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Rat vom Jobcoach Kann ich nach drei Monaten schon wieder kündigen?

Ihre Kollegen lästern und spinnen Intrigen: Katharina, 25, ist entsetzt über das Klima an ihrem neuen Arbeitsplatz und will so schnell wie möglich wieder kündigen. Doch ist das schlau?
Tränen am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Tränen am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Foto: praetorianphoto/ Getty Images

Katharina, 25, fragt:

"Ich arbeite im Innendienst eines großen Maklerbüros. Inhaltlich macht mir die Arbeit viel Spaß, der Umgang hier ist allerdings für mich nicht auszuhalten. Zuvor habe ich im Vertrieb gearbeitet und bin es von dort gewohnt, dass hin und wieder die Ellenbogen ausgefahren wurden. An meinem vorherigen Arbeitsplatz herrschte aber trotz allem ein respektvoller Umgang miteinander.

Hier ist das anders: Intrigen, Demütigungen und Ausgrenzung sind an der Tagesordnung. Das geht besonders von zwei Kollegen aus, die auch noch in Führungspositionen sind. Beispielsweise wird über Personen, die krank sind, übel geredet und gelästert. Ebenso ziehen sie über das Aussehen einer Kollegin her.

Es ist nicht möglich, sich über diese Kollegen zu beschweren, da diese privat mit der Geschäftsleitung befreundet sind. Ich will einfach nur weg, habe schon am Wochenende Bauchschmerzen, wenn ich an Montag denke. Doch ich mache mir Sorgen, wie es in meinem Lebenslauf aussieht, wenn ich nach nur drei Monaten die Stelle wechsle. Was soll ich tun?"

Zum Autor

Matthias Martens, Jahrgang 1964, war zehn Jahre Personalleiter im Otto-Konzern, bevor er sich 2006 für die Selbstständigkeit entschied. Heute begleitet der Inhaber einer Outplacementberatung  als Berater und Coach vor allem Menschen in der Lebensmitte, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Alle Kolumnen von Matthias Martens  Mail an den Coach 

Liebe Katharina,

Ihrer Schilderung entnehme ich wenig, was für einen Verbleib in der Firma spricht. Dennoch sollten Sie versuchen, vor einer endgültigen Entscheidung möglichst verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Es ist für Außenstehende manchmal sehr irritierend, wie Teammitglieder miteinander umgehen - und gleichzeitig wird das von den Beteiligten als normaler "rauer Umgangston" empfunden. Darum sprechen Sie zunächst mit den Opfern der Anfeindungen: Fühlen diese sich tatsächlich von den Kollegen ausgegrenzt und gedemütigt oder interpretieren sie das als übliche Späßchen unter Kollegen? Reden Sie auch mit den unbeteiligten Kollegen: Empfinden die ähnlich wie Sie?

Wichtig für eine Bewertung ist auch zu erfahren, wie lange dieses Verhalten schon den Alltag bestimmt und ob es Versuche gab, das zu verändern. Mit zunehmender Dauer wird so etwas zur Normalität und es ist unwahrscheinlich, dass Sie genügend Einfluss nehmen können, um daran etwas zu verändern. Dann wäre die Entscheidung klar: Sie sollten das Unternehmen verlassen.

Andernfalls verleugnen Sie sich selbst und werden sich dort immer wie ein Fremdkörper fühlen. Stimmen die persönlichen Werte nicht mit der Unternehmenskultur überein, ist keine Identifikation möglich und das führt letztlich fast immer zur Trennung.

Lassen Sie sich ein dickes Fell wachsen

Haben Sie für sich die Entscheidung getroffen, müssen Sie allerdings etwas Geduld bewahren. Sie sollten erst kündigen, wenn Sie einen neuen Arbeitsvertrag in den Händen halten. Andernfalls laufen Sie Gefahr, arbeitslos zu werden. Das verschlechtert Ihre Ausgangsposition bei der Suche nach einem nächsten Job und Sie müssen Kompromisse machen.

Bemühen Sie sich in der Übergangszeit um eine veränderte Einstellung, die es Ihnen dort erträglicher macht. Zum Beispiel könnten Sie die verbleibende Zeit als eine Art persönliches Trainingslager betrachten, in dem Sie Ihre Fähigkeit trainieren, sich von Umgebungseinflüssen zu distanzieren. Einfacher ausgedrückt: Lassen Sie sich ein dickes Fell wachsen. Es ist ja nur für eine Übergangszeit. Und halten Sie sich mit kritischen Äußerungen zurück, damit Sie nicht selbst in die Schusslinie geraten. Das wäre eine unnötige zweite Baustelle, die Sie nur Energie kostet, Ihnen aber keinen Vorteil verschafft.

Im Hinblick auf Ihre Bewerbungen und die Wirkung im Lebenslauf sind unterschiedliche Interpretationen möglich. Viel hängt dabei von Ihrem bisherigen Werdegang ab. Generell ist zu erwarten, dass ein Personalmanager argwöhnisch wird, wenn Sie einen längeren Berufsweg hinter sich haben und immer wieder nach kurzer Zeit den Job und das Unternehmen gewechselt haben. Dann stellt sich die Frage, ob die Person wenig Durchhaltevermögen besitzt und bei ersten Schwierigkeiten aufgibt - oder ob sie die Probleme gar selbst verursacht.

Weniger kritisch ist ein schneller Jobwechsel in Ihrem Alter und wenn er im Lebenslauf die Ausnahme bildet. Denn es kommt immer mal wieder vor, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer einfach nicht zusammenpassen oder die Bedingungen sich verändert haben. Auch Befristungen werden Ihnen nicht angekreidet. Verdeutlichen Sie das unbedingt in Ihrem Lebenslauf.

Versuchen Sie nicht andere zu retten

Wenn Sie einen frühen Wechsel im Bewerbungsgespräch gut begründen, wird Ihnen das kaum ein Arbeitgeber übel nehmen. Speziell in Ihrer Situation sollten Sie im Vorstellungsgespräch eine unverfängliche Umschreibung finden und keine schmutzige Wäsche waschen. Das kommt - bei allem Verständnis - nicht gut an und wird als Illoyalität interpretiert.

Sobald Sie einen neuen Vertrag unterschrieben haben, kündigen Sie Ihren aktuellen Job mit einer vagen Begründung wie: "Ich hatte mir die Aufgabe und das Team anders vorgestellt und war nicht so recht glücklich. Jetzt habe ich ein anderes Angebot erhalten, das für mich eine große Chance darstellt."

Es reicht völlig aus, wenn Sie Ihren Chef lediglich über die Kündigung informieren. Da er die Verhältnisse bisher geduldet hat, wird er auch nicht eingreifen, wenn Sie ihm Ihr Herz ausschütten. Wahrscheinlich wird er das sogar als Vorwurf verstehen. Denken Sie an sich, und versuchen Sie nicht andere zu retten, die das vermutlich gar nicht wollen.