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Korruption, Bestechung, Diebstahl Viele deutsche Firmen sind schlecht auf Whistleblowing vorbereitet

Unternehmen in Deutschland sind oft nicht gut genug darauf eingestellt, wenn Mitarbeiter Missstände aufdecken wollen. Eine Studie zeigt: Das kann zum finanziellen Risiko werden.

Deutschland hat Nachholbedarf beim Thema Whistleblowing, und zwar reichlich: Nur knapp über die Hälfte der Unternehmen hierzulande hat eine Meldestelle für interne Informanten eingerichtet. An diese können sich Mitarbeiter wenden, die beispielsweise Korruption oder Diebstahl von Informationen bemerken.

Gleichzeitig treten - im Vergleich zu anderen untersuchten Ländern - in Deutschland am häufigsten Missstände auf. Das zeigt der "Whistleblowing Report 2019" der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur und des Münchner Technologieanbieters EQS Group.

"Das ist ein klares Defizit", sagte Studienautor Christian Hauser von der HTW Chur dem SPIEGEL. In 43 Prozent der befragten deutschen Firmen sei im Jahr 2018 illegales oder unethisches Verhalten aufgetreten. In der Schweiz seien dagegen nur knapp über ein Drittel der Unternehmen betroffen gewesen.

Die Wissenschaftler hatten insgesamt 1392 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und Frankreich befragt.

Anonymität als Schutz für Hinweisgeber

Geben potenzielle Whistleblower ihre Informationen nicht weiter, könne dies für ein Unternehmen zu großem finanziellen Schaden führen, erklärte Hauser. Etwa jeder fünfte betroffene Betrieb bezifferte diesen Schaden auf mehr als 100.000 Euro.

Mitarbeiter sollten ihre Beobachtungen möglichst anonym weitergeben können, so die Empfehlung des Wissenschaftlers - etwa über eine App, eine eigens eingerichtete Hotline oder online. "Gerade am Anfang befürchten Angestellte, dass ihnen sonst ein Nachteil entstehen könnte."

Für die Unternehmen lohne sich ein anonymes Meldesystem: Bedeutende Missstände würden oft erst durch diese Stellen aufgedeckt. Während in Deutschland nur 56 Prozent der Unternehmen über eine Meldestelle verfügten, seien es in Großbritannien und der Schweiz immerhin 65 Prozent.

lmd