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Manager-Titel Was macht eigentlich der Chief Happiness Officer?

Nirgendwo werden so viele Titel vergeben wie in der Digitalindustrie. Da gibt es den Chief Listening Officer, den Technology Evangelist und, und, und. Absurd.
Kaffeebecher mit Titel

Kaffeebecher mit Titel

Foto: Corbis

Unterhalten sich die Recruiting-Spezialisten von zwei Digitalbuden. Klagt der eine: "Unser Tischkicker ist kaputt. Wo krieg ich jetzt schnell einen neuen her?" Sagt der andere, im Tonfall dessen, der jeden Abend mit dem Zeitgeist ein Bier trinken geht: "Tischkicker? Total Nullerjahre. Wir haben ein Fitnessstudio." Wieder der erste, bedröppelt: "Ach so. Woher weißt du, was gerade angesagt ist?" Antwort, lässig: "Hat unser Chief Happiness Officer rausgefunden."

Lernen lässt sich daraus dreierlei.

  • Erstens: Tischkicker werden nur noch gebraucht, damit sich der CEO damit für ein Lifestyle-Magazin fotografieren lassen kann.
  • Zweitens: Vergesst Pizza. Verträgt sich schlecht mit Fitnessstudio.
  • Drittens und am wichtigsten: Ausgerechnet in der Digitalindustrie treibt die Titelsucht ihre bizarrsten Blüten.

Zugegeben: Die anderen haben angefangen. Schon vor Jahren führten Banken den Chief Risk Officer ein (kümmert sich um den Dreck in der Bilanz), später folgte der Chief Diversity Officer (kümmert sich, wie ein Altkanzler formulierte, um "Frauen und Gedöns"), und neuerdings darf in keinem Industrie-Dickschiff der Chief Digital Officer fehlen (kümmert sich um alle digitalen Innovationen, die der Rest des Vorstands nicht versteht. Also alles nach der E-Mail).

Doch bei der Flutung der Firmenräume mit Häuptlingstiteln will auch die digitale Avantgarde nicht mehr zurückstehen. Der Chief Happiness Officer hebt im Silicon Valley die Stimmung, der Chief Visionary Officer tobt sich in Kreativ-Firmen aus, der Chief Listening Officer lauscht in die sozialen Netzwerke hinein, um zu verstehen, was die Kunden wirklich wollen. Nicht zu vergessen die Evangelists diverser Spielarten, etwa den Technology Evangelist, der die restlichen Mitarbeiter regelmäßig von den Segnungen neuer Software-Tools überzeugen muss.

Das Ergebnis ist paradox: Während die alten Industrie-Konzerne sich zwei Beine ausreißen, um auch so locker und agil draufzukommen wie die Tech-Firmen, werden die immer konzerniger. Von wegen flache Hierarchien. Von wegen "Es zählt nur was Du kannst und wie viel Du bereit bist zu lernen". Von wegen "Wir sind alle ein lustiger Campus". Stattdessen: Chiefs, Head ofs, Evangelists soweit das Auge reicht.

Management-Experten sagen, die traditionellen Unternehmensstrukturen passten eben nicht ins Business von heute. Oben ein Chef, darunter fein säuberlich sortiert immer kleinere Chefs - mit derart starren Systemen lasse sich die Digitalisierung kaum bewältigen. Das mag richtig sein, die ganze Wahrheit ist es nicht.

Tatsächlich ist es wie mit Autos: Privat Carsharing - aber in der Firma wird bis aufs Messer über den neuen Dreier verhandelt. Der Mensch will begehrt werden, und wenn er so begehrt ist wie es digitale Talente sind, dann will er, dass alle es wissen. Geld allein hilft da nicht, Tischkicker auch nicht, das Fitnessstudio sorgt allenfalls für ein kurzes Zwischenhoch.

Wer zufriedene Mitarbeiter will, muss ihnen das Gefühl geben, dass sie etwas Besonderes sind. Wahrscheinlich hat sich der erste Chief Happiness Officer den Titel einfach selbst verliehen. Und war endlich glücklich.


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