Zigarrenspezialist Rauchzeichen aus dem Keller

"Hier schmecken Sie Leder, Pfeffer und eine feine Note Zeder" - solche Aroma-Fachsimpelei ist Michael Bader zuwider. Der Berufsraucher veranstaltet Verkostungen für Zigarrenfans in seinem Keller. Und erklärt Neulingen, warum sie auf teure Havannas verzichten sollten.

Thomas Küppers

Von Sandra Moser


Die neuen Steckdosen sind mit Blenden aus alten Zigarrenkistchen versehen. Wenn alles fertig ist, sollen hier Humidor-Vitrinen auf Rollen stehen und gemütliche Sofas und Sessel auf bunten Perserteppichen. "Weit weg vom Alltag, so stelle ich mir das hier vor", sagt Michael Bader, 49, mit einer ausholenden Armbewegung. Seit zwei Jahren bastelt er in Dresden im Keller des Hotel Burgk, das seine Lebensgefährtin betreibt, an einem Raum für seine Zigarrenverkostungen. Bader hat das Ziegelgewölbe renoviert, beinahe täglich schleppt er Deko-Stücke an.

Der Betriebswirt kam 1991 für seinen ehemaligen Arbeitgeber nach Dresden. Ein Bekannter nahm ihn 2001 mit in den Club Havanna 99 e.V. und entflammte dort nicht nur Baders erste Zigarre, sondern auch seine Begeisterung für das Genussrauchen. Mittlerweile ist er erster Vorstand des Vereins und hat aus der Faszination seinen Beruf gemacht.

Unter dem Namen "Cigars-Spirits-Events & More" bringt er mit mobilem Equipment und Dekoration die Welt der Zigarren auf Veranstaltungen. Seine Kunden buchen ihn für Firmenfeiern, Golfturniere, After-Show-Parties, Produktpremieren oder Oldtimer-Rallyes. Auch die Berlinale und die Münchner Filmfestspiele stehen auf der Liste. Überall, wo sich Genussmenschen herumtreiben.

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Richtig ins Schwärmen bringt ihn allerdings ein anderer Termin: Seit dem ersten neuen Ball in der Semperoper 2006 gibt es dort die Club Havanna Lounge. "Wenn ich dort zwischen den Tischen herumgehe, den Gästen die Zigarren anbrenne und ihnen etwas dazu erzähle, bin ich ganz in meinem Element." Auch Spirituosen gehören zu Baders Angebot. Fassgelagerter Rum, alter Whiskey, Cognac, Edelbrände. Die runden eine Zigarre nicht nur ab, sondern sorgen auch für Umsatz. Manchmal gibt es auch Schokolade dazu.

Bader setzt die Bohrmaschine an, zwei alte Kerzenhalter sollen noch an die Kellerwand. Ihn umwabert der satte Dunst einer stattlichen Zigarre, aus einer Retro-Musikanlage klimpert melodischer Bossa Nova: "Zigarre und Musik sind von Avo Uvezian. Komponistenlegende und Produzent von ebenso legendären Zigarren-Cuvées", sagt Bader.

Zigarren seien Kompositionen, wie Musikstücke. Naturprodukte, nicht zu vergleichen mit ordinären Zigaretten, die bis zu 400 Zusatzstoffe und Brennsalze enthalten. Mit dem Stumpen im Mund erzählt er mehr von Uvezian: geboren in Syrien, musikalisch begabt, Hofpianist des persischen Schahs, Mitkomponist von Sinatras "Strangers in the Night", entdeckt die Liebe zu feinem Tabak und bringt eine eigene Marke heraus. "2011 saßen wir zusammen. 85 war er da, ein grandioser Kerl."

Hauptsache, es schmeckt

Mit unterhaltsamen Anekdoten rund um große Zigarrenliebhaber, die bekannten Tabakdynastien und die Anbauländer nimmt der gebürtige Stuttgarter sein Publikum mit in die Welt des Genussrauchens. "Soll ich den Leuten erzählen: Hier bemerken Sie Aromen wie Leder, Zeder, Pfeffer, während ich ihnen eine Zigarre anbrenne?" Nee, das sei nicht sein Ding. Schmecken müsse es.

Deshalb bekommt ein Anfänger von ihm keine kräftige und hochpreisige Cohiba in die Hand gedrückt. Er will Neulinge sorgsam heranführen und langfristig begeistern. Also lieber eine leichte sanfte Variante. Eine Vega Fina aus der Dominikanischen Republik vielleicht. Oder, wenn es eine Havanna sein soll, eine mittelkräftige Romeo y Julieta.

Zigarren sollte man nicht auf Lunge rauchen, das haut einen um. Und vorher am besten ganz nah ans Ohr halten, sanft drücken und zwischen den Fingerspitzen drehen. Knistert es zu sehr, ist die Zigarre falsch gelagert und zu trocken.

Baders Warenlager, ein begehbarer Humidor, ist gut sortiert. Kuba, Nicaragua, Dominikanische Republik, Honduras, Sumatra. Alle Anbauländer sind vertreten. Tausende Zigarren. Kurz, lang, dick, schlank, alle Preisklassen, in Kisten, Kästchen, Blechdosen, Porzellan-Jars, gestapelt vom Boden bis zur Decke. "Manchmal muss ich schon von vorn nach hinten umräumen, damit ich wieder den Überblick bekomme."

Seine größten Schätze hat er allerdings mit einem Handgriff parat. Zum Beispiel die Avo Edition von 2013. In einer flachen Holzschatulle, innen ausgeschlagen mit einem Notenblatt: "Beautiful Days", neueste Komposition von Uvezian, eigens für diese limitierte Charge.

  • Thomas Küppers
    KarriereSPIEGEL-Autorin Sandra Moser ist freie Journalistin in Dürnau.

insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
lorn order 25.02.2014
1. stinkender Qualm
Zitat von sysopThomas Küppers"Hier schmecken Sie Leder, Pfeffer und eine feine Note Zeder" - solche Aroma-Fachsimpelei ist Michael Bader zuwider. Der Berufsraucher veranstaltet Verkostungen für Zigarrenfans. Wenn er in seinen Keller einlädt, unterhält er die Gäste lieber mit Anekdoten von musizierenden Tabakbaronen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/zigarren-spezialist-bader-tabak-verkostung-als-geschaeft-a-955320.html
Leider ist es für den geplagten Nichtraucher vollkommen unerheblich, ob der Zigarrenraucher sich geniesserisch eine teure Cohiba oder einen billigen Stumpen ansteckt. Der Gestank ist in beiden Fällen für die Mitmenschen unerträglich! Und wenn man jemals Aschenbecher gereinigt hat, in denen sich die vollgesabberten erloschenen Zigarrenreste befindet, dann zweifelt man am Genussempfinden seiner rauchenden Artgenossen.
meinunggefragt 25.02.2014
2. ferngehalten
Ganz einfach. Raucher werden ja mittlerweile aus-, oder eingesperrt. Betreten Sie doch einfach solche Lounges nicht
socketuning 25.02.2014
3.
Zitat von lorn orderLeider ist es für den geplagten Nichtraucher vollkommen unerheblich, ob der Zigarrenraucher sich geniesserisch eine teure Cohiba oder einen billigen Stumpen ansteckt. Der Gestank ist in beiden Fällen für die Mitmenschen unerträglich! Und wenn man jemals Aschenbecher gereinigt hat, in denen sich die vollgesabberten erloschenen Zigarrenreste befindet, dann zweifelt man am Genussempfinden seiner rauchenden Artgenossen.
Sie werden nicht gezwungen da hin zu gehen!
sangerman 25.02.2014
4. lorn order
dem kann ich nur beipflichten.
thelix 25.02.2014
5.
Zitat von lorn orderLeider ist es für den geplagten Nichtraucher vollkommen unerheblich, ob der Zigarrenraucher sich geniesserisch eine teure Cohiba oder einen billigen Stumpen ansteckt. Der Gestank ist in beiden Fällen für die Mitmenschen unerträglich! Und wenn man jemals Aschenbecher gereinigt hat, in denen sich die vollgesabberten erloschenen Zigarrenreste befindet, dann zweifelt man am Genussempfinden seiner rauchenden Artgenossen.
... und genau so ist es für den Zigarrenraucher vollkommen unerheblich, wenn sich ein "geplagter Nichtraucher" dummdreist in einen Raum für Zigarrenverkostungen, einen Raucherclub oder auch nur ein Raucherzimmer begibt. Kein Klassikfanatiker würde sich auf ein Metalkonzert begeben, um sich lautstark über die "furchtbare Musik" zu beschweren. Kein Arthousefanatiker geht freiwillig in den neuen Bruckheimer, um sich über die stupide Handlung zu beschweren. Aber irgendwie scheinen Nichtraucherfanatiker ein Faible für Orte zu haben, die ausschließlich (!) dem Tabakkonsum gewidmet sind... Das muss man sich mal bildlich vorstellen: da sitzen ein Dutzend Leute friedlich zusammen, wohl wissend, daß sie unter sich sind und niemandem etwas zuleide tun (außer sich selbst), und da kommt irgend 'ne Type rein, beschwert sich über den Gestank und verlangt von allen anwesenden, daß sie gefälligst sofort aufzuhören haben... Mit freundlichem Gruß, ein Ex-Raucher
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