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29. März 2018, 09:41 Uhr

So geht Arbeit

Holen Sie sich ein Zwischenzeugnis - ohne dass der Chef Verdacht schöpft

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Sie wollen sich woanders vorstellen, trauen sich aber nicht, den Chef um ein Zeugnis zu bitten? Wer seine Rechte kennt, kommt nicht so schnell in Erklärungsnot.

Sie haben ein Problem:

Ihnen schwant Böses. So, wie Ihre Firma derzeit umgebaut wird, bleibt kein Stein auf dem anderen. Ihre Abteilung wird kommenden Monat aufgelöst, die bisherigen Aufgaben auf zwei neue Einheiten übertragen. Zwar sieht es so aus, als ob Ihre Stelle nicht zur Disposition steht. Aber Sie fragen sich: Wie lange geht das noch gut?

Deswegen sehen Sie sich unauffällig nach einem neuen Job um. In sechs Wochen haben Sie einen Termin bei einem Mitbewerber, sympathischer Laden. Am liebsten würden Sie ein Zwischenzeugnis mitbringen, um zu zeigen, was Sie so drauf haben.

Aber wie bringen Sie Ihre Vorgesetzte dazu, ein Zeugnis zu schreiben, ohne dass sie Verdacht schöpft? Weiß die dann nicht sofort, dass Sie auf dem Absprung sind? Und was, wenn es dann mit der neuen Stelle nicht klappt? Dann sind Sie bei der nächsten Sparrunde bestimmt als einer der ersten weg.

Das könnte helfen:

Sie haben ja nicht nur diesen einen Grund für ein Zwischenzeugnis. Mit der neuen Abteilungsstruktur bekommen sie auch einen neuen Vorgesetzten. Ob es mit dem so gut läuft wie bisher, muss sich erst herausstellen. Da wäre ein Zwischenzeugnis von Ihrer langjährigen Chefin doch eine gute Idee, oder? Das wäre ein sauberer Abschluss, das sieht sie sicher ein.

Kein Missverständnis, bitte: Auch eine Bewerbung bei einem anderen Arbeitgeber ist ein legitimer Grund. Viele Arbeitsrichter sehen es daher so, dass man eigentlich immer ein Zwischenzeugnis verlangen kann, ohne das erklären zu müssen. Trotzdem ist es einfacher, einen Grund nennen zu können, den man Ihnen nicht übelnimmt.

Einen eindeutigen Anspruch auf das Zeugnis haben Sie, wenn ein "berechtigtes Interesse" besteht. Vor Arbeitsgerichten ist das:

Außerdem sehen manche Tarifverträge oder Arbeitsverträge vor, dass nach einer bestimmten Frist ein Zwischenzeugnis ausgestellt wird.

Das sollten Sie beachten:

Stellen Sie Ihre Anfrage am besten schriftlich. Lästige Zusatzarbeiten - und so werden das viele Chefs sehen - werden gern vergessen, wenn sie nicht dokumentiert sind. Prüfen Sie außerdem vorher, ob in Ihrem Arbeitsvertrag vielleicht eine Ausschlussfrist für ein Zeugnis vorgesehen ist. Nach Ablauf dieser Frist haben Sie keinen Anspruch mehr auf ein Zeugnis. Meist gelten diese Fristen aber nur für Zeugnisse am Ende eines Arbeitsverhältnisses.

Eine mögliche Ausflucht gibt es noch: Wenn Sie erst sehr kurz in der aktuellen Position beschäftigt sind, dann kann es sein, dass sich Ihre Vorgesetzte nicht imstande sieht, ein qualifiziertes Zeugnis zu schreiben, also eins, in dem ihre fachlichen Leistungen, ihre Motivation und das Sozialverhalten bewertet werden. Wie lange Sie dafür zusammengearbeitet haben sollten, ist Ermessenssache. Zur Not können Sie aber immer noch ein einfaches Zeugnis bekommen. Darin werden Ihre Arbeitsdaten angegeben und Ihre Aufgaben beschrieben, aber nicht benotet. Besser als nichts.

Und sonst so?

Für das Zwischenzeugnis gelten die gleichen Regeln, wie für jedes andere Zeugnis auch: Es muss wohlwollend formuliert sein. Rechnen Sie also mit den üblichen Formulierungstricks: Aufgaben sollten beispielsweise "stets zur vollsten Zufriedenheit" erledigt worden sein, auch wenn das sprachlich krumm ist. Sonst kann ein Leser auf die Idee kommen, dass Sie vielleicht gar nicht so toll im Job sind. Tipps dazu finden Sie im Themenkasten oben.

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