In Kooperation mit

Job & Karriere

Sabbatical des Xing-Chefs Irre! Mann macht Urlaub!

Der Chef von Xing klinkt sich für drei Monate aus und wird dafür gefeiert. Das ist ein schlechtes Zeichen.
Drei Monate faul in der Sonne sitzen - darf das ein Chef?

Drei Monate faul in der Sonne sitzen - darf das ein Chef?

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa

Thomas Vollmoeller wird in deutschen und österreichischen Medien als Held gefeiert, weil er sich eine dreimonatige Auszeit gönnt.

Der Chef eines börsennotierten Unternehmens macht ein Sabbatical! Na, der traut sich ja was, so der Tenor. In diesen Sphären sei eine Auszeit schließlich noch immer ein Eingeständnis von Schwäche.

Ist das nicht traurig?

Klemmen wir wirklich so in unseren Hamsterrädern fest, dass uns Vollmoeller daran erinnern muss, dass es "okay ist, ein Privatleben zu haben"? Dass wir jemanden abfeiern, weil er mal länger Urlaub macht?

Aber hier geht es ja nicht um irgendjemanden, hier geht es um den Chef eines börsennotierten Unternehmens, mögen nun manche dagegenhalten. Ist doch toll, dass da mal einer den Mut hat, sich auszuklinken.

Ja, mag sein. Aber es macht die Sache nicht besser.

Wir feiern Väter, die es schaffen, einmal in der Woche ihr Kind von der Kita abzuholen. Wir verfallen in Schnappatmung, wenn sie es schaffen, auch noch die Waschmaschine anzustellen. Und wenn dann noch einer eine Auszeit nimmt. OMG!

So lange wir in diesen Mustern feststecken, werden wir noch lange sehnsüchtig ins Silicon Valley schielen. Dort hat man schon vor Jahren erkannt, dass die Zahl der Überstunden nichts darüber aussagt, ob jemand gut in seinem Job ist. Die Arbeit muss erledigt werden, das ist alles, was zählt. Wer fertig ist, darf nach Hause gehen. Oder verreisen. So lange, wie er oder sie braucht, um wieder fit zu sein und die beste Leistung liefern zu können.

Der Xing-Chef hat seine Hausaufgaben gemacht. Das Unternehmen floriert, der Finanzchef führt jetzt die Geschäfte. Warum denn auch nicht? Jeder ist ersetzbar.

Vollmoeller werde "mit einem Koffer frischer Ideen zurückkehren", jubelt das "Handelsblatt". Ja, klar wird er das! Der Schreibtisch ist kein Ort, an dem Ideen geboren werden. Auch das ist keine neue Erkenntnis.

Hören wir also damit auf, einen Chef für drei Monate Urlaub zu bejubeln. Tun wir so, als sei das ganz normal. Dann wird es das nämlich auch.