Studie zu Weiterbildung Kein Aufstieg durch Bildung

Wer sich bildet, kommt weiter: Das Credo gilt offenbar nicht für die berufliche Weiterbildung. Wer Schulungen und Kurse besucht, verharrt eher auf seiner Position statt aufzusteigen. Warum ist das so?
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Weiterbildung ist kein Garant für beruflichen Erfolg. Das haben Forscher des Wissenschaftszentrums Berlins und des Karlsruher Instituts für Technologie in einer empirischen Untersuchung über die Folgen von Fortbildungen  festgestellt.

Die Wissenschaftler wollten wissen: Wie wirken sich sogenannte non-formale Weiterbildungen wie Schulungen an neuen Geräten oder der Besuch von Sprachkursen auf die Karrieren von Arbeitnehmern aus. Bei sogenannten formalen Weiterbildungen wie dem Meisterkurs oder einem Studium ist der positive Aspekt hingegen unumstrittenen.

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Daten des Nationalen Bildungspanels zwischen 2009 und 2016. Im Mittelpunkt standen die Erwerbsbiografien von gut 7500 Angestellten im Alter von 25 bis 55 Jahren.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben? Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?

Die Untersuchung wurde von der Hans-Böckler-Stiftung finanziert. Sie ist im Rahmen des Projekts "Berufsbezogene Weiterbildung in Deutschland - Gründe, Formen, Erträge" entstanden. Durchgeführt wurde sie von Christian Ebner vom Karlsruher Institut für Technologie und Martin Ehlert vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, WZB. Die Abhandlung "Weiterbilden und Weiterkommen? Non-formale berufliche Weiterbildung und Arbeitsmarktmobilität in Deutschland" ist in der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie" erschienen.

Wie wurden die Daten erhoben? Wie wurden die Daten erhoben?

Die Forscher nutzten Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) über den Zeitraum von 2009 bis 2016. In ihre Analyse flossen die Berufsbiografien von 7516 abhängig Beschäftigten im Alter von 25 bis 55 Jahren ein.

Was war das Ziel der Untersuchung? Was war das Ziel der Untersuchung?

Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob non-formale berufliche Weiterbildung, also Kurse und Lehrgänge, welche den Großteil der Weiterbildungsanstrengungen in Deutschland darstellen, zu sozialem Aufstieg führen.

Zentrale Erkenntnis der Studienmacher: Das Motto "Aufstieg durch Bildung" trifft bei betrieblicher Bildung nicht zu - sondern hat den gegenteiligen Effekt. Arbeitnehmer, die an Weiterbildungen teilnehmen, wechseln seltener ihren Betrieb und Beruf und steigen seltener auf.

"Aus Sicht der Betriebe ist das eine logische Strategie: Wenn Beschäftigte geschult werden, um ihre aktuelle Aufgabe besser zu verrichten, ergibt es keinen Sinn, sie auf andere Stellen zu setzen", erklärte Co-Autor Martin Ehlert.

Der Befund sei aber nicht als Plädoyer gegen die Weiterbildung zu verstehen, so die Wissenschaftler. Betriebliche Fortbildungen versetzen Erwerbstätige demnach in die Lage, sich an verändernde Gegebenheiten am Arbeitsplatz anzupassen.

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Zweitens sei die Weiterbildung eine Art Jobgarantie: Denn diese Arbeitnehmer steigen auch seltener ab oder verlören ihre Anstellung. Weiterbildungen hätten damit eine "Sicherheitsnetzfunktion". Für den Aufstieg aber brächten sie nichts.

sun