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25. Februar 2014, 08:51 Uhr

Zigarrenspezialist

Rauchzeichen aus dem Keller

Von Sandra Moser

"Hier schmecken Sie Leder, Pfeffer und eine feine Note Zeder" - solche Aroma-Fachsimpelei ist Michael Bader zuwider. Der Berufsraucher veranstaltet Verkostungen für Zigarrenfans in seinem Keller. Und erklärt Neulingen, warum sie auf teure Havannas verzichten sollten.

Die neuen Steckdosen sind mit Blenden aus alten Zigarrenkistchen versehen. Wenn alles fertig ist, sollen hier Humidor-Vitrinen auf Rollen stehen und gemütliche Sofas und Sessel auf bunten Perserteppichen. "Weit weg vom Alltag, so stelle ich mir das hier vor", sagt Michael Bader, 49, mit einer ausholenden Armbewegung. Seit zwei Jahren bastelt er in Dresden im Keller des Hotel Burgk, das seine Lebensgefährtin betreibt, an einem Raum für seine Zigarrenverkostungen. Bader hat das Ziegelgewölbe renoviert, beinahe täglich schleppt er Deko-Stücke an.

Der Betriebswirt kam 1991 für seinen ehemaligen Arbeitgeber nach Dresden. Ein Bekannter nahm ihn 2001 mit in den Club Havanna 99 e.V. und entflammte dort nicht nur Baders erste Zigarre, sondern auch seine Begeisterung für das Genussrauchen. Mittlerweile ist er erster Vorstand des Vereins und hat aus der Faszination seinen Beruf gemacht.

Unter dem Namen "Cigars-Spirits-Events & More" bringt er mit mobilem Equipment und Dekoration die Welt der Zigarren auf Veranstaltungen. Seine Kunden buchen ihn für Firmenfeiern, Golfturniere, After-Show-Parties, Produktpremieren oder Oldtimer-Rallyes. Auch die Berlinale und die Münchner Filmfestspiele stehen auf der Liste. Überall, wo sich Genussmenschen herumtreiben.

Richtig ins Schwärmen bringt ihn allerdings ein anderer Termin: Seit dem ersten neuen Ball in der Semperoper 2006 gibt es dort die Club Havanna Lounge. "Wenn ich dort zwischen den Tischen herumgehe, den Gästen die Zigarren anbrenne und ihnen etwas dazu erzähle, bin ich ganz in meinem Element." Auch Spirituosen gehören zu Baders Angebot. Fassgelagerter Rum, alter Whiskey, Cognac, Edelbrände. Die runden eine Zigarre nicht nur ab, sondern sorgen auch für Umsatz. Manchmal gibt es auch Schokolade dazu.

Bader setzt die Bohrmaschine an, zwei alte Kerzenhalter sollen noch an die Kellerwand. Ihn umwabert der satte Dunst einer stattlichen Zigarre, aus einer Retro-Musikanlage klimpert melodischer Bossa Nova: "Zigarre und Musik sind von Avo Uvezian. Komponistenlegende und Produzent von ebenso legendären Zigarren-Cuvées", sagt Bader.

Zigarren seien Kompositionen, wie Musikstücke. Naturprodukte, nicht zu vergleichen mit ordinären Zigaretten, die bis zu 400 Zusatzstoffe und Brennsalze enthalten. Mit dem Stumpen im Mund erzählt er mehr von Uvezian: geboren in Syrien, musikalisch begabt, Hofpianist des persischen Schahs, Mitkomponist von Sinatras "Strangers in the Night", entdeckt die Liebe zu feinem Tabak und bringt eine eigene Marke heraus. "2011 saßen wir zusammen. 85 war er da, ein grandioser Kerl."

Hauptsache, es schmeckt

Mit unterhaltsamen Anekdoten rund um große Zigarrenliebhaber, die bekannten Tabakdynastien und die Anbauländer nimmt der gebürtige Stuttgarter sein Publikum mit in die Welt des Genussrauchens. "Soll ich den Leuten erzählen: Hier bemerken Sie Aromen wie Leder, Zeder, Pfeffer, während ich ihnen eine Zigarre anbrenne?" Nee, das sei nicht sein Ding. Schmecken müsse es.

Deshalb bekommt ein Anfänger von ihm keine kräftige und hochpreisige Cohiba in die Hand gedrückt. Er will Neulinge sorgsam heranführen und langfristig begeistern. Also lieber eine leichte sanfte Variante. Eine Vega Fina aus der Dominikanischen Republik vielleicht. Oder, wenn es eine Havanna sein soll, eine mittelkräftige Romeo y Julieta.

Zigarren sollte man nicht auf Lunge rauchen, das haut einen um. Und vorher am besten ganz nah ans Ohr halten, sanft drücken und zwischen den Fingerspitzen drehen. Knistert es zu sehr, ist die Zigarre falsch gelagert und zu trocken.

Baders Warenlager, ein begehbarer Humidor, ist gut sortiert. Kuba, Nicaragua, Dominikanische Republik, Honduras, Sumatra. Alle Anbauländer sind vertreten. Tausende Zigarren. Kurz, lang, dick, schlank, alle Preisklassen, in Kisten, Kästchen, Blechdosen, Porzellan-Jars, gestapelt vom Boden bis zur Decke. "Manchmal muss ich schon von vorn nach hinten umräumen, damit ich wieder den Überblick bekomme."

Seine größten Schätze hat er allerdings mit einem Handgriff parat. Zum Beispiel die Avo Edition von 2013. In einer flachen Holzschatulle, innen ausgeschlagen mit einem Notenblatt: "Beautiful Days", neueste Komposition von Uvezian, eigens für diese limitierte Charge.

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