In Kooperation mit

Job & Karriere

Studie zum Mindestlohn Unternehmen bieten weniger Praktika an

Den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde müssen Arbeitgeber auch Praktikanten zahlen. Die Reaktion der Unternehmen: Sie haben drastisch Plätze gestrichen.
Auch für Praktikanten gilt der Mindestlohn, wenn sie länger als drei Monate bleiben

Auch für Praktikanten gilt der Mindestlohn, wenn sie länger als drei Monate bleiben

Foto: Corbis

Wie wirkt sich der Mindestlohn auf Praktika aus? Seit seiner Einführung im Januar 2015 ist die Zahl der Unternehmen, die überhaupt Praktika anbieten, stark zurückgegangen: Fast jede zweite Firma, die vorher nach Praktikanten suchte, hat derzeit keine entsprechenden Stellen mehr. Das geht aus einer Untersuchung des Ifo-Instituts und des Personaldienstleisters Randstad hervor, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt.

Das Ausmaß der Veränderung ist demnach so groß, dass es nur strukturelle Gründe dafür geben könne, erläutern die Autoren. Seit dem vergangenen Jahr gilt auch für die meisten Praktikanten, dass sie mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen müssen.

Ifo und Randstad fragten bei rund 1000 Personalverantwortlichen bundesweit nach: 77 Prozent haben in den Vorjahren Praktika angeboten. Betrachtet man nur diese Firmen, dann haben von ihnen seit 2015 ganze 47 Prozent keine Praktikanten mehr eingestellt. Besonders stark ist dabei der Rückgang bei Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern. Da Firmen dieser Größenordnung auch stets die meisten Stellen hatten, dürfte sich die Entwicklung bei den freien Plätzen noch dramatischer darstellen.

Praktika sind jetzt kürzer

Auch hat sich die Dauer der Einsätze deutlich verändert. Jedes vierte Unternehmen hat die durchschnittliche Praktikumslänge verkürzt. Für Praktika, die kürzer als drei Monate sind, gilt der Mindestlohn nicht, ebenso für Pflichtpraktika, die im Rahmen einer Studien- oder Ausbildungsordnung vorgeschrieben sind.

Dennoch muss man vorsichtig sein, den Rückgang ausschließlich dem Mindestlohn zuzuschreiben. Von den befragten Personalchefs gaben nur 22 Prozent an, dass er einen direkten Einfluss habe. Sie kritisierten nicht nur die gestiegenen Kosten, sondern auch die neuen Dokumentationspflichten: Firmen, die Praktikanten weniger als den Mindestlohn zahlen, müssen nachweisen, dass die jeweilige Stelle den Ausnahmeregelungen entspricht.

Im Januar veröffentlichte die Uni Magdeburg die Ergebnisse einer Umfrage unter Praktikanten. Die Ergebnisse passen ins Bild: Mehr Praktika sind demnach so gestaltet, dass sie den Ausnahmekriterien des Mindestlohns entsprechen - die Unternehmen vermeiden den Mindestlohn. Andererseits werden Praktikanten im Durchschnitt auch besser bezahlt als früher.

Das sind die zwei Seiten: Einerseits besteht die Chance, dass durch den Mindestlohn auch Praktika wegfallen, die in Wahrheit Billigarbeitsplätze waren. Andererseits könnten auch Gelegenheiten für praktische Berufserfahrungen wegfallen, die jungen Menschen mehr gebracht hätten als nur Geld.

Betrachtet man den gesamten Arbeitsmarkt, sind die Wirkungen überwiegend positiv. Die Arbeitslosenquote ist in Deutschland sehr niedrig, daran hat auch der Mindestlohn nichts geändert - das war im Vorfeld das wichtigste Gegenargument vieler Arbeitgeber.