In Kooperation mit

Job & Karriere

Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Wie lange muss ich bei einem Arbeitgeber bleiben?

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Maik ist erst 25 Jahre alt, aber schon bei seinem dritten Arbeitgeber. Nach dem Bachelorabschluss hat es bisher noch nirgends richtig gepasst. Was macht er falsch – und kann ihm das Jobhopping schaden?
Geh ich oder bleib ich? Und wie sieht das aus, wenn ich jetzt schon wieder kündige?

Geh ich oder bleib ich? Und wie sieht das aus, wenn ich jetzt schon wieder kündige?

Foto: Getty Images

Maik, 25 Jahre, fragt: »Nach meinem Bachelorabschluss bin ich nun bei meinem dritten Arbeitgeber. Jetzt nach fast einem Jahr merke ich wieder, dass es auf Dauer nicht der richtige Job ist. Am liebsten möchte ich mich neu bewerben, doch wie sieht das im Lebenslauf aus? Ich habe gelesen, dass man nur alle zwei Jahre wechseln sollte. Muss ich noch so lange aushalten?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Lieber Maik,

vergessen Sie solche pauschalen Wechselweisheiten. Das Ausharren in belastenden Jobs ausschließlich zur Lebenslauf-Hygiene ist nicht nur ungesund, sondern auch nicht mehr zeitgemäß. Ihre aktuellen Aufgaben oder dieses Umfeld passen offenbar nicht zu Ihnen. Statt darüber nachzudenken, wie ein erneuter Wechsel wirken könnte, sollten Sie jetzt für sich selbst mehr Klarheit schaffen: Was bringt Sie immer wieder in diese Situation, welche Positionen und Arbeitgeber passen wirklich zu Ihnen und was können Sie bei der Jobsuche nächstes Mal anders machen?

Aushalten für den Lebenslauf ist ungesund

Ich erlebe im Coaching viele Angestellte, die schlechte Chefs, unfaire Kollegen oder nicht zu ihren Stärken passende Tätigkeiten über Monate und Jahre frustriert ausgehalten haben, um Lebenslaufzeit zu schinden. Ich sehe, wie schnell sie schwächer und mit der Zeit oft auch krank werden, wenn grundlegend und dauerhaft nicht erfüllt ist, was ihnen im Beruf wichtig ist. Wie sie das gute Gefühl für sich selbst verlieren, wenn sie klein gehalten werden oder sich mit ihren Stärken nicht einbringen können. Was ist der Nutzen von einigen Monaten Verlängerung für den vermeintlich saubereren Lebenslauf, wenn Ihnen jeder weitere Tag Kraft raubt? Zeugt es nicht vielmehr von persönlicher Stärke, Entscheidungen zu treffen und die eigene Zukunft zu gestalten?

Berufseinsteiger dürfen sich ausprobieren

»Werde ich mit diesem Lebenslauf jemals wieder einen vernünftigen Job bekommen?«, fragte mich neulich eine junge Berufseinsteigerin, die gerade zweimal in kurzer Folge gewechselt hatte. Sicherlich sieht das Bild eines idealen Lebenslaufs in vielen Köpfen heute anders aus. Doch ist es so verwerflich, wenn sich junge Menschen nach einem Studium erst einmal ausprobieren, um herauszufinden, was ihnen im Beruf wichtig ist und in welchem Arbeitsumfeld sie sich richtig entfalten können? Wer definiert, dass es schlecht ist, als Berufseinsteiger in kurzer Zeit verschiedene Jobs in unterschiedlichen Organisationen kennengelernt zu haben?

Muster unterbrechen: Was können Sie anders machen?

Hinter »dreimal in Folge der falsche Job« verbirgt sich bei vielen meiner Klienten ein Muster mit System. Womöglich haben auch Sie bisher – ohne es zu wissen – systematisch nach nicht zu Ihnen passenden Stellen gesucht, lassen sich unbewusst immer von der Meinung Dritter beeinflussen oder haben als Bewerber konsequent nicht auf Ihr Bauchgefühl geachtet. Oder Sie wissen sogar, dass Sie jedes Mal aus Angst vor der drohenden Arbeitslosigkeit zu schnell unüberlegt den nächstbesten Job angenommen haben. Also, was könnte auch Ihr Anteil an dieser wiederkehrenden Situation sein – und was werden Sie bei Ihrer nächsten Jobsuche bewusst anders machen?

Konflikte klären, statt Reißaus zu nehmen

Wenn ich im Coaching mit jungen Menschen arbeite, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass sie lieber und zu schnell unbequeme Situationen verlassen, statt sich Konflikten zu stellen und gemeinsam im Team an Lösungen zu arbeiten. Viele Berufseinsteiger finden aktuell schnell wieder einen neuen Job und es erscheint leicht, beim ersten unüberwindbar anmutenden Problem schnell Reißaus zu nehmen, um beim nächsten Arbeitgeber auf mehr berufliches Glück zu hoffen. Genau hier liegt der schmale Grat zwischen zu schneller Flucht aus mangelnder Konfliktlösungskompetenz und krank machendem Aushalten zur Lebenslauf-Hygiene in einem Umfeld, das wirklich nicht passt. Was müsste geschehen, damit Sie bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber bleiben?

Bewerbung ist auch Selbstschutz

Wenn Sie wechseln, dann vertrauen Sie nicht darauf, dass ein Recruiter für Sie die richtige Auswahlentscheidung trifft. Bewerbung ist auch Selbstschutz. Kommunizieren Sie als Bewerber klar Ihre Erwartungen und bringen Sie deutlich zum Ausdruck, was Sie benötigen, um dort motiviert einen guten Job zu machen. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass ausgerechnet Sie jetzt nicht wählerisch sein dürfen, wird am Ende genau dies der Schlüssel sein, um den passenden Job und Arbeitgeber für die nächsten Jahre zu entdecken.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.