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Job & Karriere

Katrin Wilkens

Tipps von der Karriereberaterin Ich war zehn Jahre lang zu Hause – wie finde ich wieder ins Arbeitsleben?

Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Thea hat sich zehn Jahre lang um ihre vier Kinder und die Familie gekümmert. Jetzt will die Volkswirtin wieder in den Beruf, in Teilzeit – aber welche Chancen hat sie überhaupt?
Und von hier aus raus ins Berufsleben: Gar nicht so einfach

Und von hier aus raus ins Berufsleben: Gar nicht so einfach

Foto: Massimiliano Finzi / Moment RF / Getty Images

Thea, 49 Jahre, fragt: »Ich bin gelernte Volkswirtin und habe seit zehn Jahren nicht mehr gearbeitet. Es fällt mir schwer, das zu schreiben. Ich habe ständig Angst, andere könnten mich für faul halten. Aber: Ich habe vier Kinder, zwei Hunde, und mein Mann ist fast rund um die Uhr und rund um den Globus im Einsatz für eine Reederei. Meine Chance auf einen Job, noch dazu in Teilzeit und flexibel, falls mal wieder Homeschooling oder andere Aufgaben anstehen, dürfte minimal sein. Ich will aber wieder arbeiten. Was raten Sie mir?«

Liebe Thea,

ich muss Ihnen jetzt nichts darüber erzählen, dass Ihr Problem nicht ist, dass andere Sie für faul halten – sondern dass Sie selbst denken, Sie würden nicht genügen. Da haben Sie vier wunderbare, spätere Steuerzahler erzogen und schreiben wie ein Häuflein Elend: Ich kann nichts, ich bin nichts, keiner will mich. Stopp!

Sie haben so viel schon geschafft und das mit eher Support-Ebbe, um mal im mutmaßlichen Jargon Ihres Mannes zu bleiben. Deshalb heißt es durchatmen und sich vergegenwärtigen: Mit 49 ist man noch nicht automatisch ein altes Eisen, auch wenn man nur ein Jahr vor der ekligen 50 steht.

Ich glaube, es ist nicht das Problem, dass andere Sie für faul halten, bei vier Kindern, Hunde, Küche, ha! Es wird auch nicht der Arbeitsmarkt seine Pforten schließen, nur weil jemand aus der Fernseh-Lieblings-Zielgruppe »18 bis 49 Jahre« rausfällt. Aber man riecht ein schwaches Selbstwertgefühl eben fünf Meilen gegen den Wind – und hält sie in einem falschen Automatismus für fachlich labil. Also: Machen Sie sich eine Liste mit den fachlich zehn Königstugenden, die Sie besitzen (nein, »organisieren« zählt ausnahmsweise nicht dazu. Das sagen alle Mütter und verkaufen sich damit unter Wert).

Schreiben Sie lieber: führen, strukturieren, delegieren. Das ist ziemlich ähnlich, aber männlich konnotiert. Schreiben Sie eine Liste mit zehn machbaren Unternehmen in Ihrer Region. Schließlich werden derzeit überall dringend Fachkräfte gesucht! Schreiben Sie eine rotzfreche Bewerbung und schauen mal, was hängen bleibt. (Vielleicht hilft es, sich als Belohnung ein supertolles Wochenende irgendwo vorzustellen? Als Belohnung? Sodass es nicht noch ein »Add-on« auf Ihrer To-do-Liste ist, sondern ein lockendes Möhrchen…)

Ich würde mich auch einmal bei dem ein oder anderen Headhunter vorstellen. Immer mit 30 Wochenstunden im Gepäck, denn damit kommt man der teilzeitnahen Vollzeit, wie es Soziologen nennen, schon sehr nah.

Und auch Ableger des Arbeitsamtes wie die Koordinierungsstellen Frau und Wirtschaft  haben oft einen machbaren, ersten Bewerbungstipp parat. Es geht nicht darum, dass Sie das Non-plus-Ultra finden, sondern eher das Machbare, Mögliche, nicht Überfordernde.

Es lohnt auch, mal den Bekannten-Booster anzuschmeißen: Welche zehn Freunde, Nachbarn, etc können Sie anhauen, ob sie Sie zu einem Kontaktmittagessen mit ihrer Personalabteilung verkuppeln können? Welche Unternehmen werden in Ihrer Region eher stiefmütterlich beachtet, sind das eventuell solche »grauen Mäuse« wie der städtische Wasserbetrieb, die Verkehrsbetriebe oder die Stadtwerke?

Es gab vor einigen Jahren einen zauberhaften Werbeclip der Bayern LB  (mit der noch zauberhafteren Ronja von Rönne ), der gut widerspiegelt, dass ein nach außen unattraktiv scheinendes Unternehmen nach innen spannende Möglichkeiten bieten kann. Der Traumjob, von dem du als Kind nie geträumt hast.

Wenn Sie vierfache Mutter sind, kennen Sie bestimmt das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel: Nimmst du heute meine Kinder, nehme ich morgen deine. Es hilft, ähnlich pragmatisch an den Job heranzugehen: Hauen Sie an, wen Sie vor die Flinte bekommen – denn nach zehn Jahren hat sich jeder in Ihrem Bekanntenkreis nur daran gewöhnt, dass Sie nicht arbeiten. Das heißt aber noch lange nicht, dass es auch so bleiben muss. Ich wünsche Ihnen das, was Sie als Mutter ohnehin schon im Überfluss haben: Geduld, Ausdauer und eine Portion Humor.

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