Zeitarbeit Verleih mich!

DPA

3. Teil: Wolfgang Hartmann, 63: Ein Kläger - er streitet mit Firmen um seinen Lohn


"'Das Geld steht auch mir zu', dachte ich, als ich Ende 2010 in der Zeitung las, die Tarife der christlichen Gewerkschaften seien ungültig. Mir wurde klar: Vier Jahre lang hatte ich bei zwei Zeitarbeitsfirmen mit einem ungültigen Vertrag gearbeitet, hätte mehr Lohn bekommen müssen. Ich zog vor Gericht.

Vielleicht müsste ich den Prozess nicht führen, wenn 1989 nicht die Mauer gefallen wäre. Mit einem Schlag kamen Tausende von Facharbeitern aus Ostdeutschland, die mir Konkurrenz machten. Ich hatte in dieser Zeit jedenfalls zum ersten Mal das Problem, dass es für mich nicht ausreichend Arbeit gab.

Zuvor hatte ich fast 30 Jahre lang bei verschiedenen Firmen gearbeitet, immer als Elektriker. 1991 machte ich eine Umschulung zum technischen Zeichner. Die Schulung war gut, aber sie hat das Problem nicht wirklich gelöst. 2001 hat es mich hart erwischt, es war der Beginn von vier Jahren Arbeitslosigkeit.

Ich hätte jeden Job angenommen

In dieser Zeit habe ich mich beworben, wo ich auch nur den Hauch einer Chance hatte. Immer wieder war ich bei Vorstellungsgesprächen, aber es hat nicht geklappt. Woran es lag, kann ich nicht sagen. Als ich schon Hartz IV bezog, rief endlich eine Zeitarbeitsfirma an und machte mir ein Angebot. Was ich geantwortet habe? 'Ja' natürlich, ich hätte in dieser Zeit jeden Job angenommen! Zudem konnte ich als technischer Zeichner arbeiten, endlich. Bezahlt haben sie mir 9,10 Euro die Stunde plus Zulagen und Fahrtgeld. Die Stammarbeiter haben etwa 50 Prozent mehr verdient.

Eingesetzt wurde ich bei den Bremer Stadtwerken und in einer Firma, die Schiffsarmaturen baut. Wie die Festangestellten habe ich 39 Stunden pro Woche gearbeitet. Es war anstrengend, aber es hat mich erfüllt. Da will ich mich nicht beklagen.

Bei allen Einsätzen war ich der einzige geliehene Arbeiter. Isoliert war ich deswegen nicht, zu den Kollegen hatte ich ein gutes Verhältnis. Eine feste Stelle hat mir niemand in Aussicht gestellt, aber natürlich habe ich mir Hoffnungen gemacht. Einmal habe ich den Chef der Stadtwerke gefragt, ob er mich nicht die drei Jahre bis zur Rente fest einstellen könne. 'Geht leider nicht', hat er geantwortet.

Zäher Streit vor Gericht

Wegen der CGZP-Tarife habe ich vor kurzem die beiden Zeitarbeitsfirmen verklagt, bei denen ich am längsten gearbeitet habe. Insgesamt geht es um etwa 11.000 Euro.

Mit einem der Unternehmen hatte ich vor zwei Jahren schon eine gerichtliche Auseinandersetzung, es ging um eine Abfindung. Das Gericht hat mir recht gegeben, aber das Geld ist noch immer nicht vollständig auf meinem Konto. Ich verstehe nicht, wieso das so lange dauert - da sollte doch längst der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen.

Trotz allem finde ich eine Beschäftigung auf Zeit besser, als arbeitslos zu sein. So konnte ich mir immerhin ab und zu einen Urlaub gönnen. Jetzt sind es nur noch eineinhalb Jahre bis zur Rente. Wenn es so weit ist, will ich mehr Zeit mit meiner Frau und den Enkeln verbringen, hier in unserem Haus im Grünen. Ins Gericht muss ich dann hoffentlich nicht mehr."



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