Bisher größte Eigentumsrückübertragung 512 Benin-Bronzen gehen an Nigeria zurück – ein Drittel bleibt als Leihgabe in Berlin

Es sei eine Rückgabevereinbarung mit Vorbildcharakter, findet Claudia Roth: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat sich mit nigerianischen Stellen auf den Umgang mit von Kolonialisten geraubten Kunstwerken geeinigt.

512 Werke gelangten als Folge der sogenannten Britischen Strafexpedition von 1897 aus dem damaligen Königreich Benin nach Berlin. Nach der grundsätzlichen Einigung über eine Rückgabe der geraubten Werke, die Außenministerin Annalena Baerbock und Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit ihren Amtskollegen aus Nigeria unterzeichnet hatten, geht es nun um die Details.

Am Donnerstag haben Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), und Abba Isa Tijani, Generaldirektor der National Commission for Museums and Monuments (NCMM), den Vertrag unterzeichnet, mit dem das Eigentum an den Benin-Objekten aus der Sammlung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin an Nigeria geregelt wird. Es handelt sich um 512 Werke; laut SPK »die bislang größte Eigentumsrückübertragung von Sammlungsobjekten aus kolonialem Kontext«.

Erste Objekte sollen noch in diesem Jahr nach Nigeria zurückgeführt werden. Rund ein Drittel der übereigneten Objekte aber wird für zunächst zehn Jahre als Leihgabe in Berlin bleiben und im Humboldt Forum ausgestellt werden. Diese langfristigen Leihgaben erfüllen SPK-Präsident Parzinger »mit großer Dankbarkeit«. Die Vereinbarung unterstreiche »das große Vertrauen, das in den gemeinsamen Gesprächen der letzten Jahre entstanden« sei. Für Kulturstaatsministerin Roth hat die Rückgabe »Vorbildcharakter für alle Museen in Deutschland, die Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten besitzen.«

Abba Tijani, Generaldirektor der NCMM Nigeria, sieht in dem Vertrag eine Zukunft in Bezug auf die Ausgabe von Artefakten: »Eine Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Museen, eine Zukunft, in der den legitimen Forderungen anderer Nationen und traditioneller Institutionen Respekt und Würde entgegengebracht werden.«

Unter den Leihgaben finden sich alle Varianten der Kunst aus Benin. Zwei Räume im Humboldt Forum sollen sich der Kunst aus dem Königreich Benin und seiner Geschichte widmen. Bedeutung und Geschichte der Objekte und der Sammlung und ihrer Rückgabe sollen dargestellt werden. Im zweiten Raum werden rund 30 historische Objekte zeitgenössischer Kunst aus Nigeria gegenübergestellt, die auch heute noch traditionelle Techniken nutzt.

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