Befragung der Hans-Böckler-Stiftung Nur gut die Hälfte der Arbeitnehmer bekommt Weihnachtsgeld

Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Löhne stiegen. Doch der Anteil der Menschen, die zu Weihnachten eine Sonderzahlung erhalten, ist laut einer Studie gering. Auf einen Faktor kommt es dabei besonders an.

Die Größe der Geschenke zu Weihnachten hängt mitunter auch am Umfang der Sonderzahlung
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Die Größe der Geschenke zu Weihnachten hängt mitunter auch am Umfang der Sonderzahlung


Viele Arbeitnehmer in Deutschland erhalten mit dem Novembergehalt auch eine teils üppige Sonderzahlung. Doch längst nicht jeder erhält dieses Weihnachtsgeld. Einer Befragung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zufolge profitiert nur gut die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland davon.

Das Statistische Bundesamt hatte auf einer anderen Datengrundlage vor einigen Tagen dagegen berichtet, dass unter den Tarifbeschäftigten fast 87 Prozent Weihnachtsgeld erhielten - in diesem Jahr durchschnittlich 2632 Euro. Nach den aktuellen Daten des WSI-Internetportals "Lohnspiegel.de" der Böckler-Stiftung bekommen indes nur 76 Prozent der Tarifbeschäftigten - und 42 Prozent der übrigen Arbeitnehmer die begehrte Sonderzahlung. In der Gesamtheit sind es demnach dann 53 Prozent, die mit einem Weihnachtsgeld rechnen können.

Für die Frage, ob Arbeitnehmer Weihnachtsgeld erhalten, sind mehrere Faktoren entscheidend. "Am höchsten stehen die Chancen auf ein Weihnachtsgeld, wenn das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist", berichtet der Leiter des WSI-Tarifarchivs der Stiftung, Thorsten Schulten.

Weihnachtsgeld: Härterer Anspruch als Gewinnbeteiligung

Tarifverträge gelten längst nicht für alle Arbeitnehmer. Arbeitsmarktforscher sehen seit Jahren eine "schleichende Erosion" der Tarifbindung. Nach jüngsten Daten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten im vergangenen Jahr 46 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit einem Branchentarif. Seit 1996 ist der Anteil den Angaben zufolge damit bundesweit um 21 Prozentpunkte gesunken. Daneben gibt es noch Firmen- und Haustarifverträge für rund 8 Prozent der Beschäftigten.

Unterschiede beim Bezug von Weihnachtsgeld gibt es den Daten der Böckler-Stiftung zufolge auch zwischen Männern und Frauen - sowie zwischen Ost- und Westdeutschland. So erhalten Frauen und Arbeitnehmer aus den neuen Bundesländern ebenfalls seltener Weihnachtsgeld. Dies hänge jedoch vor allem auch mit der geringeren Tarifbindung bei Beschäftigungsverhältnissen dieser Gruppen zusammen. Auch die Arbeitszeit kann eine Rolle spielen. So erhalten Vollzeitbeschäftigte laut der Befragung ebenfalls häufiger Weihnachtsgeld als Teilzeitkräfte.

Viele Unternehmen ohne Tarifbindung erklären laut den Daten der Böckler-Stiftung dennoch, dass sie sich an den Verträgen orientierten. "Beim Weihnachtsgeld tun das offensichtlich nur wenige", erklärte hingegen Schulten. "Und selbst wenn tariflose Arbeitgeber Weihnachtsgeld zahlen, entspricht dessen Höhe nicht notwendigerweise dem tariflichen Anspruch." Das tarifliche Weihnachtsgeld sei der härteste Anspruch, während beispielsweise Gewinnbeteiligungen jederzeit wieder gekappt werden könnten.

apr/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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Korken 13.11.2019
1. Weihnachtsgeld, Jahressonderzahlung oder Jahreseinkommen
Es ist im Grunde doch egal, ob sich der Betrieb mit dem Gehalt das Jahr über zurücknimmt und dann zum Jahresende dieses auszahlt oder ob es gleichmäßig übers Jahr verteilt wird. Wichtig ist in dieser Frage einzig und allein das Jahreseinkommen. Offiziell bekommen viele Tarifbeschäftigte auch kein Weihnachtsgeld sondern eine Jahressonderzahlung. 13. und 14. Monatsgehalt ist genauso ein Blödsinn. Jahresgehalt bei Arbeitszeit nennen und man kann vergleichen.
su27 13.11.2019
2. Wo ist das Problem?
Ich verstehe nicht, was uns das jetzt sagen soll. Weihnachtsgeld bedeutet letztendlich nur, dass man einen gewissen Teil seines Jahresgehalts erst zum Jahresende ausgezahlt bekommt. Wer kein Weihnachtsgeld erhält, hat eben alles schon vorher über seine monatlichen Gehaltszahlungen bekommen. Auf die Höhe des Jahresgehalts kommt es an. Ob man das in 12 oder 12,5 oder 13 usw. Zahlungen bekommt, ändert nichts am Gehaltsniveau.
karlo1952 13.11.2019
3. Wenn ich einen Arbeitsvertrag
über ein bestimmtes Jahresgehalt habe interessiert mich kein Weihnachtsgeld, oder ob ich das Gehalt in 13 oder 14 Monatsgehälter ausgezahlt bekomme. Die Endsumme macht's.
mark.norden.85 13.11.2019
4. @#1 und#2
es wäre hier Interessant wie sich das Jahresgehalt bei den Arbeitnehmern bzw Branchen entwickelt hat, bei denen das Weihnachtsgeld weggefallen ist. Ist das Jahresgehalt gleich geblieben, das Monatsgehalt gestiegen? Meine Vermutung wäre eher, dass das Weihnachtsgeld ersatzlos wegfällt.
jackbubu 13.11.2019
5. @ Beitrag 2
Stimmt so nicht! Bei gleicher Branche, gleichem Gehalt und Stundenlohn, bekommt man im einen Unternehmen Urlaubs und Weihnachtsgeld und im anderen nicht. Weihnachtsgeld ist eine Freiwillige Zahlung des Arbeitgeber und soll als Wertschätzung für den Arbeitnehmer dienen. Es kann vielleicht sein, das je nach Höhe des Gehalt, ob ein Teil der Überstunden mit dem Lohn abgegolten ist und es einen Bonus über oder am Ende des Jahres gibt , unterschiedlich ausfallen. Ich habe aber noch nie gehört, hey du hast so ein hohes Gehalt, da gibt es aber jetzt nicht noch Weihnachtsgeld
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