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Weltweite Studie Deutschland holt bei Gleichberechtigung auf - Island an der Spitze

Knapp 100 Jahre wird es noch dauern, bis Frauen und Männer die gleichen Chancen, Gehälter und Rechte haben werden, rechnet das Weltwirtschaftsforum vor. In Deutschland gab es sowohl Fort- als auch Rückschritte.
Bis zur Gleichberechtigung ist es noch ein weiter Weg (und dann noch auf High Heels)

Bis zur Gleichberechtigung ist es noch ein weiter Weg (und dann noch auf High Heels)

Foto: Arne Dedert / DPA

Die gute Nachricht: Deutschland holt bei der Gleichberechtigung kräftig auf. Erstmals ist die Bundesrepublik wieder unter den Top Ten im jährlich erscheinenden "Global Gender Gap Report" des Weltwirtschaftsforums (WEF), der die Chancengleichheit der Geschlechter in 153 Ländern untersucht. Die schlechte Nachricht: In manchen Bereichen schneidet Deutschland sogar noch schlechter ab als im Vorjahr. Beim ersten Ranking 2006 hatte es sogar noch auf Platz 5 gestanden.

Weltweit, so die Studie, werde es noch knapp hundert Jahre dauern, bis das Projekt Gleichberechtigung abgeschlossen ist. "Das ist ein Zeitrahmen, den wir in der globalisierten Welt einfach nicht akzeptieren können", schreibt WEF-Gründer Klaus Schwab. "Am Vorabend der 2020er Jahre muss es das Ziel globaler und nationaler Anführer sowie von Topmanagern sein, eine fairere und inklusivere Wirtschaft aufzubauen." Ohne die gleichberechtigte Einbeziehung der Frauen könnten weder die Volkswirtschaften zum Wohle aller wachsen noch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden.

In den meisten Ländern gibt es eine messbare Korrelation zwischen steigender politischer Beteiligung und mehr Führungspositionen in der Wirtschaft. Nur in Deutschland geht diese Rechnung nicht ganz auf. Den Aufstieg in die Top Ten verdankt Deutschland vor allem der größeren politischen Beteiligung von Frauen. In der Wirtschaft sieht es dagegen vergleichsweise düster aus.

Hier sind die Werte im Einzelnen:

  • Wirtschaft: Untersucht werden Einkommensunterschiede, Beschäftigungsanteile und Anteile an Führungspositionen. Hier hat sich Deutschland verschlechtert: Von Rang 36 auf 48. Hier sind erst 72,3 Prozent der Lücke zwischen den Geschlechtern geschlossen, besonders schlecht sieht es bei der Bezahlung aus - und weniger als ein Drittel der Führungs- und Vorstandspositionen liegen in weiblicher Hand. Das WEF rät auch zu einer längeren Elternzeit für Väter, die zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen könne.
  • Bildung: Untersucht wird das Verhältnis der Geschlechter bei Alphabetisierungsraten, Schul- und Hochschulbildung. Die Lücke zwischen den Geschlechtern ist hier in Deutschland laut Report schon zu 97,2 Prozent geschlossen; es gibt allerdings immer noch mehr Männer als Frauen in weiterführenden Bildungsinstitutionen.
  • Gesundheit: Der Report untersucht das Geschlechterverhältnis der Geborenen und die jeweilige Lebenserwartung. Hier ist in Deutschland laut Report bereits Geschlechtergerechtigkeit erreicht.
  • Politik: Untersucht wird der Anteil der weiblichen Abgeordneten und Parlamentarier sowie der weiblichen Staatschefs in den vergangenen 50 Jahren. Frauen stellen hierzulande 40 Prozent der Ministerriege, allerdings weiterhin nur knapp 31 Prozent der Parlamentarier. Auch die Tatsache, dass Deutschland eine Bundeskanzlerin hat, zahlt aufs Ranking ein.

Auf Platz eins des weltweiten Rankings steht seit elf Jahren unangefochten Island, das die Lücke zwischen Männern und Frauen mittlerweile zu fast 88 Prozent schließen konnte, gefolgt von Norwegen, Finnland und Schweden. Vor Deutschland liegen damit noch Nicaragua, Neuseeland, Irland, Spanien und Ruanda. Weltweit gibt es vor allem in der Politik Nachholbedarf, auch wenn die Zahl der weiblichen Abgeordneten in vielen Ländern zugelegt habe. Allerdings hielten Frauen nur ein Viertel (25 Prozent) der 35.127 Parlamentssitze und nur ein gutes Fünftel (21 Prozent) der 3343 Ministerämter.

Auf dem Arbeitsmarkt stagniert der Anteil der Frauen: Lediglich gut die Hälfte (55 Prozent) der erwachsenen Frauen arbeitet, bei den Männern mehr als drei Viertel (78 Prozent). Frauen leisten allerdings mehr als doppelt so viel Betreuungs- und Freiwilligenarbeit; in Deutschland arbeiten Frauen unbezahlt 1,6 Mal so lang wie Männer bei der Kinderbetreuung und im Haushalt.

mh/dpa
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