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Coronavirus Was Geschäftsreisende jetzt wissen müssen

Die Airline Cathay Pacific schützt ihre Flugbegleiter auf Flügen in China mit Atemmasken und verteilt Desinfektionsmittel an Passagiere. Was Arbeitnehmer und Arbeitgeber beachten sollten.
Wer die Dienstreise nicht antreten will, sollte gute Gründe vorbringen

Wer die Dienstreise nicht antreten will, sollte gute Gründe vorbringen

Foto: Suwit Nimjitt / EyeEm/ Getty Images/EyeEm

China spricht von 473 Infizierten und 17 Toten: Das neuartige Coronavirus breitet sich weiter aus, inzwischen wurde ein erster Fall in den USA bestätigt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO befasst sich am Mittwoch in einer Krisensitzung mit dem Virus. Nach einer Risikobewertung will sie darüber entscheiden, ob sie angesichts der sprunghaft gestiegenen Fallzahlen einen internationalen Gesundheitsnotstand ausruft.

Die Fluggesellschaft Cathay Pacific erlaubt ihrem Kabinenpersonal bereits jetzt, zum Schutz gegen das Coronavirus Gesichtsmasken auf Flügen in China zu tragen.

Was müssen Arbeitnehmer beachten, die dienstlich nach China oder Asien reisen? Wie können sie sich schützen - und wann dürfen Sie ganz zu Hause bleiben? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Darf ich als Arbeitnehmer eine Dienstreise absagen, weil ich Angst vor Ansteckung habe?

Grundsätzlich gilt: Entscheidet ein Angestellter, dass eine Reise zu gefährlich ist, kann der Arbeitgeber ihn kaum dazu zwingen. Er könnte ihn im Nachhinein aber abmahnen.

Dafür ist es wichtig, das Risiko der Reise richtig abzuschätzen. Zurzeit gilt das Ansteckungsrisiko selbst innerhalb Chinas als minimal, sogar für die Region Wuhan schätzt das Auswärtige Amt es als "moderat" ein. In der zentralchinesischen Region war das Virus zuerst ausgebrochen. Auch scheint das Virus für gesunde Menschen keine größere Gefahr als etwa eine Grippeerkrankung darzustellen: Bislang sind nur ältere Menschen mit einem schwachen Immunsystem an der neuen Form des Coronavirus gestorben, unter jungen und zuvor gesunden Patienten gab es keine Todesfälle.

Eine von Firmen häufig gewählte Alternative: Nur wer sich freiwillig auf einen Aufruf hin meldet, fährt in das betroffene Gebiet.

Welche Strafe muss ich fürchten, wenn ich den Flug einfach nicht antrete?

Die wichtigste Frage in diesem Fall: Ist der Arbeitgeber überhaupt berechtigt, seinen Mitarbeiter ins Ausland zu schicken? Das könnte zum einen durch die Berufsbezeichnung gegeben sein - ein Außendienstmitarbeiter in einem internationalen Unternehmen darf natürlich auch ins Ausland geschickt werden. Wenn es der Job aber nicht unbedingt voraussetzt und Auslandseinsätze nicht im Vertrag geregelt sind, darf der Arbeitnehmer eine Dienstreise ablehnen.

Zusätzlich hat der Arbeitgeber seinen Angestellten gegenüber eine Fürsorgepflicht. "Er darf sie nicht in Gebiete schicken, in denen Gefahr für Leib und Leben besteht", sagt Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Gleichsam muss der Arbeitnehmer die Interessen des Unternehmens vertreten. Tritt er ohne Grund eine Dienstreise nicht an, kann das zu einer Abmahnung führen. Im schlimmsten Fall droht eine fristlose Kündigung - nämlich wenn der Mitarbeiter wiederholt die Arbeit verweigert.

Niehl rät: "Besprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, ob wegen der aktuellen Gefahrenlage möglicherweise ein anderer Zeitpunkt für die Dienstreise infrage kommt."

Ich habe ein kleines Kind zu Hause. Muss mein Arbeitgeber darauf Rücksicht nehmen?

Auch hier gilt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Die persönlichen Umstände des Arbeitnehmers spielen dabei eine wichtige Rolle. Pflegt ein Mitarbeiter beispielsweise einen immunschwachen Angehörigen, ist selbst schwanger oder hat kleine Kinder, sollte der Arbeitgeber das berücksichtigen.

Eine diffuse Sorge, man könnte sich vor Ort anstecken, ist aber auch in diesen Fällen zu wenig. Arbeitnehmer sollten sich über die tatsächliche aktuelle Risikolage informieren und dann mit ihrem Arbeitgeber ins Gespräch gehen.

Chronologie des Coronavirus-Ausbruchs in China
  • Ende Dezember 2019 traten in der chinesischen Metropole Wuhan mehrere Fälle einer bis dahin unbekannten Lungenkrankheit auf. Die Patientenzahlen schienen zunächst um die 40 Fälle zu stagnieren. Als Ursprung der Krankheit wird ein Tiermarkt in der Elf-Millionen-Metropole vermutet. Er wurde sofort geschlossen und gereinigt.

  • Am 9. Januar gab die WHO bekannt, dass es sich um einen neuartigen Erreger aus der Familie der Coronaviren handelt. Diese verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen, aber auch gefährliche Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers.

  • Am 11. Januar wurde der erste Todesfall bekannt: Ein 61-jähriger Krebspatient starb an der Infektion. Die chinesischen Gesundheitsbehörden berichteten, dass sich mehrere Patienten in einem kritischen Zustand befinden. Von einer Ansteckung unter Menschen gingen die Behörden nicht aus, da bisher kein Krankenhausmitarbeiter erkrankt war.

  • Am 17. Januar beschlossen drei US-Flughäfen, ebenfalls Fieberkontrollen einzuführen, nachdem der zweite Patient an dem Virus in China gestorben war und auch andere asiatische Länder Verdachtsfälle gemeldet hatten.

  • Am 20. Januar stieg die Zahl der Patienten plötzlich sprunghaft auf mehr als 200 an. Die Gesundheitsbehörde berichtete zudem von 15 infizierten Krankenhausmitarbeitern - ein klares Indiz dafür, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

  • Am 21. Januar stieg die Zahl der Patienten weiter auf rund 300, es wird von sechs Todesopfern ausgegangen. Die WHO kündigte für den 22. Januar eine Krisensitzung an.

Ich habe entschieden, eine Dienstreise nach Asien anzutreten. Wie kann ich mich schützen?

Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zu China :

  • "Vermeiden Sie den Kontakt mit kranken Menschen und Tieren,

  • meiden Sie Märkte mit Tierprodukten und

  • achten Sie gesteigert auf eine adäquate Handhygiene.

  • Stellen Sie sich umgehend bei einem Arzt vor, falls Sie Fieber und Anzeichen einer Atemwegsinfektion entwickeln."

Wer eine Atemschutzmaske tragen möchte, sollte darauf achten, dass sie den richtigen Schutzstatus hat: Masken mit dem Status FFP-2 können Viren effektiv filtern.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Wuhan liege im Nordosten China, tatsächlich gehört die Stadt zur Region Zentralchina. Wir haben die Passage geändert.

lmd