Aus- und Weiterbildung Forscher forciert Rechtsanspruch auf Berufsausbildung

Bafög für 50-Jährige, einen Rechtsanspruch auf Ausbildung für alle: Eine neue Studie plädiert für einen massiven Umbau der staatlichen Bildungsfinanzierung. Auch die Arbeitgeber sollen sich an den Kosten beteiligen.

Ein Auszubildender beim Setzen einer Schweißnaht, kritisch beobachtet von seinem Ausbilder (Archivbild)
Daniel Bockwoldt / DPA

Ein Auszubildender beim Setzen einer Schweißnaht, kritisch beobachtet von seinem Ausbilder (Archivbild)


Eine noch unveröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung rät zu radikalen Reformen in der staatlichen Bildungsförderung. Demnach brauche Deutschland einen gesetzlich verankerter Anspruch auf Berufsausbildung; die Bafög-Altersgrenze müsse fallen - und Arbeitgeber, die Leiharbeiter beschäftigen, sollten höhere Sozialabgaben leisten.

Die Forderungen stammen aus einer noch unveröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die dem SPIEGEL vorliegt. Der Arbeitssoziologe Gerhard Bosch von der Universität Duisburg/Essen hat darin untersucht, wie die berufliche Weiterbildung von Arbeitnehmern gerade auch angesichts der Digitalisierung gestärkt werden kann.

Bisher habe jeder fünfte Berufseinsteiger gar keine Ausbildung, schreibt Bosch. Auch hier gebe es deshalb dringenden Handlungsbedarf: Der Soziologe will erreichen, dass Arbeitnehmer, die eine Fortbildung besuchen wollen, einen Rechtsanspruch auf Freistellung bei ihrem Arbeitgeber erhalten.

Bosch vergleicht das Bafög für Studierende und die Fortbildungszuschüsse der Arbeitsagentur mit den Systemen anderer europäischer Länder - und kommt zu dem Schluss, dass die deutschen Förderinstrumente zwar grundsätzlich wirksam sind, aber dringend der veränderten Arbeits- und Ausbildungsrealität angepasst werden müssten.

So nähmen beispielsweise zunehmend auch Ältere noch ein Studium auf. Deshalb müsse nicht nur die bisherige Bafög-Altersgrenze von maximal 35 Jahren gestrichen werden, auch sei ein höherer Bafög-Satz für ältere Studierende notwendig.

Und weil Arbeitnehmer mit befristeter Anstellung besonders selten an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, will der Soziologe die Arbeitgeber mit höheren Sozialabgaben für solche Mitarbeiter zur Kasse bitten, um auf diese Weise Aus- und Fortbildungen zu finanzieren.

him

insgesamt 31 Beiträge
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mopsfidel 20.10.2019
1. So funktioniert das in der BRD nicht
Wir haben Hartz-4 und sinnfreie "Fortbildungsmaßnahmen" wie Bilder ausmalen. Dazu braucht es einen Betreuer im Jobcenter und einen Träger für die "Weiterbildung". Viele Menschen und viel Geld für ein System welches dafür sorgt, dass Menschen ohne Arbeit beschäftigt werden. Das kann man doch nicht plötzlich umdrehen in richtige Ausbildungen - und das auch noch nach Wunsch des Arbeitssuchenden.
quark2@mailinator.com 20.10.2019
2.
Ja, das wird schon lange Zeit. Sowohl was die Finanzierung angeht, als auch die Sache mit dem Alter. Vielleicht kann das endlich dazu führen, daß 50-Jährige nicht gezwungen werden, diese albernen Kurse zu besuchen, die das AA anbietet, oder direkt in H4 zu gehen. Wo ich mir nicht so sicher bin, ist die Bezahlung durch die Firma. Das könnte ein unnötiges Hemmnis sein, da der Firma ja für die Ausbildung selbst schon Kosten entstehen und nicht klar ist, ob später auch Arbeitsleistung erbracht werden wird. Jedenfalls schön, wenn sich an der Stelle endlich mal was ändert.
shrufu 20.10.2019
3. 21, 20,
cool, richtig! Schade das es niemals passieren wird. Stattdessen bekommen wir wahrscheinlich eine leicht trumpische Steuerreform.. oder der große Gestiker macht beides.. aber natürlich das eine hart und unzureichend und das andere seicht und auf Anschlag mit dem Koalitionspartner.
MissMorgan 20.10.2019
4. Arbeitsagenturen und Jobcenter
Beide sollten dies auch einmal beherzigen und nicht unter fadenscheinigen Begründungen so ziemlich jede Weiter- und Fortbildung boykottieren. Außer Beschäftigungstherapien und dem zehnten Bewerbungstraining oder Kaffeetisch-Eindeckkursen fällt den ach so professionellen Arbeitsvermittlern gar nichts mehr ein. Das ablehnend Argument für alles andere lautet: In diesem Bereich gibt es schon genügend Arbeitssuchende. Selbst für für den vom Notstand gebeutelten Pflegedienst gilt das, denn ages gibt tatsächlich auch arbeitslose Pfleger. Im Prinzip muss man einen Arbeitsvertrag vorlegen, der den Arbeitssuchenden schon in Lohn und Brot bringt, aber die letzte, wichtige Fähigkeit soll dann die Arbeitsagentur bezahlen. Warum sollte sie das tun, wenn doch schon ein Arbeitsvertrag besteht? Und welcher Arbeitgeber lässt sich auf so etwas ein? Zugegeben, die Arbeitsagenturen sind da freundlicher, aber wer einmal im ALG2 Bezug war, weiß dass es da keine Förderung beruflicher Natur gibt. Nichts. Nada. Beschämend. Und äußerst kurzsichtig. Denn selbst wenn man diesen Bedürftigen dann in einen CallCenter oder Putzjob presst - nach Ablauf der befristeten Arbeitsverträge steht man eben genau wieder an der gleichen Stelle.
herbert 20.10.2019
5. Dazu gehört auch die Freiheit solange zu arbeiten wie man will
und nicht übergeregelt mit 63 oder 65 in den Ruhestand gehen zu müssen. Es kann doch nicht sein, dass man ausgebildete Fachkräfte in den Ruhestand schickt und gleichzeitig nach Fachkräften schreit. Denn viele sind so fit und wollen länger arbeiten. Ärzte und Rechtsanwälte arbeiten doch auch solange wie sie wollen. Die Denke der Gewerkschaften alles in den Ruhestand zu schicken ist völlig daneben.
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