Bewährungsstrafe für Hamburger Mediziner Zahnarzt zieht 15 Zähne - davon zehn gesunde

Das Amtsgericht Hamburg hat einen Zahnarzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung in vier Fällen verurteilt. Einer Frau hatte er alle Zähne gezogen - auch gesunde.

Zahnmediziner vor dem Amtsgericht (19. März 2019): Radikale Eingriffe
Daniel Reinhardt/dpa

Zahnmediziner vor dem Amtsgericht (19. März 2019): Radikale Eingriffe


Wegen gravierender Behandlungsfehler hat das Amtsgericht Hamburg einen Zahnarzt zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 55-Jährige habe sich in vier Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht, sagte Richterin Jessica Oeser.

Den vier Patienten, die fast zehn Jahre nach den Behandlungen noch immer an den Folgen leiden, muss der Angeklagte außerdem ein Schmerzensgeld von jeweils 9000 Euro zahlen. Mit der Strafe blieb das Gericht nur knapp unter der Forderung des Staatsanwalts, der ein Jahr und acht Monate auf Bewährung beantragt hatte.

Der Mediziner hatte bei drei Frauen und einem Mann zwischen März 2009 und November 2010 radikale Eingriffe vorgenommen. Einer heute 58-Jährigen, die an Heiligabend wegen Schmerzen in seine Praxis gekommen war, hatte er gleich am ersten Weihnachtstag in einer achtstündigen Operation unter Vollnarkose 15 Zähne gezogen, darunter zehn gesunde.

18.000 Euro in bar

Der Dentist soll für die achtstündige OP in Vollnarkose 18.000 Euro in bar kassiert haben. Die verbliebenen sieben Zähne der Frau entfernte er bei einer zweiten OP. Nach Ansicht des Staatsanwalts war der Eingriff medizinisch nicht notwendig.

Der Zahnarzt habe die Patienten vor der Behandlung nicht oder nur unzureichend über die riskanten Eingriffe aufgeklärt. Damit habe er seine besondere Vertrauensstellung als Arzt missbraucht.

Der Verteidiger des Arztes hatte auf Freispruch plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(Aktenzeichen: 243 Cs 102/15)

ngo/dpa

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