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Arbeitsrecht und Knigge Was ist auf der Weihnachtsfeier im Betrieb erlaubt - und was nicht?

Plötzlich per Du mit dem Chef, Alkohol in Massen und peinliche Tanzeinlagen - auf Weihnachtsfeiern in Betrieben gibt es Fallstricke, die sich auf die Karriere auswirken können. So vermeiden Mitarbeiter die Fauxpas.
Weihnachtsfeier mit den Kollegen: Die Kunst "nicht mehr und nicht weniger aufzufallen als sonst auch"

Weihnachtsfeier mit den Kollegen: Die Kunst "nicht mehr und nicht weniger aufzufallen als sonst auch"

Foto: skynesher/ Getty Images

Die Kollegen besser kennenlernen und gemeinsam in Weihnachtsstimmung kommen - im Idealfall sind Weihnachtsfeiern im Job eine gute Gelegenheit, das Team zu stärken. Doch alle Jahre wieder gibt es auch Mitarbeiter, deren Benehmen sich auf so einer Feier als Karrierekiller entpuppt.

Je nachdem was für ein Fauxpas einem Mitarbeiter unterläuft, kann das sogar eine Abmahnung oder Kündigung bedeuten. Lesen Sie hier, welche Regeln Arbeitnehmer beachten sollten, damit sie sich am Tag nach der Feier nicht schämen müssen und wie man mit einer Blamage gekonnt umgehen kann.

Was sind die Folgen, wenn Mitarbeiter auf der Weihnachtsfeier zu viel Alkohol trinken?

Jeder kennt diesen einen Kollegen, der auf der Firmenfeier zu tief ins Glas schaut. Doch übermäßiger Alkoholkonsum allein gefährdet den Job erst mal nicht. So kann es beim schlechten Eindruck beim Chef und bei den Kollegen bleiben: "Sich zu betrinken und sogar zu übergeben, ist zwar peinlich, aber es gibt kein Gesetz dazu, dass es Konsequenzen geben könnte, wenn der Arbeitgeber den Alkohol zur Verfügung stellt", sagt Rechtsanwalt Henrik Thiel. Laut Birte Steinkamp, die als Knigge-Trainerin arbeitet, sei die Kunst, "nicht mehr und nicht weniger aufzufallen als sonst auch". Und wer wisse, dass sich nach drei Glas Wein die Selbstkontrolle verabschiede, der steige besser nach Glas Nummer zwei auf Wasser um.

Welches Verhalten kann eine Kündigung zur Folge haben?

Bei massivem Fehlverhalten kann es schwerwiegende Konsequenzen geben - im schlimmsten Fall sogar eine Abmahnung oder eine Kündigung. Bei sexueller Belästigung beispielsweise können die Nachwirkungen der Feier laut Rechtsanwalt Thiel dann sogar zum Jobverlust führen. Genauso sei es, wenn Alkohol die Zunge löst und ein Mitarbeiter beispielsweise seinen Chef beleidigt. Dann dürften die Folgen nicht lange auf sich warten lassen.

Ist Flirten auf der Weihnachtsfeier erlaubt?

Auch wenn der Chef es nicht verbieten kann, Flirten gilt Knigge-Expertin Steinkamp zufolge als Tabu. "Seien Sie sich dabei vor allem bewusst, dass es auch einen 'Tag danach' gibt", sagt sie. Mitarbeiter sollten sich demnach lieber die Basis bewahren, sich auch am anderen Morgen wieder in die Augen sehen zu können, ohne rot anzulaufen. Ernst gemeinte Komplimente schafften zwar Nähe und wirken motivierend, aber sollten nicht in eine Zweideutigkeit abrutschen.

Auf der Weihnachtsfeier duzt der Chef einen Mitarbeiter plötzlich? Dann sollte er das laut der Knigge-Expertin auch erwidern

Auf der Weihnachtsfeier duzt der Chef einen Mitarbeiter plötzlich? Dann sollte er das laut der Knigge-Expertin auch erwidern

Foto: Getty Images/ iStockphoto

Mein Chef bietet mir beschwipst das Du an. Soll ich ihn am Folgetag lieber wieder siezen?

Lockere Atmosphäre und das eine oder andere Glas Wein können das Siezen schon mal überflüssig machen. Duzt der Chef einen Mitarbeiter während des Gesprächs plötzlich, so sollte er das Steinkamp zufolge auch erwidern. "Ob es allerdings dabei bleibt, erfahren Sie erst am nächsten Arbeitstag, denn ein Du auf der Weihnachtsfeier ist unverbindlich." Demnach sollte der Mitarbeiter besser abwarten, wie der Chef dem Mitarbeiter im Arbeitsalltag gegenübertritt: "Siezt er Sie wieder, so bleibt es für beide Seiten dabei."

Welche Themen spreche ich auf der Weihnachtsfeier besser nicht an?

Den Chef auf eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung beim weihnachtlichen Beisammensein anzusprechen, ist keine gute Idee. "Sie werden an so einem Abend ohnehin keine verbindliche Antwort erhalten und bringen sich und Ihren Gesprächspartner unnötig in eine peinliche Situation", sagt Steinkamp. Stattdessen biete sich eine positive Äußerung über die Veranstaltung oder ein Dank für die Einladung als Gesprächseinstieg mit dem Chef an.

Wie sollten Mitarbeiter damit umgehen, wenn ihnen dennoch ein Fauxpas unterlaufen ist?

"Wenn Sie sich 'nur' selbst blamiert haben: Augen zu und durch", sagt Knigge-Expertin Steinkamp. "Nehmen Sie's mit Humor, und gönnen Sie Ihren Kollegen den Spaß." Ernster sehe es Steinkamp zufolge aus, wenn ein Mitarbeiter völlig die Kontrolle verloren und andere bloßgestellt oder gar angepöbelt hat. Dann sollte direkt am nächsten Tag das Gespräch unter vier Augen gesucht werden, um die Angelegenheit zu klären und sich zu entschuldigen.

Darf ein gekündigter Mitarbeiter noch mitfeiern?

Wenn kurz vor der Feier ein Mitarbeiter gekündigt wurde oder selbst gekündigt hat, darf er trotzdem zur Weihnachtsfeier kommen - sofern diese noch innerhalb seiner Kündigungsfrist liegt. "Selbst ein von der Arbeit freigestellter Mitarbeiter hat aufgrund des arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes ein Recht auf Teilnahme an der Feier", sagt Rechtsanwalt Thiel. Ein Ausschluss sei nur aus einem besonderen Grund möglich - zum Beispiel wenn die Freistellung aufgrund einer verhaltensbedingten Kündigung erfolgt ist. "Wenn es nicht mehr zumutbar ist, mit jemandem zusammenzuarbeiten, dann ist es wohl auch nicht zumutbar, mit dieser Person zusammen zu feiern", sagt Thiel.

Kann mich mein Chef dazu zwingen, an der Weihnachtsfeier teilzunehmen?

Ob der Chef die Weihnachtsfeier zu einer Pflichtveranstaltung machen kann, hängt davon ab, wann die Veranstaltung stattfindet. "In meiner Freizeit kann ich nicht dazu gezwungen werden, an einer Weihnachtsfeier teilzunehmen", sagt Thiel. "Weihnachtsfeiern gehören nicht zu den vertraglichen Pflichten." Wenn der Mitarbeiter während der Arbeitszeit nicht mitfeiern wolle, müsse er stattdessen jedoch arbeiten. Aber auch wenn eine Einladung zu der Feier nicht verpflichtend sei, sei sie eine wertschätzende Geste der Chefetage, so Steinkamp. Sie nicht anzunehmen, "wäre nicht nur unhöflich, sondern könnte sogar als absichtliche Antihaltung wahrgenommen werden".

Dürfen Vorgesetzte und Mitarbeiter Fotos von der Party zum Beispiel auf Social Media veröffentlichen?

Die Party verläuft feucht-fröhlich, doch die Schnappschüsse, für die die angeheiterten Mitarbeiter posierten, landen bei Facebook, Instagram und Twitter. Zulässig ist das jedoch nicht: "Wenn der Chef Fotos veröffentlichen möchte, dann muss er dafür das Einverständnis der Mitarbeiter anfordern - aus Nachweisgründen idealerweise schriftlich", sagt Thiel. Dasselbe gelte streng genommen auch für die Fotos, die von Kollegen gemacht werden.

Bis wann bin ich auf einer Weihnachtsfeier versichert?

Die meisten Kollegen haben sich schon verabschiedet, nur vereinzelt sitzen noch Mitarbeiter in der Location - sollte die Party offiziell beendet worden sein, dann endet bald auch der Versicherungsschutz. Dieser gelte dann nur noch für den Heimweg und nicht "wenn Mitarbeiter länger vor Ort bleiben", so Thiel. Auch private Umwege beispielsweise in eine Kneipe seien ausgeschlossen. Falls der Arbeitnehmer eine private Unfallversicherung hat, greife diese in dem Fall.

Allerdings könne das Ende einer Feier nicht immer eindeutig sein: "In einem Restaurant ist es natürlich nicht so sauber abgrenzbar, wenn ein Teil der Belegschaft weiterfeiert, obwohl sich der Geschäftsführer verabschiedet hat", so Thiel.

Muss ich am Tag nach der Feier pünktlich zur Arbeit erscheinen?

Böses Erwachen am Morgen danach: Der Kater ist groß, die Fähigkeit, aufzustehen und sich wieder zur Arbeitsstelle zu bewegen, hält sich in Grenzen. Doch der Mitarbeiter sollte sich in diesem Fall lieber auf den Weg machen: "Grundsätzlich hat der Arbeitnehmer die Pflicht, am nächsten Tag pünktlich zur Arbeit zu erscheinen." Sich selbst einen Tag freigeben, geht nicht, der Arbeitnehmer riskiert so eine Abmahnung.

Zehn Tipps für die Weihnachtsfeier von Knigge-Expertin Birte Steinkamp:

  • Tischmanieren zeigen: "Als No-Gos gelten hier zum Beispiel drängeln am Büfett, zu volle Teller, rülpsen und schmatzen, Zahnstocher benutzen, mehrere alkoholische Tischgetränke, Serviette im Kragen und alles, was Ihre Tischnachbarn außerdem stören könnte."
  • Gesprächsthemen: "Führen Sie keine Gespräche über Beförderung, Gehaltserhöhung oder sonstige Geschäftsthemen."
  • Laune: "Seien Sie keine Spaßbremse - passen Sie sich der Gesellschaft an."
  • Kontakt zu Kollegen: "Flirten ist tabu - zu privat, zu intim, zu heikel."
  • Klatsch und Tratsch: "Verzichten Sie auch auf Lästereien."
  • Anwesenheit: "Fernbleiben oder die Feier nach einer halben Stunde verlassen sind pure Unhöflichkeit."
  • Alkoholkonsum: "Trinken Sie Alkohol nur in Maßen und nur so viel, wie Sie 'schadenfrei' vertragen."
  • Netzwerken: "Nutzen Sie die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen."
  • Kleidung: "Halten Sie sich an den üblichen Dresscode Ihres Unternehmens und fallen Sie weder durch Freizügigkeit noch overdressed auf."
  • Auftreten: "Spielen Sie nicht den Unterhalter. Eine gepflegte Konversation mit Charme und Humor bewahrt Ihnen Ihr gutes Image."