Freiwilligendienst für Berufstätige Auszeit mit Sinn

Ein neuer Freiwilligendienst richtet sich speziell an Berufstätige. Der Weltdienst 30+ macht es möglich, eine Zeitlang im Ausland für gemeinnützige Projekte zu arbeiten.

Agrarökonom Ralf Schaab
TMN/SES

Agrarökonom Ralf Schaab


Beim Weltdienst 30+ arbeiten Deutsche in Entwicklungs- und Schwellenländern und geben ihr Wissen weiter. Die Einsätze dauern im Schnitt sechs Wochen. Das neue Angebot gibt es seit Anfang 2017. Es wird vom Bundesentwicklungsministerium gefördert und soll eine Lücke schließen - zwischen den bereits existierenden Programmen für junge Leute und für Ruheständler. Geförderte Programme für Berufstätige zu finden, war bisher schwierig. Manche haben eine Altersgrenze von 30 Jahren, andere lassen sich die Vermittlung bezahlen. Weltdienst 30+ ist kostenfrei.

Ein Schulgarten für Namibia

Im Ausland unterstützen Teilnehmer des neuen Dienstes etwa kleine und mittlere Unternehmen, öffentliche Verwaltungen oder soziale und medizinische Einrichtungen.

Der selbstständige Agrarökonom Ralf Schaab aus Wiesbaden wollte einen Schulgarten anlegen. Nicht in Deutschland, sondern in Namibia, wo es trocken und heiß ist. Zu Hause führt Schaab einen Obstbaubetrieb. Im Rahmen von Weltdienst 30+ hat er in Namibia Lehrern und Schülern dabei geholfen, den Garten zu bauen. Mit einfachen Mitteln vor Ort produzieren, die Eigenversorgung stärken - das war sein Ziel.

Ihm ging es auch darum, ein Gespür für Land und Leute zu bekommen. Das Vermitteln der fachlichen Expertise sei das eine, das Menschliche das andere. Namibia war dabei nur eine seiner Stationen, in Malawi hat er einen Kräutergarten mitgestaltet.

"Wenn Sie das Herz der Menschen erobern, bekommen Sie auch Zugriff auf den Kopf", sagt er. Und: Das Ganze sei Teamwork. "Ich komme hier nicht als Deutscher und erzähle den Leuten, was sie zu machen haben", sagt er.

Ein solches Sabbatical kann sich besonders lohnen, wenn Berufstätige während dieser Zeit nicht nur reisen, sondern ihre beruflichen Fähigkeiten im Ausland einsetzen. "Es bereichert das Wissen des Mitarbeiters", sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin des Bundesverbands der Personalmanager. Da es nicht in allen Unternehmen die Möglichkeit gebe, im Ausland zu arbeiten, sei ein externer Auslandsaufenthalt eine gute Alternative. "Neue Ideen, ein Perspektivenwechsel - all das kommt dem Mitarbeiter und dem Unternehmen zugute."

Tipps für ein Auslands-Sabbatical für Berufstätige:

  • Kündigen Sie Ihre Pläne rechtzeitig an, am besten ein Jahr im Voraus. Das jährliche Mitarbeitergespräch bietet dafür häufig einen passenden Rahmen. Ein bis drei Monate Auszeit sind in der Regel gut machbar, sagt Christa Stienen.
  • Halten Sie Ausschau nach firmeninternen Auslandsprojekten, die zeitlich begrenzt sind - wenn Sie nicht gleich für länger wegziehen wollen.
  • Wer mit Weltdienst 30+ ins Ausland will, muss über mindestens acht Jahre echte Berufserfahrung (keine Praktika) verfügen.
  • Außerdem muss der Arbeitgeber den Mitarbeiter für die Zeit des Aufenthalts (unbezahlt) freistellen.
  • Und der Reisende muss in Deutschland kranken- und sozialversichert sein.

"Wir nehmen die Person in unsere Datenbank auf und gleichen ab, ob es eine Deckung mit einem Projekt gibt", erklärt Bettina Hartmann. Für 2017 plant der Senior Experten Service (SES) für sein neues Angebot Weltdienst 30+ rund 70 Einsätze, bis Mitte Mai hatten sich circa 90 Personen angemeldet.

Neben einem Vorbereitungsseminar in Bonn werden die Ehrenamtler bei der Organisation eines Visums unterstützt, auch die Unterkunft im Zielland und der Flug werden gestellt. Laut Weltdienst 30+ entstehen den Teilnehmern bei dem Einsatz keine Kosten.

mja/Julia Naue, dpa



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