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Befragung der Hans-Böckler-Stiftung Nur gut die Hälfte der Arbeitnehmer bekommt Weihnachtsgeld

Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Löhne stiegen. Doch der Anteil der Menschen, die zu Weihnachten eine Sonderzahlung erhalten, ist laut einer Studie gering. Auf einen Faktor kommt es dabei besonders an.
Die Größe der Geschenke zu Weihnachten hängt mitunter auch am Umfang der Sonderzahlung

Die Größe der Geschenke zu Weihnachten hängt mitunter auch am Umfang der Sonderzahlung

Foto: David Trood/ Getty Images

Viele Arbeitnehmer in Deutschland erhalten mit dem Novembergehalt auch eine teils üppige Sonderzahlung. Doch längst nicht jeder erhält dieses Weihnachtsgeld. Einer Befragung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung zufolge profitiert nur gut die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland davon.

Das Statistische Bundesamt hatte auf einer anderen Datengrundlage vor einigen Tagen dagegen berichtet, dass unter den Tarifbeschäftigten fast 87 Prozent Weihnachtsgeld erhielten - in diesem Jahr durchschnittlich 2632 Euro. Nach den aktuellen Daten des WSI-Internetportals "Lohnspiegel.de" der Böckler-Stiftung bekommen indes nur 76 Prozent der Tarifbeschäftigten - und 42 Prozent der übrigen Arbeitnehmer die begehrte Sonderzahlung. In der Gesamtheit sind es demnach dann 53 Prozent, die mit einem Weihnachtsgeld rechnen können.

Für die Frage, ob Arbeitnehmer Weihnachtsgeld erhalten, sind mehrere Faktoren entscheidend. "Am höchsten stehen die Chancen auf ein Weihnachtsgeld, wenn das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist", berichtet der Leiter des WSI-Tarifarchivs der Stiftung, Thorsten Schulten.

Weihnachtsgeld: Härterer Anspruch als Gewinnbeteiligung

Tarifverträge gelten längst nicht für alle Arbeitnehmer. Arbeitsmarktforscher sehen seit Jahren eine "schleichende Erosion" der Tarifbindung. Nach jüngsten Daten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten im vergangenen Jahr 46 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit einem Branchentarif. Seit 1996 ist der Anteil den Angaben zufolge damit bundesweit um 21 Prozentpunkte gesunken. Daneben gibt es noch Firmen- und Haustarifverträge für rund 8 Prozent der Beschäftigten.

Unterschiede beim Bezug von Weihnachtsgeld gibt es den Daten der Böckler-Stiftung zufolge auch zwischen Männern und Frauen - sowie zwischen Ost- und Westdeutschland. So erhalten Frauen und Arbeitnehmer aus den neuen Bundesländern ebenfalls seltener Weihnachtsgeld. Dies hänge jedoch vor allem auch mit der geringeren Tarifbindung bei Beschäftigungsverhältnissen dieser Gruppen zusammen. Auch die Arbeitszeit kann eine Rolle spielen. So erhalten Vollzeitbeschäftigte laut der Befragung ebenfalls häufiger Weihnachtsgeld als Teilzeitkräfte.

Viele Unternehmen ohne Tarifbindung erklären laut den Daten der Böckler-Stiftung dennoch, dass sie sich an den Verträgen orientierten. "Beim Weihnachtsgeld tun das offensichtlich nur wenige", erklärte hingegen Schulten. "Und selbst wenn tariflose Arbeitgeber Weihnachtsgeld zahlen, entspricht dessen Höhe nicht notwendigerweise dem tariflichen Anspruch." Das tarifliche Weihnachtsgeld sei der härteste Anspruch, während beispielsweise Gewinnbeteiligungen jederzeit wieder gekappt werden könnten.

apr/dpa
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