertauscht.

Was für das bedruckte Blatt Papier gilt, gilt auch für eine Person vorm Spiegel. Steht diese vor uns und blickt in einen Spiegel, der weiter hinten steht, sehen wir die Person von hinten, im Spiegelbild aber von vorn. Hier wird klar, dass der Spiegel sehr wohl etwas vertauscht - nämlich vorn und hinten.

Die Person, deren Rücken wir sehen, muss sich um 180 Grad drehen, damit sie uns zugewandt ist. Dabei werden rechts und links vertauscht. Die rechte Hälfte der Person - gemeint ist das was, die Person selbst als "rechts" bezeichnen würde - sehen wir dann auf der linken Seite von uns aus gesehen. Oben und unten werden bei dieser Drehung nicht vertauscht.

Natürlich könnte sich die Person uns auch zuwenden, indem sie einen Kopfstand macht. Dann würde sie - aus unserer Sicht oben und unten vertauschen, jedoch nicht rechts und links. Eine solche Drehung um die Horizontale statt um die Vertikale ist unter uns Menschen allerdings eher unüblich.

Es gibt noch eine etwas andere anschauliche Erklärung. Wieder steht eine Person mit dem Gesicht zum Spiegel - und wir stehen hinter ihr. Stellen wir uns nun vor, dass der Körper der Person komplett durchsichtig ist, nur nicht auf der Vorderseite Richtung Spiegel. Wir sehen dann also von hinten durch den Körper hindurch und blicken von Innen auf das nach außen gewölbte Gesicht.

Wir nehmen an, dass die Innenseite der Haut genauso aussieht wie die normalerweise nur sichtbare Außenseite der Haut. Das Spiegelbild ist dann identisch mit unserem direkten Anblick des gewölbten Gesichts. Die Spiegelung könnte man daher auch als Umstülpung interpretieren. Vergleichbar mit einem Handschuh, den man auf die andere Seite zieht.

Wenn Ihnen diese Erklärungen noch nicht reichen, können Sie noch tiefer in das Thema Spiegelparadoxon eintauchen:

Vielen Dank an den Leser Jochen Hertle, der dieses Rätsel vorgeschlagen hat.

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07.10.2022 06.19 Uhr

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