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Fußballkonsum Darf ich während der Arbeit WM-Spiele schauen?

Wieder laufen in der WM-Vorrunde die meisten Spiele tagsüber in Deutschland. Darf man im Büro mit den Kollegen Fußball schauen? Es ist möglich – wenn man ein paar Dinge beachtet.
WM während der Schicht? Das geht nur nach Absprache (Symbolfoto)

WM während der Schicht? Das geht nur nach Absprache (Symbolfoto)

Foto: RgStudio / Getty Images

Die Einschaltquoten bei der WM in Katar schmelzen nur so dahin. Wer sich dazu entschieden hat, das umstrittene Turnier dennoch zu verfolgen, steht spätestens heute vor dem ersten Spiel der deutschen Elf gegen Japan vor der berechtigten Frage: Darf ich auch in der Arbeitszeit Fußball schauen?

Ab 14 Uhr spielt auch Deutschland bei dieser WM mit, im Khalifa-International-Stadion westlich der Hauptstadt Doha. Für Beschäftigte, die Fußball schauen wollen, ist das eine Herausforderung. »Denn auch während einer WM bleibt Arbeitszeit Arbeitszeit – und da wird nun mal nicht Fußball geschaut«, sagt Nicole Mutschke, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Bielefeld. Das heißt: Stimmt die Chefin oder der Chef nicht zu, dann ist die WM am Arbeitsplatz tabu.

Sprechen Sie vorab mit Ihrer Vorgesetzten

Zwar ist es grundsätzlich in Ordnung, wenn Mitarbeitende ihren dienstlichen Internetzugang auch privat nutzen – dazu gehört aber wohl kaum, für 90 Minuten ein WM-Spiel zu streamen. Zwischendurch hin und wieder den Spielstand zu checken, dürfte aber okay sein.

»Man sollte es vorher mit dem Vorgesetzten absprechen. Geht man in Eigenregie vor, riskiert man eine Abmahnung, passiert es wiederholt und man ist vorbelastet, auch eine Kündigung«, sagt Mutschke.

Dass Gerichte hier durchaus rigoros entscheiden, zeigt ein Urteil  des Arbeitsgerichts Köln aus dem Jahr 2017: Ein Ford-Arbeiter klagte gegen eine Abmahnung, die er kassierte, nachdem er in seiner Schicht Schnipsel des Europa-League-Spiels Fenerbahçe Istanbul gegen Lokomotive Moskau geschaut hatte. Die Abmahnung sei rechtens, entschieden die Richter, der Mann habe seine arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt.

Ein juristischer Grenzfall ist es auch, wenn im Büro während eines Spiels das Radio läuft. In vielen Unternehmen ist das zwar ohnehin üblich, entscheidend aber ist: Das Radiohören darf nicht von der Arbeit abhalten. Ob das bei einem spannenden Spiel gegeben ist, ist wohl Ansichtssache.

Mittagspause verlegen oder gleich Urlaub einreichen?

Nun ist es nicht das erste Mal, dass WM-Spiele genau dann stattfinden, wenn die Kassiererin kassieren, der Bäcker backen und die Pflegerin Menschen pflegen muss. Auch beim deutschen Vorrundenaus in Russland fanden die Spiele gegen Mexiko und Südkorea am Nachmittag statt, bei der WM 2002 in Japan und Südkorea ebenfalls. »Wenn man nun drei oder mehr Weltmeisterschaften bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist und die Spiele während der Arbeitszeit immer im Büro geschaut werden, dann sollte das auch bei der vierten WM in Ordnung sein«, sagt Mutschke. Im Arbeitsrecht nennt man das betriebliche Übung. Da bei einer betrieblichen Übung aber gerade eine explizite Regelung fehlt, ist selten eindeutig, ob nun wirklich während der Arbeitszeit Fußball geschaut werden darf.

Um solche Unklarheiten frühzeitig zu vermeiden, sollten Arbeitgeber besser versuchen, mit dem Betriebsrat Vereinbarungen darüber zu treffen, dass während der WM die Arbeitsstunden umverteilt werden, so dass alle Fußball schauen können. So wissen alle Bescheid – und man spart sich unnötigen Stress.

Eine Betriebsfeier ist möglich – aber bei dieser WM?

Eine weitere Option wäre es, seine Mittagspause zu verlegen: So kann man wenigstens ein paar Minuten des Spiels schauen. Da aber die Lage der Pausenzeiten grundsätzlich der Arbeitgeber bestimmt, sollte man selbst hier das Gespräch suchen. Will man die 90 Minuten vollkommen entspannt sehen, geht das am besten während des Urlaubs: Die Spiele der Vorrunde sind schon länger terminiert, da konnten Mitarbeiter langfristig planen. Sich spontan während des Turniers freinehmen, kann da schon mal schwieriger werden. Grundsätzlich müssen Vorgesetzte die freien Tage zwar gewähren und die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers berücksichtigen. Wenn betriebliche Gründe das aber nicht zulassen oder der Krankenstand in der Abteilung zu hoch ist, kann die Chefin den Urlaub aber auch verweigern. Ähnliches gilt, wenn man im Schichtbetrieb seine Dienste tauschen möchte.

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Fußballvernarrte Arbeitgeber drehen den Spieß einfach um und machen aus der Übertragung eine Betriebsfeier: Die Firma kann dann sogar steuerbegünstigt Getränke und Snacks liefern lassen. Bis zu 110 Euro  darf der Arbeitgeber pro Mitarbeiter für die Verpflegung aufwenden, ohne dass der auf diesen »geldwerten Vorteil« Steuern zahlen muss. Und selbst, wenn einem Kollegen beim Jubeln ein Malheur passiert, würde hier grundsätzlich die Unfallversicherung greifen.

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