Trinktemperatur, Haltbarkeit, Lagerung Wein richtig trinken

Wie Sie die Weinprobe relativ nüchtern überstehen, wie Sie die richtige Weintemperatur ohne Thermometer erkennen, verrät ein Weinexperte mit seinen besten Tipps - von der Lagerung bis zum Genuss.

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Wo liegt eigentlich die richtige Trinktemperatur für welchen Wein? Und wie bringen Sie das Getränk auf diese Temperatur - ohne Thermometer? Wie werden Sie bei der Weinprobe nicht betrunken? Weinforscher Rainer Jung gibt hier Tipps rund um Alltagsfragen zum Thema Wein.

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    Prof. Dr. Rainer Jung, Jahrgang 1965, ist stellvertretender Leiter des Instituts für Önologie an der Hochschule Geisenheim. Er ist selbst auf einem Weingut aufgewachsen.

Welchen Wein trinke ich bei welcher Temperatur?

"Süßen Wein trinken wir kühler als trockenen, da das Süße-Empfinden bei höherer Temperatur ebenfalls höher ist", sagt Weinforscher Jung. Softdrinks wie Cola trinken viele Menschen auch am liebsten kalt, so wie süßen Wein.

"Weißwein wollen wir gekühlt trinken", sagt der stellvertretende Leiter des Instituts für Önologie an der Hochschule Geisenheim. Für eine Trinktemperatur von elf bis zwölf Grad müsse der Wein meist kühler eingeschenkt werden, denn: "Je höher die Außentemperatur, desto mehr muss der Wein gekühlt werden."

Rotwein hingegen ist "tanninbetont". Das heißt, durch den Gerbstoff bildet sich der Bittergeschmack viel stärker aus, wenn der Wein zu kalt ist. Darum sollte der Wein laut Jung am besten bei 17 bis 18 Grad getrunken werden.

Und Rosé?

Wird zwar aus roten Trauben gewonnen, aber wie Weißwein getrunken. "Die Frische eines Roséweines entfaltet sich am besten, wenn er gekühlt ins Weißweinglas gegossen wird", erklärt der Önologe. Die Kälte dämpft die Süße: Der Wein ist erfrischend und prickelnd im Mund.

So erkennen Sie die ideale Trinktemperatur

"Sie spüren den Unterschied", so Jung. Wenn der Rotwein zu kalt sei, ziehe sich der Mund zusammen. "Da Kälte bitter schmeckende Gerbstoffe verstärkt, trinken wir Rotwein wärmer als Weißwein", sagt der Weinforscher. Bei hohem Alkoholgehalt, etwa ab 13,5 Volumenprozent aufwärts, und hoher Temperatur schmecke der Wein "sprittig". Also stechend alkoholisch, zum Beispiel in Richtung Wodka, der wiederum stark nach Alkohol rieche.

Weißwein beinhaltet in der Regel nur zwischen elf und zwölfeinhalb Volumenprozent Alkohol. Daher ist die ideale Trinktemperatur auch eher kühl. Denn Weißwein soll erfrischen durch Süße und die spürbare Kohlensäure. Bei zu hoher Temperatur trete sie vorher aus, bei kühler Temperatur wird die Kohlensäure erst im Mund frei, so Jung.

Wie intensiv ein Wein süß, bitter oder alkoholisch schmeckt, hängt von dessen Temperatur ab. Wie der Wein individuell am besten mundet, ist natürlich unterschiedlich und hängt von persönlichen Vorlieben ab. "Eine allgemeingültige optimale Trinktemperatur gibt es nicht. Denn wenn aromatisierter Wein zu warm ist, schmeckt er noch intensiver. Aber manche Menschen mögen das", sagt der Experte.

Wie bekomme ich den Wein auf die gewünschte Temperatur - ohne Thermometer?

Der Wein steht seit mehreren Stunden in einem Zimmer bei Raumtemperatur. So kühlen Sie effektiv:

  • In zwei Stunden: Wenn Wein, der bei Raumtemperatur gelagert wurde und damit vorher etwa 23 Grad hatte, nun in einen vier Grad kalten Kühlschrank gelegt wird, braucht es etwas mehr als zwei Stunden (125 Minuten), bis er auf zehn Grad heruntergekühlt ist. Das zeigt eine Untersuchung von Jung und Kollegen.
  • Jung empfiehlt, nicht zu viel Wein ins Glas zu geben und lieber nachzuschenken, da sich das geringe Volumen der Flüssigkeit im Glas schneller an die Außentemperatur anpasst als in der noch gekühlten Flasche.

  • In 15 Minuten: Wer den Wein schneller kühlen möchte, kann die Flasche einfach für 15 Minuten in Wasser mit Eiswürfeln legen oder einen Weinkühler benutzen. So wird der Wein direkt kalt. "Um noch effektiver zu kühlen, können Sie noch Salz hineinwerfen", rät Jung. Das hält die Flüssigkeit zusätzlich kalt.
  • Ob über Nacht, langsam oder schnell gekühlt werde, mache dem Wein nichts aus. Auf dem Tisch könne der Wein dann sehr effektiv mit Kühlmanschetten weiter gekühlt werden, sagt der Önologe.

    Drei Tipps: Wie Sie eine Weinprobe überstehen können, ohne betrunken zu werden

    1. Kleine Schlucke: Trinken Sie den Wein bewusst, indem Sie kleine Schlucke nehmen.

    2. Wasser und Wein: "Wenn Sie so viel Wasser wie Wein trinken, kommt es nie zu Problemen", verspricht Jung.

    3. Auch mal spucken: Ganz besonders gut sei es, Wein auszuspucken - vor allem, wenn Sie viele Rebsorten kennenlernen möchten. Der Experte rät, vorher auch mal zu üben und das "gerne unter fachmännischer Anleitung".

    So lagern Sie Wein richtig

    Viele Menschen lagern Wein gar nicht, sondern kaufen ihn direkt zum Verzehr. Und beim nächsten Mal wieder neuen. Wenn aber doch mal die eine oder andere Flasche gelagert werden soll, denken Sie am besten an dieses Expertenwissen:

    Der Wein bleibt im Keller bei Raumtemperaturen zwischen 13 und 15 Grad längere Zeit "fehlerfrei". Auch, wenn es im Keller 19 bis 20 Grad warm sei, gebe es laut Jung keinen großen geschmacklichen Unterschied. Nach zwei bis drei Jahren sollten Sie mal probieren, ob er noch schmecke oder sich verändert habe.

    "Konsumenten haben den Vergleich nicht. Wir Wissenschaftler stellen den Wein, der bei 15 Grad gelagert wurde, neben den, der bei 20 Grad gelagert wurde, und messen die Unterschiede mit sensorischen Methoden", sagt der Weinforscher.

    Ob der Wein stehend oder liegend gelagert werde, sei egal. "Der Korken muss Feuchtigkeit haben, auch wenn der Wein steht", sagt Jung. Das passiere ganz von selbst dank der Luftfeuchte im oberen Teil der Flasche. So bleibe der Korken elastisch.

    Nachteil von stehender Lagerung: Wer viele Flaschen lagert, verbraucht dann ein Drittel mehr Platz als bei der liegenden Lagerung. Das heißt, wer mit wenig Platz viel Wein lagern möchte, sollte die liegende Variante wählen.

    Offene Weinflaschen

    Rotwein könne ruhig auch außerhalb des Kühlschranks, aber möglichst nicht über 25 Grad, gelagert werden. "20 bis 22 Grad Raumtemperatur machen Rotwein nichts", sagt Jung. Ob der Rotwein noch gut ist, lässt sich leicht überprüfen: "Oxidierter Rotwein schmeckt zum Beispiel 'brotig' und färbt sich bräunlich."

    Geöffneter frischer Wein hingegen könne problemlos eine Woche im Kühlschrank stehen - mit Stopfen in der Öffnung. Dadurch komme der Wein möglichst wenig mit Sauerstoff in Berührung und bleibe außerdem geschützt vor Fremdgerüchen.

    Wein, der nicht extrem empfindlich ist, könne auch noch nach zehn Tagen getrunken werden. Dazu zählen zum Beispiel Rotweine mit hohem Gerbstoffgehalt oder sehr aromatische und frische Weißweine.



    insgesamt 5 Beiträge
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    Seite 1
    hoppelkaktus 26.03.2019
    1. Korken raus für die Karriere? Jetzt echt?
    Wäre so ein Artikel nicht besser untergebracht in den Rubriken Stil oder vielleicht auch Leben und Lernen? Ich meine, das Runterschlucken von Wein - und sei es auch ein noch so erlesener Tropfen - hat tendenziell doch wohl eher nicht ganz so viel zu tun mit dem, was einem zum Stichwort Karriere in den Sinn kommt. Oder bin ich möglicherweise einfach nur nicht mondän genug, um hier den feinsinnigen Zusammenhang zu erkennen? Hm.
    Spr. 26.03.2019
    2. Warum?
    Wieso werden hier immer wieder Artikel über den "richtigen" Umgang mit der harten Droge Alkohol veröffentlicht? Es hat nichts mit Kultur zu tun, wie diese harte Droge in einer bestimmten Form hergestellt, zubereitet und konsumiert werden soll, um den bestmöglichen Rausch zu befördern oder oberflächlich zu vermeiden. Es ist längst überfällig, dass jede Art von Werbung - und nichts anderes sind solche Artikel - für die harte Droge Alkohol in egal welcher Darreichungsform verboten werden! Zumal gerade der Alkoholrausch viel zu oft für Unbeteiligte zu einer ganz realen Gefahr wird, sei es durch brutale körperliche Übergriffe durch berauschte Konsumenten oder durch von diesen verursachten "Unfällen". Und ja, das gilt auch für Konsumenten, welche die harte Droge Alkohol in der vermeintlich kulturell guten Darreichungsform als Wein konsumieren!
    demokrat0815 26.03.2019
    3. Na so was!
    Zitat von Spr.Wieso werden hier immer wieder Artikel über den "richtigen" Umgang mit der harten Droge Alkohol veröffentlicht? Es hat nichts mit Kultur zu tun, wie diese harte Droge in einer bestimmten Form hergestellt, zubereitet und konsumiert werden soll, um den bestmöglichen Rausch zu befördern oder oberflächlich zu vermeiden. Es ist längst überfällig, dass jede Art von Werbung - und nichts anderes sind solche Artikel - für die harte Droge Alkohol in egal welcher Darreichungsform verboten werden! Zumal gerade der Alkoholrausch viel zu oft für Unbeteiligte zu einer ganz realen Gefahr wird, sei es durch brutale körperliche Übergriffe durch berauschte Konsumenten oder durch von diesen verursachten "Unfällen". Und ja, das gilt auch für Konsumenten, welche die harte Droge Alkohol in der vermeintlich kulturell guten Darreichungsform als Wein konsumieren!
    5 Sätze, viermal der Begriff harte Droge. Ich empfinde das nicht so, denn ich genieße gerne ein Glas Wein, bin noch nie ausfallend geworden oder habe damit Unfälle verursacht. Vielleicht sollte man einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Das Schreiben solcher Artikel fällt unter den Begriff Demokratie!
    lahozdeoro 26.03.2019
    4. Genau, na so was!
    @demokrat0815 - ich schließe mich an, bin ebenfalls gerne Weintrinker und habe auch noch keine wirklich betrunkenen Weingenießer erlebt. Das dürfte sich dann doch zu 99 Prozent um andere Alkoholika handeln.
    Interzoni 26.03.2019
    5. @ Spr
    Ich bezweifle, dass Sie Erfahrungen mit "harten Drogen" haben. Was genau hat Wein mit Heroin oder Kokain gemeinsam?
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