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Studie von mehr als 1000 Top-Lebensläufen Wer wird Konzernchef?

Eine neue Studie, die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt, zeigt die Muster großer Karrieren. Welche Kompetenzen für den Weg an die Spitze gefragt sind – und was sich in der Pandemie verändert hat.
Merck-Chefin Belen Garijo ist eine von zwölf neuen Chefinnen und Chefs, die im ersten Halbjahr 2021 an die Spitze von Dax- oder MDax-Unternehmen gerückt sind

Merck-Chefin Belen Garijo ist eine von zwölf neuen Chefinnen und Chefs, die im ersten Halbjahr 2021 an die Spitze von Dax- oder MDax-Unternehmen gerückt sind

Foto: Bernd Hartung / manager magazin

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2020 schien die Coronapandemie die Unternehmen zu lähmen. Doch im ersten Halbjahr 2021 kam Bewegung in die Spitzen deutscher Firmen. »Diversität, Mut und Aufbruch«: Mit diesen drei Schlagworten fasst Nicolas von Rosty die aktuellen Trends bei der Besetzung von Chefposten großer Unternehmen zusammen.

Er ist Deutschlandchef der Personalberatung Heidrick & Struggles, die regelmäßig analysiert, wer an der Spitze der größten börsennotierten Unternehmen steht und welche Lebensläufe diese Personen dort hingeführt haben. In diesem Jahr umfasst die Studie »Route to the Top« 1095 CEOs der größten börsennotierten Unternehmen aus 24 Ländern. Sie fasst aktuelle Trends bei der weltweiten Besetzung von CEO-Positionen führender Unternehmen zusammen. (Hier geht es zur Studie vom Vorjahr.)

Für Deutschland werden die Vorstandsvorsitzenden der Börsenindizes Dax (Deutscher Aktienindex) und MDax (Mid Cap Dax) berücksichtigt; im Dax sind die 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen versammelt, im MDax die 50 ihnen folgenden. Die Coronapandemie hatte 2020 zunächst dazu geführt, dass die Anzahl der Neubesetzungen an den Konzernspitzen gesunken war. 2021 gab es nun einen Rekordwert an Neuberufungen – und auch die Profile der neuen Chefs unterscheiden sich von denen des vergangenen Jahres. Die Studienautoren erkennen »eine Rückkehr zu Mustern der Vor-Corona-Zeit«.

Der neue Chef: männlich, 49 Jahre, schon in der Firma

Der durchschnittliche Konzernchef in Deutschland ist männlich (nur drei Prozent sind Frauen, weltweit sind es immerhin sechs Prozent), 55 Jahre alt (weltweiter Schnitt: 56 Jahre) und war bei seiner Berufung Ende 49, was auch dem weltweiten Schnitt entspricht.

Nur ein Fünftel (weltweit ein Viertel) der neu Berufenen waren zum Zeitpunkt ihrer Berufung jünger als 45. Ein Viertel der Chefs sowohl in Deutschland als auch weltweit kommen aus anderen Ländern als dem Firmenhauptsitz; 39 Prozent haben Auslandserfahrung (weltweit 36 Prozent), im Schnitt sind sie seit sechs Jahren auf ihrem Posten. Ein Drittel kommt nicht aus dem eigenen Unternehmen; in Skandinavien ist es rund die Hälfte, in den USA und Frankreich kommen jeweils nur ein (knappes) Fünftel von außen.

Im ersten Halbjahr 2021 gab es so viele Neubesetzungen an der Spitze wie seit 2018 nicht. Der Frauenanteil bei den neuen Chefs hat sich zwar verdoppelt – aber auf gerade mal 13 Prozent. Von Rosty sieht dennoch klare Signale: »Nachdem als Folge des Pandemieschocks viele Unternehmen den Wechsel an der Spitze zurückstellten oder sich im Falle von Nachfolgen bei der Kandidatensichtung weitgehend in der Komfortzone bewegten, stellen wir derzeit eine doppelte Trendumkehr fest. Weltweit werden Konzernspitzen wieder in größerer Anzahl neu besetzt.«

Auslandserfahrung ist immer noch von Vorteil

Das gelte auch für Deutschland. Im ersten Halbjahr 2020 wurden bei den insgesamt 90 Unternehmen in Dax und MDax acht Vorstandsvorsitzende neu berufen, im zweiten Halbjahr lediglich vier. Nun wurden im ersten Halbjahr 2021 bereits zwölf Positionen neu besetzt, also 13 Prozent, genauso viel wie in den USA. In anderen Ländern war die Quote höher: In Frankreich waren es 22, in Portugal 17 Prozent.

Traditionell kommen neue Chefs oft aus der Riege von Sparten- oder Finanzvorständen oder waren Chief Operation Officers (COOs), also verantwortlich für Betriebsprozesse und das operative Geschäft. Mittlerweile sind laut der Studie aber auch andere Kompetenzträger gefragt: etwa Chief Risk Officers, die die operationellen Risiken im Auge haben; Chief Strategy Officers, die die Unternehmensentwicklung leiten, und Chief Technology Officers, die als Technikvorstände die IT führen. Das passt zur Neuausrichtung von Arbeitsabläufen und Geschäftsfeldern in der Pandemie.

Ein weiterer Trend: Der Chefposten wird wieder zunehmend aus den eigenen Reihen besetzt. In Deutschland beispielsweise rückten bei Siemens Roland Busch, bei Merck Belen Garijo und bei E.on Leonhard Birnbaum an die Spitze, alles Leute, die schon vorher im Unternehmen waren.

Personalberater von Rosty sieht »bei den meisten internationalen Konzernen die internen Talent-Pipelines auch im Sinne einer breiten Auswahl an Kandidaten für die obersten Führungspositionen gut gefüllt«. Grundsätzlich sind, international gesehen, die neuen CEOs tendenziell weiblicher, kommen häufiger aus Ländern jenseits der Grenzen des Firmensitzes, haben mehr Erfahrung in verschiedenen Ländern und mehr höhere Bildungsabschlüsse gesammelt.

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